OECD Deutscher Wirtschaft droht Absturz

Vor dem Londoner G20-Gipfel legen die internationalen Institute ihre Prognosen für die Weltkonjunktur vor - und übertreffen sich gegenseitig mit Absturzszenarien. Die düstersten Farben malt derzeit die OECD: Weltweit gehe es um 2,7 Prozent, in Deutschland sogar um 5,3 Prozent nach unten.

Paris/Washington - Die weltweite Wirtschaft wird nach Einschätzung der OECD in diesem Jahr so stark schrumpfen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Wirtschaftsleistung werde weltweit um 2,75 Prozent zurückgehen, teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung am Dienstag mit.

"Die Weltwirtschaft ist mitten in der tiefsten und am stärksten synchronisierten Rezession, die wir je erlebt haben, ausgelöst von einer globalen Finanzkrise und verschärft durch einen Zusammenbruch des grenzüberschreitenden Handels", erklärte OECD-Chefvolkswirt Klaus Schmidt-Hebbel. Damit ist die OECD deutlich pessimistischer als die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF), die beide mit einem Schrumpfen um bis zu zwei Prozent rechnen.

Für Deutschland geht die Organisation jetzt von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 5,3 Prozent aus. "Unserer Prognose zufolge wird die Arbeitslosenquote auf 11,5 Prozent im Jahr 2010 steigen und damit die Marke von fünf Millionen Arbeitslosen übertreffen", sagte Schmidt-Hebbel. Der Zusammenbruch des Welthandels ziehe das Wachstum in Deutschland besonders stark in Mitleidenschaft. Japans Wirtschaft könnte laut OECD sogar um 6,6 Prozent abstürzen.

Die Rezession werde sich im Jahresverlauf verschärfen, bevor im kommenden Jahr eine Erholung schrittweise Fuß fasse, die durch die Konjunkturprogramme beflügelt werde, teilte die OECD weiter mit. Für 2010 sagen die OECD-Experten ein mageres Plus für die Weltwirtschaft von 1,25 Prozent voraus. Die Arbeitslosigkeit werde in den OECD-Mitgliedsstaaten in den kommenden Monaten kräftig steigen und ihren Höhepunkt erst 2010 oder Anfang 2011 erreichen.

"Deutschland hat noch Spielraum" für Konjunkturprogramme

Allein in den sieben größten Industriestaaten (G7) seien Ende kommenden Jahres wohl 36 Millionen Menschen ohne Arbeitsplatz - etwa doppelt so viele wie Mitte 2007. Das unterstreiche, wie wichtig es sei, die Konjunkturprogramme durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zu ergänzen, um soweit wie möglich einen Anstieg der strukturellen Arbeitslosigkeit zu verhindern, sagte Schmidt-Hebbel. Um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, sei ein weiteres Eingreifen der Staaten nötig, sagte der OECD-Experte. "Deutschland hat hier noch Spielraum", sagte der Chefvolkswirt. Die bisherigen Pakete von rund 80 Milliarden Euro brächten dem Arbeitsmarkt wenig. Die Konjunkturprogramme müssten überdies international koordiniert werden.

Die japanische Regierung hat sich bereits darauf festgelegt, der OECD-Empfehlung zu folgen. Nach zwei Konjunkturprogrammen im Volumen von umgerechnet knapp 100 Milliarden Euro soll nun ein drittes folgen. Dessen Höhe ließ Ministerpräsident Taro Aso am Dienstag in Tokio allerdings zunächst offen. In Medienberichten war über Hilfen im Volumen von umgerechnet rund 157 Milliarden Euro die Rede. Das Programm soll über drei Jahre laufen und zwei Millionen neue Arbeitsplätze schaffen.

Die OECD sieht aber auch die Notenbanken in der Pflicht: Die Zinssätze müssten in die Nähe von null gesenkt werden und dort für längere Zeit bleiben, forderte Schmidt-Hebbel. Zusätzlich müssten die Währungshüter über alternative Mittel Geld in die Wirtschaft pumpen. Derzeit setzen unter anderem die US-Notenbank Fed und die Bank von England Mittel des " Quantitative Easing" ein und kaufen etwa Staatsanleihen auf. Dadurch wächst die Geldbasis der Volkswirtschaft.

Welthandel bricht ein

Laut Weltbank schrumpft die globale Wirtschaft in diesem Jahr um immer noch dramatische 1,7 Prozent. Vor etwa zwei Wochen hatte der Internationale Währungsfonds noch ein Minus zwischen 0,5 und 1 Prozent vorausgesagt. Der Welthandel werde um mehr als 6 Prozent einbrechen - so stark wie seit 80 Jahren nicht mehr, heißt es im Wirtschaftsausblick der Weltbank, der am Dienstag in Washington vorgelegt wurde. In der Eurozone wird die Wirtschaft der Studie zufolge um 2,7 Prozent schrumpfen.

Bereits im kommenden Jahr sei eine moderate Erholung möglich, doch sei dieser Ausblick "höchst ungewiss", räumte die Weltbank ein. Sie rechnet für 2010 mit einem weltweiten Wachstum von 2,3 Prozent. In der Eurozone sieht die Organisation im kommenden Jahr derweil lediglich ein schwaches Plus von 0,9 Prozent. Hingegen könnten die USA dann schon wieder um solide 2 Prozent zulegen.

Die globale Konjunkturmisere trifft der Studie zufolge auch die Schwellen- und Entwicklungsländer hart: Für sie erwartet die Weltbank in diesem Jahr nur noch ein deutlich gebremstes Wachstum von 2,1 Prozent. Dort sei 2010 aber schon mit einer Verdopplung auf 4,4 Prozent zu rechnen, heißt es in dem Weltbank-Papier.

Düstere Prognosen:Absturz der Weltwirtschaft

Wachstumsprognose OECD 2009 OECD 2010 Weltbank 2009 Weltbank 2010
weltweit -2,7 0,2 -1,7 2,3
Euro-Zone -4,1 -0,3 -2,7 0,9
Deutschland -5,3 0,2
Frankreich -3,3 -0,1
Großbritannien -3,7 -0,2
Italien -4,3 -0,4
Japan -6,6 -0,5 -5,3 1,5
Kanada -3,0 0,3
USA -4,0 0,0 -2,4 2,0
OECD-Länder gesamt -4,3 -0,1 -3,0 1,5
Entwicklungsländer 2,1 4,4
Welthandel -13,2 -6,0
Bruttoinlandsprodukt, Veränderung zum Vorjahr in Prozent
Stand: 30. März 2009

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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