Metallbranche Lohnerhöhung kommt für Millionen später

2,1 Prozent mehr Lohn sollen die Metallarbeiter in Deutschland ab Mai erhalten. Doch die vorgesehene Tarifsteigerung wird sich für bis zu 1,8 Millionen Beschäftigte um mehrere Monate verzögern. Zudem schließen die Arbeitgeber vermehrte Entlassungen in der zweiten Jahreshälfte nicht mehr aus.

Frankfurt am Main - Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser kündigte in der "Bild"-Zeitung (Samstagausgabe) an, dass bis zu 50 Prozent der 3,6 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie die Erhöhung erst später bekommen würden. Hintergrund ist eine Klausel im Tarifvertrag, die es Betrieben in Schwierigkeiten erlaubt, die Erhöhung um 2,1 Prozent um sieben Monate zu verschieben. Von dieser Klausel wollten "schätzungsweise bis zur Hälfte der Firmen Gebrauch machen", sagte Kannegiesser.

Vorerst keine Lohnerhöhung: Angesichts der Wirtschaftskrise werden bis zu 1,8 Millionen Mitarbeiter in der Metall- und Elektroindustrie auf die ausgehandelte Tarifsteigerung von 2,1 Prozent noch Monate warten müssen. Eine Klausel in dem Tarifvertrag lässt dies zu.

Vorerst keine Lohnerhöhung: Angesichts der Wirtschaftskrise werden bis zu 1,8 Millionen Mitarbeiter in der Metall- und Elektroindustrie auf die ausgehandelte Tarifsteigerung von 2,1 Prozent noch Monate warten müssen. Eine Klausel in dem Tarifvertrag lässt dies zu.

Foto: DDP

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch eine Umfrage der "Süddeutschen Zeitung" unter Arbeitgebern und Gewerkschaften. Der Leiter des IG-Metall-Bezirks Frankfurt, Armin Schild, sagte: "Die Situation wird von Woche zu Woche schwieriger, die Zahl der Betriebe mit ernsthaften Problemen nimmt drastisch zu." In Thüringen wolle fast die Hälfte der Betriebe die Lohnerhöhung nicht von Mai an zahlen, in Hessen und Rheinland-Pfalz jedes dritte und im Saarland jedes vierte Unternehmen. Die Zahl der Betriebe mit ernsthaften Schwierigkeiten nehme drastisch zu.

Mehr Stellenstreichungen befürchtet

Kannegiesser befürchtet für die zweite Jahreshälfte vermehrt Stellenstreichungen. Der Gesamtmetall-Chef äußerte zugleich die Hoffnung, dass die Branche trotz der angespannten Situation auf Massenentlassungen verzichten wird: "In den letzten 40 Jahren habe ich keine Krise erlebt, in der sich unsere Firmen so intensiv um Joberhalt gesorgt haben." Die Kurzarbeit für derzeit 1,4 Millionen Metaller sei allerdings dauerhaft nicht durchzuhalten. "In der zweiten Jahreshälfte wird es daher mehr Jobabbau geben, aber sicher keinen Kahlschlag."

Bayer erwägt Kurzarbeit in der Kunststoffsparte

Der IG-BCE-Vorsitzende Hubertus Schmoldt forderte die Unternehmen seiner Branche auf, trotz der Krise auf Entlassungen zu verzichten. Arbeitszeitverkürzungen und Kurzarbeit reichten aus, um den Engpass zu überwinden. "Den Unternehmen droht sonst ein Verlust von Knowhow. Und es wird schwierig bis unmöglich für sie sein, geeignete Fachkräfte zu finden, wenn es wieder bergauf geht", mahnte Schmoldt in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP.

Wegen der Krise erwägt der Chemiekonzern Bayer die Einführung von Kurzarbeit in seiner Kunststoffsparte. Wenn die Krise in diesem Ausmaß anhalte, könne man Kurzarbeit nicht ausschließen, sagte Bayer-Personalvorstand Richard Pott der "Rheinischen Post" (Samstagausgabe). Sämtliche deutsche Standorte sind nach Worten des Managers betroffen.

manager-magazin.de mit Material von ap