General Motors Blitz-Insolvenz und Aufspaltung?

Aufspaltung mit Teilschließung, Chapter 11 oder gleich eine Blitz-Insolvenz: Für den Umgang mit General Motors gibt es kaum mehr Tabus. Präsident Obama zeigt die Folterinstrumente - ganz im Sinne des Managements. Denn das muss gegenüber Gläubigern Druck machen.

New York - Im Überlebenskampf der Autobauer General Motors (GM) und Chrysler prüft die US-Regierung laut einem Zeitungsbericht für den Notfall eine Aufspaltung der Konzerne. In einem geordneten Insolvenzverfahren würden "gute" und "schlechte" Unternehmensteile getrennt werden und ein Neuanfang ermöglicht, berichtete das "Wall Street Journal" am Dienstag. Das Weiße Haus erwägt zudem eine spezielle "Blitzinsolvenz" statt eines langwierigen Tauziehens vor Gericht.

US-Präsident Barack Obama und der neu berufene GM-Chef Fritz Henderson (50) hatten eine Insolvenz als letztes Mittel zur Sanierung am Montag ausdrücklich betont. An der Börse war die Opel-Mutter GM aus Angst der Aktionäre vor einer Pleite um 25 Prozent auf 2,70 Dollar abgestürzt. Der bisherige GM-Chef Rick Wagoner (56) hatte zuvor auf Druck der Regierung seinen Hut nehmen müssen.

GM konnte bisher bei den unter Hochdruck laufenden Verhandlungen mit Gewerkschaft und Gläubigern nicht die für eine Rettung nötigen massiven Zugeständnisse erreichen. Die Regierung machte dies aber zur Bedingung für weitere Milliardenhilfen und stellte ein Ultimatum bis Ende Mai. Henderson wollte sich am späten Dienstagabend deutscher Zeit zum weiteren Vorgehen äußern.

Über eine geordnete Insolvenz (Chapter 11) können US-Unternehmen für einen Neustart Ballast abwerfen. Arbeitnehmer und Gläubiger müssen für diesen Fall noch weit größere Einschnitte befürchten als bisher gefordert. Die Androhung eines Insolvenzverfahrens durch Obama und GM selbst gilt daher auch als Druckmittel in den Verhandlungen.

Als letztes Mittel erwägt die Regierung nun eine Insolvenz im Schnellverfahren ("quick-rinse-bankruptcy"). Dabei könnte dem Gericht ein schon fertiger, von der Regierung mitfinanzierter Plan vorgelegt werden, der das Verfahren drastisch abkürzen würde. Obama selbst hatte angekündigt, dass sich eine von der Regierung vorangetriebene Insolvenz der Autobauer nicht wie sonst oft über Monate oder gar Jahre hinziehen werde.

Im GM-Verwaltungsrat dreht sich derweil das Personalkarussell. Neuer Chef ist bis auf weiteres Kent Kresa (71), der dem Gremium schon angehörte. Die Mehrheit der zwölf Mitglieder wird zudem auf Druck der Regierung in den nächsten Monaten ausgetauscht. Kritiker werfen dem Verwaltungsrat Versagen vor. An dessen Spitze stand bisher auch der geschasste Wagoner. Der Ex-Chef nimmt Berichten zufolge Pensionsansprüche von rund 20 Millionen Dollar (15 Millionen Euro) mit.

Der italienische Fiat-Konzern soll unterdessen bei der geplanten Allianz mit Chrysler laut Medien zunächst mit 20 Prozent statt wie ursprünglich geplant 35 Prozent an Bord gehen. Darauf hätten sich die Hersteller und das US-Finanzministerium geeinigt. Obama hat weitere Hilfen für Chrysler von einer Partnerschaft mit Fiat abhängig gemacht und setzte dafür ein Ultimatum bis Ende April. Chrysler alleine sei nicht überlebensfähig.

Der deutsche Daimler-Konzern hält an der nicht börsennotierten früheren Tochter Chrysler noch knapp 20 Prozent. Die Mehrheit gehört dem US-Finanzinvestor Cerberus. Den Besitzern droht im Zuge der Sanierung ein fast völliger Wertverlust ihrer Anteile.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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