Swiss Life "Das ist kein Schiffbruch"

Rote Zahlen bei der neuen Tochter AWD, erzwungener Rückzug bei MLP, Schlagzeilen um die Liaison Maschmeyer-Ferres: Der Vorstoß der Swiss Life hierzulande wirkt missglückt. Doch Deutschland-Chef Klaus Leyh betont im Interview die soliden Seiten der Schweizer, die beim Wachstum helfen sollen.

mm.de: Herr Leyh, laut Ihren neuen Geschäftszahlen läuft die Expansion der Swiss Life  in Deutschland auf Hochtouren. Ist das ein Erfolg der Übernahme des Finanzvertriebs AWD?

Leyh: Es liegt vor allem an einer neuen Produktpalette, die wir seit Ende 2007 entwickelt haben. Wie es leider in der Versicherungsbranche üblich ist, braucht so etwas immer fast ein Dreivierteljahr. Aber seit April 2008 haben wir jedes Quartal neue Produkte eingeführt. Das hat bei den Maklern und Mehrfachagenten gewirkt, und bei den Finanzdienstleistern auch. Nicht nur beim AWD. Wir arbeiten ja auch mit einigen anderen zusammen, wo wir dann starke Zuwachsraten bekommen haben.

mm.de: Bei MLP  aber wohl eher nicht, oder? Seit Ihrem Einstieg im August 2008 wollen die Walldorfer keine Swiss-Life-Produkte mehr verkaufen, um ihre Unabhängigkeit zu demonstrieren.

Leyh: Wir arbeiten bereits seit Ende der 90er Jahre mit AWD zusammen und noch länger mit MLP. Ich darf Ihnen sagen, dass wir bei MLP fürs Jahr 2008 bei der Produktionsbewertungssumme ein leichtes Plus verzeichnen können.

mm.de: Nun, nachdem Sie den Großteil Ihrer MLP-Aktien an Talanx abgegeben haben, hat MLP auch offiziell signalisiert, dass der Bann gegen Swiss Life aufgehoben werden kann, zumindest sobald Ihre Beteiligung unter die Schwelle von 10 Prozent gesunken ist.

Leyh: Ja, sie haben diesen Schritt begrüßt. Auch wir begrüßen natürlich diese Lösung, weil wir zwischen Geschäftspartnern und uns immer eine Win-Win-Situation anstreben. Unser Slogan heißt "Ihr Partner, ein Leben lang", und das ist nicht nur so dahergesagt. Die 10-Prozent-Schwelle haben wir übrigens noch nicht ganz erreicht, 6 Prozent MLP-Aktien müssen wir noch verkaufen, und auch da sind wir sehr bestrebt, einen Käufer zu finden, der Akzeptanz bei MLP findet. Es gibt kein Verschachern zum höchsten Preis.

"Mit Talanx eine intelligente Lösung gefunden"

mm.de: Hätten Sie sich nicht auch überlegen können, MLP komplett zu übernehmen?

Leyh: Die Überlegung könnte man immer anstellen. Nur wenn in einer Vertriebsgesellschaft der Vertrieb und das Management nicht dahinterstehen, dann reiten Sie letztendlich ein lahmes Pferd. Zusammen mit Talanx haben wir eine intelligente Lösung gefunden, die gut zu Swiss Life und gut zu MLP passt.

mm.de: Talanx schafft Ihnen den Ärger mit MLP vom Hals. Aber was bringt das Bündnis darüber hinaus? Es ist ja doch Ihr Konkurrent.

Leyh: Es wäre falsch, das zu verneinen. Aber es kann funktionieren. Ein Beispiel: Bei AWD sind die Verkaufskriterien für Versicherungsprodukte klar definiert. Was in die Best-Select-Auswahl von AWD kommt, muss Bestnoten in unabhängigen Analysen bieten. Für Swiss Life darf ich in Anspruch nehmen, dass wir das mittlerweile bei vielen Produkten tun.

Wir müssen einfach besser sein als andere. Das ist ein ganz einfacher Anspruch, aber den haben wir gegenüber allen Wettbewerbern. Grundsätzlich können wir jetzt durch die Kooperation mit Talanx unsere Marktposition in Deutschland stärken. Gleichzeitig bekommen wir so einen starken Aktionär, der uns bei der internationalen Weiterentwicklung unterstützen wird.

mm.de: Das sieht jetzt aus wie ein Befreiungsschlag, doch warum ist der überhaupt nötig? Sie haben sich an MLP die Zähne ausgebissen, AWD beschert Ihnen rote Zahlen. Haben Sie mit Ihrer Expansionsstrategie Schiffbruch erlitten? War es ein Fehler, mit AWD zusammenzugehen und sich die MLP-Anteile aufschwatzen zu lassen?

Leyh: Aus unserer Sicht ist das in keiner Weise ein Schiffbruch. Schauen Sie sich bitte folgende Zahlen an: Wir haben im Februar ein Antragsstückzahlplus von 93 Prozent und im März liegen wir bei geschätzten 111 Prozent. Bei über 1,2 Milliarden Euro Beitragseinnahmen können Sie sich vorstellen, was das für Auswirkungen hat. Und gerade auch AWD hat daran einen erheblichen Beitrag. Darüber hinaus kommen 50 Prozent der Steigerung aus dem Maklervertrieb. Wir werden auf dem Markt besser gesehen, weil wir unsere Produkte verbessert und uns noch mehr am Kunden und den Geschäftspartnern orientiert haben.

"Wir profitieren vom bodenständigen Image"

mm.de: Dennoch bleibt der Eindruck, dass Swiss Life, die man eigentlich als seriösen Schweizer Lebensversicherer kennt, bei ihrer Expansion in Deutschland einen etwas unbeständigen Kurs eingeschlagen hat, um es mal höflich zu formulieren.

Leyh: Wir sind seit 1866 in Deutschland am Markt tätig und waren über Jahrzehnte als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit in eher ruhigem Fahrwasser. Dass wir uns jetzt in unruhigerem Fahrwasser bewegen, merken wir alle, auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aber wir haben am Markt generell unruhige Zeiten, nicht nur bei Swiss Life. Ob bei der Axa , der Allianz , Generali  und Volksfürsorge oder dem Deutschen Ring: eine Restrukturierung nach der anderen. Swiss Life hat sich anspruchsvolle Ziele gesetzt, und wir sind jetzt auf einem guten Weg, das Beste daraus zu machen. Und in den Zahlen schlägt sich das sehr positiv nieder.

mm.de: Ist Ihr neuer Verwaltungsrat, der AWD-Gründer Carsten Maschmeyer, jetzt mehr Treiber oder Getriebener im Konzern Swiss Life?

Leyh: Ich glaube, weder das eine noch das andere. Carsten Maschmeyer wird jetzt seine Position im Verwaltungsrat einnehmen. Dort wird er seine ganze Erfahrung einbringen. Das ist ein logischer Schritt der Entwicklungen in den letzten Monaten.

mm.de: Sie meinen, er verzichtet freiwillig auf den AWD-Vorsitz? Vor einem halben Jahr hat er den AWD-Mitarbeitern noch verkündet: Ich kehre zurück zu Ihnen in den Vertrieb, dahin, wo ich hingehöre.

Leyh: Ja, er hat sich auch jetzt ausbedungen, dass er auch zukünftig bei Vertriebsveranstaltungen auftreten kann und wird. Er bleibt natürlich dem AWD eng verbunden.

mm.de: Sehen Sie angesichts der Krise einen Trend zu einfacheren, sicheren, seriöseren Anlageprodukten, von dem die Lebensversicherung profitiert?

Leyh: Ja, das ist so. Swiss Life hat auch beim Endkunden einen sehr guten Ruf. Wir profitieren sehr stark davon, dass wir für einen sehr seriösen, vielleicht sogar langweiligen, jedenfalls bodenständigen Versicherer gehalten werden. Es gibt noch zwei, drei, vier andere, die ein ähnliches Image haben, und alle profitieren im Moment sehr stark.

mm.de: Schadet Ihnen die politische Spannung zwischen Deutschland und der Schweiz?

Leyh: Sie hat eher dazu geführt, dass sich sehr viele solidarisiert haben. Aus unterschiedlichen Gründen sehen viele Menschen die Schweiz besser, als es Herr Steinbrück zurzeit tut. Auch weil die Menschen dort sehr viel arbeiten, sehr fleißig sind und nie laut. Man verbindet mit uns, mit der Marke Swiss Life und auch mit der Schweiz, Seriosität und Zuverlässigkeit. Das ist so tief verwurzelt, dass manche Steinbrück-Äußerung sogar dazu geführt hat, dass wir ein "Jetzt erst recht" zu hören bekommen.

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