US-Rettungsplan "Investoren müssen zu Risiken bereit sein"

Im Kampf gegen die schwerste Wirtschaftskrise seit 80 Jahren will die US-Regierung mit einem Hilfsprogramm von bis zu einer Billion Dollar Banken von faulen Wertpapieren befreien. Dazu will sie private Investoren mit ins Boot holen. US-Finanzminister Geithner räumt ein, dass dieses Vorhaben mit Risiken verbunden ist - für den Staat und die Investoren.

Washington - Die US-Regierung will dieses öffentlich-private Ankaufprogramm zunächst mit 75 bis 100 Milliarden Dollar anschieben. So soll die stockende Kreditvergabe an Haushalte und Unternehmen wieder in Schwung kommen. Die Börsen reagierten am Montag weltweit mit kräftigen Kursgewinnen auf das lange erwartete Paket. Das Programm ist ein Eckpfeiler der Bemühungen von Präsident Barack Obama, die USA aus der Rezession zu führen.

Das Startkapital für das "Public-Private Investment Program" fließt aus dem 700 Milliarden Dollar schweren Rettungspaket für die Finanzbranche, das der Kongress noch unter der alten Regierung im Oktober verabschiedet hatte.

Mit Hilfe privater Investoren sowie Kreditprogrammen der staatlichen Einlagensicherung FDIC und der Notenbank Fed sollen zunächst Schrottpapiere im Umfang von 500 Milliarden Dollar aufgekauft werden. Später soll das Programm auf bis zu eine Billion Dollar ausgeweitet werden.

Investoren müssen zu Risiken bereit sein

Geithner räumte am Montag ein, dass der Staat mit dem neuen Plan aber auch die Investoren Risiken eingingen. "Aber man kann keine Finanzkrise lösen, ohne dass der Staat Risiken auf sich nimmt", sagte der Minister. Geithner hofft aber auf diese Weise, einen Markt für die im Zuge des Zusammenbruchs am US-Immobilienmarkt faktisch wertlos gewordenen Papiere zu schaffen, die Banken zu Milliardenabschreibungen gezwungen und einige in die Pleite getrieben haben.

"Damit dieses Programm funktioniert, müssen die Investoren zu einigen Risiken bereit sein", führte Geithner bei der Vorstellung der Pläne in Washington weiter aus. Die Entlastung der Banken werde helfen, eine noch längere und noch tiefere Rezession zu verhindern. Zudem bekämen die Finanzinstitut wieder mehr Spielraum, ihr Kapital zu erhöhen und so den Kreditfluss wieder in Bewegung zu bringen.

Bewertung der Papiere wird zur Herausforderung

Ob das Programm die gewünschte Größenordnung erreicht und weitere Staatshilfen nötig werden, hängt vom Umfang der Beteiligung privater Investoren ab. Mit Blackrock und der Allianz-Tochter Pimco signalisierten bereits zwei der größten US-Finanzinvestoren Interesse. "Damit liegt wohl das erste Konzept mit einer Gewinnmöglichkeit für alle Beteiligten auf dem Tisch, und es sollte begeistert begrüßt werden", sagte Pimco-Fondsmanager Bill Gross zu Reuters.

Experten sehen eine zentrale Herausforderung darin, einen Preis für die faulen Vermögenswerte zu ermitteln. "Wenn sich die Regierung und die Banken einigen können, besteht eine ziemlich gute Chance, dass sich der Kreditmarkt wieder normalisiert", sagte Linus Yip, Anlagestratege bei First Shanghai Securities in Hongkong.

Um keine Interessenten zu verschrecken, will Geithner anders als bei anderen Staatshilfen für die Finanzbranche auf strenge Vergütungsauflagen bei den Fondsmanagern verzichten. Der Minister steht bereits wenige Woche nach Amtsantritt wegen des Skandals um hohe Bonus-Zahlungen beim nur mit Staatshilfe geretteten Versicherungsriesen AIG unter Druck.

Hilfsprogramm besteht aus mehreren Bausteinen

Ein wichtiger Teil des Programms ist die Gründung von öffentlich-privaten Fonds. Während die Regierung und die privaten Investoren die Abstoßfinanzierung leisten sollen, stehen die FDIC und die Notenbank Federal Reserve zur weiteren Kapitalvergabe bereit. Die FDIC stellt zum Aufkauf fauler Kredite zinsgünstige Darlehen bereit: Für jeden Dollar Eigenkapital können sechs Dollar aufgenommen werden.

Zum Aufkauf fauler Wertpapiere fließt das vergangene Woche auf eine Billion Dollar ausgeweitete Verbraucherkreditprogramm der Notenbank Fed ein. Dieses Talf-Programm soll künftig auch ältere Hypotheken-Papiere aufkaufen dürfen. Um Geld aufzutreiben, sollen zudem bis zu fünf Investmentmanager eingesetzt werden, deren Mittel die Regierung aufstocken will.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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