Stellenabbau Commerzbank lobt "Sprinterprämie" aus

Die Commerzbank steht vor gewaltigen Umwälzungen. Das Institut wird sich auf Druck der EU wohl von Beteiligungen trennen müssen. Zugleich sollen nach der Übernahme der Dresdner Bank mehr als 30.000 Mitarbeiter einen neuen Job im Konzern erhalten. Wer schnell freiwillig geht, werde mit einer "Sprinterprämie" belohnt, heißt es.

Hamburg - Commerzbank-Chef Martin Blessing drängt bei der Übernahme der Dresdner Bank aufs Tempo. "Über die Hälfte der insgesamt 60.000 Mitarbeiter der beiden Banken werden am Schluss auf einem anderen Arbeitsplatz sitzen, auch wenn sie oft am gleichen Ort die gleiche Arbeit machen", sagte Arno Walter, der Organisationschef der Commerzbank , dem SPIEGEL.

Commerzbank im Umbruch: Allein in Frankfurt sollen 2200 Stellen wegfallen

Commerzbank im Umbruch: Allein in Frankfurt sollen 2200 Stellen wegfallen

Foto: REUTERS

In den nächsten Wochen können sich einige tausend Mitarbeiter um etwa 900 Stellen der dritten und vierten Führungsebene in der Frankfurter Konzernzentrale bewerben. Insgesamt sollen durch den Wegfall der Konzernzentrale der Dresdner Bank 2200 Stellen allein in Frankfurt wegfallen.

Wer schnell freiwillig ausscheidet, werde mit einer "Sprinterprämie" von drei Monatsgehältern belohnt. Wer in Altersteilzeit gehen will, müsse sich bis Ende Juli entscheiden. Wer mindestens zehn Jahre dabei ist, dürfe mit einer Abfindung gehen, berichtet das Nachrichtenmagazin.

Insgesamt wolle die Bank bis 2012 ein Drittel der bisher im Großraum Frankfurt genutzten 800.000 Quadratmeter Bürofläche räumen. Einzig die 4300 Computerspezialisten beider Banken würden von Kündigungen verschont. Sie sollen mit 1000 externen IT-Beratern die Migration der Dresdner-Bank-Systeme auf die Computer der Commerzbank gewährleisten. Dem Magazin zufolge veranschlagt die Bank dafür Kosten in Höhe von einer Milliarde Euro.

Trennung von Immobilienfinanzierer Eurohypo möglich

Erst in dieser Woche war bekannt geworden, dass die Commerzbank bereit ist, sich von Konzernteilen zu trennen, um von der Europäischen Kommission grünes Licht für die milliardenschwere Kapitalspritze des Bundes zu erhalten. Ein entsprechendes Angebot habe die Bank der EU-Kommission unterbreitet, berichtete das "Handelsblatt". Dabei wird offenbar auch eine Abspaltung des Immobilienfinanzierers Eurohypo und des gesamten Osteuropa-Geschäfts diskutiert.

Hintergrund ist die Frage, ob die zweite Tranche des insgesamt 18,2 Milliarden Euro schweren staatlichen Rettungspakets von der EU-Kommission genehmigt werden muss. Die Wettbewerbshüter neigen dazu, die Zehn-Milliarden-Euro-Hilfe, mit der der Bund rund ein Viertel der Commerzbank-Anteile erwirbt, als Beihilfe zu werten. Nach EU-Recht können grundsätzlich nicht zwei Mal hintereinander Rettungsbeihilfen ohne Umstrukturierungen des Unternehmens gewährt werden. Berlin sieht dagegen auch die zehn Milliarden Euro von der generellen EU-Genehmigung für den Rettungsfonds Soffin gedeckt.

EU-Wettbewerbskommissarin dringt auf Bilanzverkürzung

EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes hatte dagegen betont, dass sie von jenen Banken, deren Geschäftsmodell aktuell als nicht nachhaltig betrachtet werde, deutliche Bilanzverkürzungen fordere. Mit einer Abspaltung des Immobilienfinanzierers Eurohypo  würde sich die Bilanzsumme der Commerzbank gemessen an dem neuen Institut - also inklusive Dresdner - um gut ein Viertel verringern. Zudem würde sich der Dax-Konzern Risiken ersparen: Die Eurohypo selbst hatte bei ihrer Bilanzvorlage Ende März darauf hingewiesen, sie stufe vor allem die Risiken bei gewerblichen Immobilienkrediten als "sehr kritisch" ein. In der Staatsfinanzierung geht die Eurohypo für 2009 von einem "negativen Ergebnisbeitrag" aus. 2008 schrieb die Eurohypo tiefrote Zahlen: Am Ende standen rund 1,4 Milliarden Euro Vorsteuerverlust.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.