Eklat Lone Star stoppt IKB-Sonderprüfung

Wer für die existenzbedrohende Krise bei der Mittelstandsbank IKB verantwortlich ist, bleibt vorerst im Dunkeln. Trotz heftiger Proteste von Kleinaktionären stoppte der IKB-Haupteigentümer Lone Star die Sonderprüfung, die die Verantwortung des früheren Vorstands und Aufsichtsrats der Bank hätte klären sollen.

Düsseldorf - Die Sonderprüfung bei der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB  zur Aufdeckung möglicher Pflichtverletzungen früherer Vorstände und Aufsichtsräte wird kurz vor dem Abschluss abgebrochen. Dies setzte der IKB-Mehrheitsaktionär Lone Star mit seiner großen Stimmenmehrheit von mehr als 90 Prozent der Aktien auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am Mittwochabend in Düsseldorf durch.

Das Aktionärstreffen mit einer turbulenten Debatte dauerte zwölf Stunden. Aktionäre kritisierten den Plan von Lone Star zum Abbruch der Sonderprüfung heftig, die sich nach einem Jahr Dauer inzwischen bereits auf der Zielgeraden befinde. Lone Star hat nach Einschätzung von Aktionärsschützern Angst vor Klagen gegen die IKB.

Einzelne Aktionäre warfen Lone Star sogar "Täterschutz" vor. Eine Vertreterin des US-Finanzinvestors, die den Antrag auf Abbruch der IKB-Sonderprüfung vortrug, sah sich empörten Zwischenrufen aus den Reihen der insgesamt rund 600 angereisten Kleinaktionären ausgesetzt.

Fünf Monate nach der Mehrheitsübernahme hole Lone Star jetzt die "Folterwerkzeuge" heraus und breche die Aufklärungsarbeit ab, machte sich einer der Redner Luft. Das noch unvollendete Gutachten des Sonderprüfers hat nach Auskunft der Bank bislang 1,2 Millionen Euro gekostet. In der Debatte wurden mehrfach Anfechtungsklagen angedroht.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) erklärte, der seit einem Jahr tätige Sonderprüfer solle jetzt kurz vor dem Erreichen der Ziellinie abberufen werden. Der Prüfer sei mit seiner Arbeit relativ weit und habe im Frühjahr Ergebnisse vorlegen wollen, sagte DSW-Vertreter Carsten Heise. Lone Star habe offenbar Angst vor Klagen und Schadenersatzforderungen gegen die IKB.

PWC-Bericht bleibt unter Verschluss

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) kritisierte ebenfalls, dass Lone Star vorab keine ausführliche Begründung geliefert habe. SdK-Vertreter Markus Kienle bemängelte auch, dass IKB-Aufsichtsratschef Bruno Scherrer fehlte, der auch Europa-Chef von Lone Star ist. "Bei dessen Fernbleiben kann doch eigentlich nur noch der Tod entschuldigen", sagte Kienle. Das Sonder-Aktionärstreffen finde immerhin auf Verlangen von Lone Star statt. Die Kosten der Sonder-Hauptversammlung betragen nach IKB-Angaben 650.000 Euro.

Auch der bereits seit mehr als einem Jahr vorliegende Bericht der Wirtschaftsprüfer PWC zur IKB-Krise bleibt unter Verschluss. Der Bericht wird nach Aufsichtsratsangaben wegen möglicher Ansprüche Dritter nicht veröffentlicht. Selbst unbegründete Forderungen könnten die Bank erheblich belasten. DSW-Vertreter Heise bewertete den Verschluss des PWC-Gutachtens als einen untauglich Versuch, die Bank zu schützen. Er verwies auf einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" vom Mittwoch, dem zufolge es nach den Erkenntnissen von PWC schon früh Hinweise auf mögliche Probleme bei der IKB gegeben haben soll.

Der stellvertretende Aufsichtsratschef Karsten von Köller hatte den Plan vor etwa 600 anwesenden Aktionären verteidigt. Es gehe darum, Nachteile durch etwaige Klagen für die Bank zu verhindern. "Es kann nicht im Interesse der Gesellschaft sein, Dritten die Möglichkeit zu geben, etwaige Erkenntnisse aus solcher Aufklärung nutzen zu können und die Gesellschaft dadurch unnötigen Risiken auszusetzen", sagte von Köller. IKB-Chef Hans Jörg Schüttler betonte, selbst unbegründete Klagen könnten für die Bank existenzbedrohend sein. Es müsse nun primär darum gehen, die Bank in die Gewinnzone zurückzubringen und sie nicht mit Rückstellungen für mögliche Gerichtsverfahren zu belasten.

Ende Juli 2007 war bekanntgeworden, dass das Düsseldorfer Institut durch sein Engagement mit zweitklassigen Anleihen auf dem US- Hypothekenmarkt in eine schwere Schieflage geraten war. Ex-Vorstandschef Stefan Ortseifen musste seinen Hut nehmen, weitere Vorstände folgten. Die staatseigene KfW war mit 38 Prozent damals größter Anteilseigner der Mittelstandsbank. Durch Kapitalerhöhungen besaß die KfW schließlich 90,8 Prozent des Instituts, bevor es Ende Oktober 2008 an den US-Finanzinvestor Lone Star verkauft wurde.

Die IKB hat nach eigenen Angaben von mehreren Ex-Vorständen erfolgreich Bonuszahlungen für das Geschäftsjahr 2006/2007 zurückgefordert. Ansatzpunkt war, dass der Jahresabschluss nachträglich geändert wurde, auf denen die Boni beruhten. Mit Ex-IKB- Chef Ortseifen gibt es laut IKB weiter einen Rechtsstreit. Bank-Chef Hans Jörg Schüttler verwies auf der Hauptversammlung zudem auf die laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters