Montag, 23. September 2019

Autoindustrie Steinkohle auf Rädern

3. Teil: "Kapazitäten um ein Drittel kürzen"

Manche Beobachter fürchten, dass auch Opel genau diesen Punkt überschritten hat und es ratsamer wäre, den Autobauer in die Insolvenz fahren zu lassen. Pieper will sich da allerdings noch nicht festlegen. Wolle Opel überleben - möglicherweise auch im Verbund mit einem anderen Autobauer - müsse man in Deutschland "schnell einen radikalen Neuanfang wagen".

Geschehe dies nicht, werde Opel zum Fass ohne Boden für den Staat. "Eine Kapitalspritze von drei Milliarden Euro für Opel wird nicht ausreichen", sagt auch der Autoexperte Willi Diez gegenüber manager-magazin.de.

Die Befürworter einer Opel-Eigenständigkeit wittern jedoch gerade wegen der jüngsten Entwicklungen Morgenluft für einen Staatseinstieg. Damit könnten sie durchaus richtig liegen, sagt Diez. "GMs Bereitschaft, bei Opel auszusteigen, steigt. Europa ist für das Unternehmen zum Nebenschauplatz geworden - das zeigt auch das Beispiel Saab." Den schwedischen Autobauer hat GM bereits fallen gelassen - allerdings zeigte die Stockholmer Regierung kein Interesse, den Retter zu spielen.

Symbolträchtige Besuche: Bundeskanzlerin Merkel bei Opel, US-Präsident Obama bei GM
[M] Getty Images; DDP; mm.de
Symbolträchtige Besuche: Bundeskanzlerin Merkel bei Opel, US-Präsident Obama bei GM
Gerade der immer härter durchgreifenden US-Regierung dürfte auch das Schicksal von Opel weniger wichtig sein als das der US-Standorte. Auch der neue GM-Chef Fritz Henderson könnte eine Abspaltung fördern, erwartet NordLB-Autoanalyst Frank Schwope. "Henderson steht für einen einschneidenden Neuanfang. Er steht Opel näher und könnte dafür sorgen, dass die Tochter mehr Eigenständigkeit bekommt."

Sollte der Staat bei Opel einsteigen, so befürchtet Pieper jedoch, dass er im Wahlkampfjahr nicht mit der nötigen Konsequenz zu Werke gehen werde. "Vermutlich wird man eher ein Werk im belgischen Antwerpen schließen als in Deutschland, weil dort die politische Unterstützung geringer ist."

Um zum Bespiel das Problem der Unterauslastung in den Griff bekommen, müsste Opel seine Kapazität um bis zu 30 Prozent kürzen, ist der Analyst überzeugt. Bis zu einem Drittel der Arbeitsplätze wären abzubauen. "Ohne Entlassungen geht das nicht", sagt Pieper.

Außenminister Steinmeier: Vorkämpfer für die Beschäftigten bei Autokonzernen
Man könne nicht "den schwächsten europäischen Autohersteller mit den größten Problemen und den größten Überkapazitäten sanieren" und Kündigungen oder Werksschließungen von vornherein ausschließen. "Das ist die falsche Botschaft. So lässt sich Opel nicht sanieren. Diese Rechnung kann nicht aufgehen", mahnt Pieper.

Denn jede Hilfe für den Schwächsten straft indirekt die Autobauer, die trotz Krise recht gut dastehen. Hersteller wie Daimler Börsen-Chart zeigen, Porsche Börsen-Chart zeigen und BMW Börsen-Chart zeigen kommen ohne Staatshilfe ordentlich zurecht und werden den nötigen Wandel nach Meinung vieler Branchenexperten aus eigener Kraft schaffen. Daher gelten sie als mögliche Hauptgewinner des nächsten Aufschwungs. Auch Volkswagen Börsen-Chart zeigen schlägt sich noch gut - allerdings profitiert der Konzern wie kaum ein anderer von der Abwrackprämie sowie vom Bankenrettungspaket.

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