Montag, 14. Oktober 2019

Krisenbank Staatseinstieg bei Hypo Real rückt näher

Der Staatseinstieg bei der angeschlagenen Hypo Real Estate rückt in greifbare Nähe. Der Aufsichtsrat diskutierte am Samstag auch über den weiteren Kapitalbedarf des Unternehmens. Nach Schätzungen aus Branchenkreisen braucht die HRE weitere rund zehn Milliarden Euro - mit einer Geldspritze in dieser Höhe würde der Staat die Mehrheit übernehmen.

München - Der Aufsichtsrat des Münchner Instituts, das mit finanziellen Hilfen von mehr als 100 Milliarden Euro am Leben gehalten wird, tagte am Samstag in Frankfurt, wie mehrere mit der Situation vertraute Personen am Freitag bestätigten. Thema der Sitzung sei unter anderem die Bilanz für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2008.

Milliardengrab: Die Münchener Hypo Real Estate
Analysten rechnen jeweils mit tiefroten Zahlen, die sofort eine Eigenkapitalspritze nötig machen. Im Gespräch ist seit langem ein Bedarf von etwa zehn Milliarden Euro. Mit einem Engagement in dieser Höhe würde der Staat die Mehrheit an der Hypo Real Estate Börsen-Chart zeigen übernehmen.

Unklar sei noch, ob es schon am Wochenende eine Einigung zu diesem Komplex geben werde, hieß es in den Kreisen weiter. Ein HRE-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab.

Branchenexperten schätzen den Verlust im Schlussquartal auf knapp 1,9 Milliarden Euro und 4,8 Milliarden im Gesamtjahr 2008. Dies dürfte auf Abschreibungen, Verluste im Handel sowie eine hohe Risikovorsorge zurückgehen. Mit einer Finanzspritze im Rücken könnte HRE-Chef Axel Wieandt die eingeleite Schrumpfkur fortsetzen, mit der die Bank gesunden soll.

Soffin könnte an Kapitalerhöhung teilnehmen

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtete am Samstag unter Berufung auf Verhandlungskreise, der Aufsichtsrat der Bank habe sich in Frankfurt bereits darauf verständigt, wie der Staat der Krisenbank frisches Eigenkapital zuführen werde. Demnach will in einem ersten Schritt der Bankenrettungsfonds SoFFin in einer Kapitalerhöhung für 60 Millionen Euro rund 20 Millionen HRE-Aktien zeichnen. Der Staat hielte damit einen Anteil von 8,7 Prozent.

Flowers zieht sich aus Aufsichtsrat zurück

Wegen des nahenden Staatseinstiegs zieht sich der US-Investor J.C. Flowers aus dem Aufsichtsrat der Immobilienbank zurück. Flowers und Richard Mully von der Beteiligungsgesellschaft Grove hätten ihre Mandate am Freitag niedergelegt, teilten sie mit. Renate Krümmer, die die Flowers-Geschäfte in Deutschland vertrat, hatte ihren Rücktritt bereits angekündigt.

Damit hat Flowers, der mit ihm nahestehenden Investoren zusammen knapp ein Viertel der HRE-Anteile hält, keinen Sitz im Kontrollgremium mehr. Er will nach eigener Auskunft mit dem Schritt Interessenkonflikte vor einer möglichen Enteignung vermeiden. Die Bundesregierung hatte jüngst ein Gesetz durchgesetzt, das als letztes Mittel eine Enteignung der HRE-Aktionäre vorsieht.

Flowers hat mehr als eine Milliarde Euro in die einst im Dax gelistete Krisenbank gesteckt und fast alles verloren. Er habe sein Engagement immer mittel- bis langfristig verstanden, hieß es in der Mitteilung. Der Bundesregierung sei mehrfach Mithilfe angeboten worden, um eine Kontrollmehrheit von 75 Prozent plus einer Aktie zu erwerben, mit der sie die Bank stabilisieren könne.

"Wir wollen keine Sonderbehandlung", erklärte Flowers. Allerdings müssten die Aktionäre behandelt werden wie andere Eigner von Banken, die am Tropf des Staates hängen.

Die HRE war im Herbst durch Missmanagement sowie durch einen Liquiditätsengpass der irischen Staatsfinanzierungstochter Depfa in eine Schieflage geraten. Der Zusammenbruch der Gruppe wurde vom Staat und anderen Finanzfirmen verhindert. Dies hält ehemalige HRE-Vorstände wie Georg Funke nicht davon ab, auf hohe Zahlungen zu klagen. Es werden im Falle einer Insolvenz der HRE dramatische Folgen für die Branche befürchtet.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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