Insolvenzverfahren Rosenthal auf der Kippe

Über den fränkischen Porzellanhersteller Rosenthal ist das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Noch könnte eine Rettung gelingen, wenn sich doch ein Investor findet. Einstweilen soll ein Viertel der verbliebenen Arbeitsplätze wegfallen.

Hof/Selb - Das Amtsgericht Hof hat am Mittwoch das Insolvenzverfahren über die Rosenthal AG in Selb eröffnet. Der weltweit bekannte Porzellanhersteller war zahlungsunfähig geworden, nachdem der Mehrheitsaktionär Waterford Wedgwood Anfang Januar ein Insolvenzverfahren eingeleitet hatte.

Insolvenzverwalter Volker Böhm bemüht sich nach wie vor um die Übernahme der Rosenthal AG durch einen strategischen Investor. Erst vor zwei Wochen hatte Böhm den Abbau von weiteren 300 der zuletzt noch 1200 Arbeitsplätze im Inland angekündigt. Das Sanierungskonzept soll auch die Voraussetzungen für ein mögliches eigenständiges Überleben des Unternehmens schaffen.

Rosenthal wurde 1879 im oberfränkischen Selb gegründet. Seine besten Zeiten erlebte der exklusive Porzellanhersteller in den 1970er Jahren. Im Jubiläumsjahr 1979 beschäftigte das Unternehmen noch 8100 Mitarbeiter. Mit dem Fall des "Eisernen Vorhangs" bekam die Branche zunehmend Konkurrenz aus Osteuropa, aber auch aus Fernost.

Die Umsätze gingen zurück, 1995 geriet Rosenthal erstmals tief in die roten Zahlen. Zwei Jahre später übernahm der irisch-britische Konzern Waterford Wedgwood die Mehrheit der Aktien. 2000 kaufte Rosenthal die Marke Hutschenreuther zu und wurde so zum Marktführer in Deutschland. Angesichts der anhaltend schwachen Binnenkonjunktur geriet die Premiummarke wenig später erneut in die Verlustzone. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 brach zudem der Export ein.

Im Rahmen eines Restrukturierungsprogramms soll ab 2007 die Zahl der Mitarbeiter auf 1350 zurückgefahren werden. Die hohen Aufwendungen führen bei einem Umsatz von 162,6 Millionen Euro zu einem Konzernverlust von 23,0 Millionen Euro. Der angeschlagene Mutterkonzern Waterford Wedgwood sucht ab Juni vergangenen Jahres nach einem Käufer für Rosenthal. Anfang 2009 schließlich stellt Waterford Wedgwood Insolvenzantrag, vier Tage später auch Rosenthal.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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