Montag, 23. September 2019

Autoindustrie Steinkohle auf Rädern

2. Teil: "Der Point of no Return ist überschritten"

"Die Zulieferer würden sich sehr schnell umorientieren und versuchen, ihre Komponenten bei anderen Autobauern abzusetzen", erwartet Pieper. Schlussfolgerungen, die im Pleitefalle eines Industrieunternehmens getroffen werden, seien häufig falsch. "Dramen, die im Vorfeld erzeugt werden, verstellen völlig den Blick für die Möglichkeiten", kritisiert Pieper.

Unternehmen ließen sich zerlegen, einzelne Werke verkaufen und auch eine Insolvenz bedeute nicht zwingend, dass alle Mitarbeiter damit auf der Straße stünden. "Wir sollten deshalb auch für Opel eine Insolvenz per se nicht ausschließen", appelliert der Experte.

In den USA wickelt der Staat die Branche offenbar bereits schonend ab. Die Regierung hat - den Empfehlungen ihrer Auto-Taskforce folgend - den Autoherstellern klare Vorgaben für einen Schrumpfkurs gemacht.

GM-Chef Wagoner musste gehen, die Sparmaßnahmen sollen verschärft werden und Chrysler bekam ganz nebenbei aufgetragen, bis Ende April die Allianz mit Fiat unter Dach und Fach zu bringen. "So stark hat sich der Staat vermutlich seit der großen Depression nicht mehr in die Wirtschaft eingemischt", stellte die "New York Times" fest.

Mit dem jetzt erhöhten Druck auf GM und die Gewerkschaften schlagen die USA den richtigen Weg ein, findet Analyst Pieper. "In den USA verhält sich die Regierung gegenüber GM zumindest eindeutiger und klarer als es die deutsche Regierung gegenüber Opel oder anderen in Not geratenen Industrieunternehmen tut", sagt der Experte. "Es gibt immer einen Punkt, wo ein Unternehmen keine Chance mehr hat. Ich fürchte, GM hat diesen 'Point of no Return' überschritten, dass jedes Geld, dass man jetzt noch in diesen Autobauer steckt, verloren ist."

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