Dienstag, 17. September 2019

Autoindustrie Steinkohle auf Rädern

4. Teil: Wie der Staat das Leiden verlängert

Symbol Opel: Der Fall des angeschlagenen Autobauers steht für eine Branche, die in weiten Teilen ohne Staatshilfe wie etwa aktuell die Abwrackprämie noch deutlich mehr Probleme hätte.
Unterm Strich verstärkt der Fall Opel jedoch das Bild einer Branche mit einst stolzen Unternehmen, die in weiten Teilen ohne staatliche Hilfen in ihrer bisherigen Form nicht mehr weiterexistieren kann. In Deutschland zeigt sich das am augenfälligsten an der Abwrackprämie für ältere Autos. Die gerade verlängerte 2500-Euro-Prämie führt zu einer Scheinnachfrage, die auch Opel am Leben hält und die ärgsten Probleme bis zur Bundestagswahl vernebelt. Über das, was danach kommt, möchte kein Politiker gern reden.

Auch andere Staaten klammern sich an ihre marode Autoindustrie. Die Europäische Union brachte Frankreich gerade noch von dem Vorhaben ab, Herstellern eine Standortgarantie abzuverlangen. Dennoch verlagerte mit Peugeot bereits ein Autobauer die Produktion aus Slowenien zurück ins Heimatland.

"Wir sind auf einem gefährlichen Weg", sagt der Automobilexperte Diez gegenüber manager-magazin.de. Schon vor der Absatzkrise hätten die Überkapazitäten weltweit 20 bis 30 Prozent betragen. "Und jetzt versuchen die Regierungen mit allen Mitteln ihre jeweiligen Fabriken zu retten. Die Gesundung der Branche wird dadurch behindert."

Die Politik versucht zumindest in Europa unbeirrt alte Strukturen zu bewahren. Anstatt rechtzeitig strenge Vorgaben gemacht zu haben, etwa für emissionsarme Antriebe, doktern die Regierungen an Symptomen herum. "Der Staat spielt bloß den Ausputzer", beschreibt Diez das Geschehen. "Die Automobilbranche befindet sich deshalb auf dem Weg, wie ihn der Steinkohlebergbau gegangen ist", sagt Diez. "Dort hat die Politik viel zu spät erkannt, dass die Branche ein Fass ohne Boden ist." Die letzten Zechen schließen in den nächsten Jahren. Ganz so heftig dürfte es in der Autobranche nicht kommen - ein für viele ähnlich schmerzhafter Anpassungsprozess steht allerdings immer noch bevor.

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