Genossenschaftsbanken Kooperation statt Fusion

Die WGZ-Bank verbreitet nach dem Scheitern des Zusammenschlusses mit der DZ-Bank Zuversicht. Es sei kein Porzellan zerschlagen worden. Die Zentralbank der nordrhein-westfälischen Genossenschaftsbanken schrieb zwar rote Zahlen, rutschte aber nicht so tief ins Minus wie die große Schwester aus Frankfurt.

Düsseldorf/Frankfurt am Main - Nach der geplatzten Fusion der beiden genossenschaftlichen Zentralbanken setzen WGZ und DZ auf Kooperationen. "Ich sehe nicht, dass Porzellan zerschlagen worden ist", sagte der Chef der wesentlich kleineren WGZ-Bank, Werner Böhnke, am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in Düsseldorf. Die beiden Zentralinstitute der insgesamt rund 1200 Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland wollten nun verstärkt zusammenarbeiten. Er machte keine Angabe zur Höhe von möglichen Kostenvorteilen. Ein Stellenabbau ist in beiden Häusern nicht ausgeschlossen, wenn Randgeschäfte aufgegeben werden. Nach einem Medienbericht droht ein Sparkurs.

Der Düsseldorfer Bankkonzern WGZ verzeichnete 2008 infolge der Finanzmarktkrise einen dreistelligen Millionenverlust. Unter dem Strich stand 2008 ein Jahresfehlbetrag von 195 Millionen Euro nach einem Überschuss von knapp 170 Millionen Euro 2007. Umfangreiche Wertberichtigungen auf verschiedene Engagements im Ausland belasteten die Bilanz des Düsseldorfer Bankkonzerns. Außerhalb der Gewinn- und Verlustrechnung wurden 2008 Wertberichtigungen in Höhe von 52,4 Millionen Euro vorgenommen. Die WGZ brauche jedoch keine Kapitalspritze, sagte Böhnke. Die Kernkapitalquote des Konzerns liege bei 7,7 Prozent. Bei Bedarf könnte die Quote durch das Umbuchen stiller Reserven auf bis zu 9,6 Prozent erhöht werden, erläuterte Böhnke. Die DZ-Bank hatte im vergangenen Jahr einen Milliardenverlust geschrieben und musste von den Eigentümern mit einer Kapitalerhöhung gestützt werden.

Die laufenden Gemeinschaftsprojekte von DZ und WGZ werden nach seiner Darstellung fortgesetzt. Das bringe Einsparungen für die Volks- und Raiffeisenbanken. Es werde unter anderem an einem neuen Abwicklungsverfahren für Wertpapiergeschäfte gearbeitet. Außerdem sollen gemeinsame Angebote an die Mitgliedsbanken gemacht werden, Verwaltungsaufgaben auszugliedern. Ein Arbeitsplatzabbau im WGZ-Konzern ist nach Angaben des Bankchefs nicht geplant. Falls sich die WGZ allerdings von Geschäften trennen sollte, könnte das auch Auswirkungen auf die Zahl der Arbeitsplätze haben. Im WGZ-Bank-Konzern sind rund 1500 Mitarbeiter tätig. Böhnke betonte, dass der WGZ-Vorstand nicht unter einem Spardruck durch die Eigentümer stehe.

Nach einem Bericht des "Handelsblatts" vom Donnerstag stehen DZ und WGZ trotz der gescheiterten Fusion vor einem harten Sparkurs. Dabei sollen nach Informationen der Zeitung Einsparungen in einem Umfang von 100 bis 140 Millionen Euro erreicht werden. Das entspricht dem Sparvolumen, das ursprünglich der Zusammenschluss zwischen DZ und WGZ Bank hatte erbringen sollen. Branchenkenner bezweifeln jedoch, dass ohne Fusion, bei der doppelte Abteilungen zusammengelegt werden, Einsparungen in der Größenordnung zu erzielen sind. Die DZ und die WGZ hatten am Wochenbeginn bekanntgegeben, dass sie ihre Fusionsgespräche derzeit nicht weiter verfolgen. Dem Vernehmen nach gab es bei den WGZ-Eigentümern Angst vor möglichen Belastungen durch die DZ, die 2008 einen Verlust von rund einer Milliarde Euro verzeichnete.

Das Handwerk in Nordrhein-Westfalen begrüßte den Abbruch des Fusionskurses. Die mittelständische Wirtschaft des Landes empfehle, von der Fusion Abstand zu nehmen, erklärte der Präsident des Nordrhein-Westfälischen Handwerkstags, Wolfgang Schulhoff, am Donnerstag. Das Handwerk trete für Dezentralisierung ein. Eine Lehre der Finanzkrise müsse sein, "beim Geld nicht alle Eier in einen Korb zu legen". Nach Schulhoffs Einschätzung hat Böhnke die Reißleine im "Gezerre" mit der DZ Bank gezogen. Böhnke sagte dagegen, die WGZ Bank habe nach einer Verunsicherung bei ihren Mitgliedsbanken versucht, eine Brücke zu bauen. Für mögliche Risiken bei der DZ sollten demnach deren Alteigentümer einstehen. Das Prinzip sollte auch für die WGZ gelten. Diese Brücke sei am Ende leider nicht genutzt worden. Die WGZ Bank ist das Zentralinstitut der Volks- und Raiffeisenbanken in Nordrhein-Westfalen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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