Donnerstag, 20. Juni 2019

G20 Die Obama-Festspiele

Er kam, sah und siegte - die Euphorie um Barack Obama während des Londoner G20-Gipfels erinnert an seinen Wahlkampf. Dabei lobt der US-Präsident nicht nur das Ergebnis des Gipfels, sondern mahnt weitere Arbeit an.

London - Es rauscht. Es prasselt. So klingt es, wenn hunderte Fotografen gleichzeitig losblitzen, um Barack Obama abzulichten. Seine Verspätung, die strengen Sicherheitsvorkehrungen sind offenbar vergessen. Denn alle Journalisten mussten den Raum, den der Präsident betreten sollte, verlassen - um ihn eine halbe Stunde später wieder betreten zu können.

US-Präsident Obama: "So viele haben so viel verloren - ihnen schulden wir Hilfe"
Eine kurze Begrüßung, dann lobt der Präsident die "sehr produktive Arbeit" des Gipfels. Das Ergebnis sei an "allen Maßstäben gemessen historisch", allein schon von seinem Timing her, von seinem Umfang. Doch offenbar ist das auch nötig. Immerhin sei das Finanzsystem eingefroren. Und das trifft jeden Einzelnen. "So viele haben so viel verloren." Die Arbeitslosigkeit sei so hoch wie seit 26 Jahren nicht, "ihnen schulden wir Hilfe."

Kaum eine Beschönigung. Dann der Hinweis, dass die Krise nur im globalen Kontext zu lösen sei. Später sollte ein US-Journalist fragen, was denn nun für die Menschen daheim getan sei. Es ginge nicht mehr allein, so Obama.

"Es wird weiter harte Verhandlungen geben"

"Früher hat die Welt langsam reagiert, die Menschen haben einen hohen Preis dafür gezahlt", sagt er und erinnert damit an die Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren. Die erwähnen übrigens die meisten Politiker in ihren Reden.

Obama wirkt zufrieden an diesem Abend. Etliche Journalisten hätten einen untrennbaren Gegensatz zwischen den G20-Partnern gesehen. Aber mit guter Vorbereitung hätte sich auch das lösen lassen. Und dann klingt das erste Mal etwas durch, was daran erinnert, dass Obama nicht Lichtgestalt, sondern in erster Linie US-Präsident ist. Es werde auch weiterhin amerikanische Interessen geben. Es werde weiterhin harte Verhandlungen geben.

Die USA sei ein kritischer Spieler in der Welt. Doch man müsse zuhören. Führen durch gutes Beispiel sei am besten, durch Milde. Auch Amerika habe nicht immer die beste Antwort. Die Stahlfaust im Samthandschuh? Den Journalisten im schwarz und blau ausgekleideten Saal scheint es egal zu sein. Obama scheint alle in seinen Bann zu ziehen, gleich was er sagt.

"Mit ein, zwei Gipfeln ist es nicht getan"

Und es geht weiter, überraschend deutlich. Mit einem Gipfel sei es nicht getan, nicht mit zwei. Es muss weitergehen. Obama wirkt entspannt und gespannt zur gleichen Zeit. Locker und dennoch konzentriert argumentiert er. Vielleicht macht das einen Teil seiner Ausstrahlung aus.

Man habe sich dem Protektionismus verschlossen. Setze man darauf, er hätte die Krise weiter verschärft. Er spricht vom Versagen des alten regulatorischen Systems, die "bubble-and-bust-ecconomy" müsse beendet werden. Und fast schon lakonisch kommt er auf die weniger entwickelten Länder der Welt zu sprechen. Man helfe ihnen nicht nur aus Wohlfahrtgründen. Das seien alles künftige Märkte.

Obama sieht eine neue Ära der Verantwortlichkeit. Jeder sei verantwortlich. Ob das nicht einen Verlust amerikanischer Hegemonie bedeutet? Er weicht aus. Man habe eine koordinierte Antwort gegeben. "Andere sollen nun bestimmen, was mein Team oder ich damit zu tun haben." Der Mann hat Humor. Er erinnert daran, dass die Szene vor nicht allzu langer Zeit unmöglich gewesen wäre - Südafrika und andere Länder an einem Tisch - und ein US-Präsident namens Obama.

Trotz allem - Obama gibt ein klares Bekenntnis zum Markt. "Er ist die effizienteste Möglichkeit, Wohlstand zu schaffen". Nur manchmal gehe es nach hinten los, wenn die Regulierung fehle. In der Wirtschaft gebe es eben keine Garantien.

Ein paar letzte Fragen, ein freundliches Winken - Obama has left the building.

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