G20-Gipfel Weltfinanzordnung auf dem Prüfstand

Vor nicht einmal fünf Monaten haben die Staats- und Regierungschefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer mit einem Aktionsplan hehre Ziele im Kampf gegen die Finanzkrise formuliert. Der zweite Weltfinanzgipfel am Donnerstag soll nun zur Stunde der Wahrheit werden.

London - Zentrale Botschaft des Finanzgipfels von Washington Mitte November und Leitfaden aller folgenden Konferenzen war: kein Finanzplatz, kein Finanzprodukt und kein Marktakteur mit Bedeutung für das Finanzsystem sollen künftig ohne angemessene Aufsicht und Regulierung bleiben. Es geht den Staats- und Regierungschefs der G20-Staaten um mehr Transparenz, mehr Rechenschaftspflichten, mehr Kontrolle. Die Verhaltensregeln für Finanzakteure sollen zudem geschärft werden, um wieder mehr Vertrauen in die Branche zu bringen.

Es geht vor allem darum, eine Wiederholung der Finanzkrise zu verhindern und weniger um aktuelle kurzfristige Krisenbekämpfung. Ein Instrument soll eine intensivere weltweite Zusammenarbeit auf allen Ebenen sein, etwa zwischen den Aufsichtsbehörden und Regelsetzern. Finanzinstitutionen wie der Internationale Währungsfonds (IWF) sollen mehr Mittel und Instrumente für Hilfen erhalten, reformiert und, wenn nötig, auf eine breitere Mitgliederbasis gestellt werden.

Die Finanzminister und Notenbankchefs der G20-Staaten treffen sich am Mittwoch und Donnerstag in London auf Einladung des britischen Premierministers Gordon Brown. Der Gipfel beginnt am frühen Mittwochabend mit einem Empfang der internationalen Gäste durch die britische Königin Elisabeth II. im Buckingham Palace.

Am Abend ist dann ein Abendessen im Amtssitz des britischen Premiers in der Number 10 Downing Street geplant. Am Donnerstag tagen die Staats- und Regierungschefs und die Finanzminister bis zum Nachmittag. Nach getrennten Arbeitsfrühstücken sind Plenarsitzungen anberaumt, unterbrochen von einem Mittagessen. Am Nachmittag ist dann eine Begegnung mit der Presse geplant.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird am Mittwoch nach London fliegen. Die Kanzlerin erwartet von dem Gipfel ein Signal der Geschlossenheit und vor allem eine größere Transparenz und eine verbesserte Regulierung der Finanzmärkte. Auch drängt die Bundesregierung auf eine klare Absage an protektionistische Maßnahmen und Handelshemmnisse, wie es aus Regierungskreisen heißt.

Auch US-Präsident Barack Obama wird in London erwartet. Beim ersten Weltfinanzgipfel in Washington hatte Obama nicht teilgenommen, damals vertrat der noch amtierende George W. Bush die Interessen der Vereinigten Staaten. Am Rande des Treffens werden große Demonstrationen von Gipfelgegnern erwartet.

manager-magazin.de mit Material von ddp und reuters

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