Neuer Großaktionär Abu Dhabi steigt bei Daimler ein

Der angeschlagene Autobauer Daimler hat sich neben Kuwait ein zweites Emirat als Großaktionär ins Haus geholt. Mit 9,1 Prozent steigt Abu Dhabi zum wichtigsten Anteilseigner auf. Daimler fließen auf diese zwei Milliarden Euro zu.

Stuttgart - Der Einstieg Abu Dhabis geschieht durch die Ausgabe neuer Aktien, durch deren Kauf 1,95 Milliarden Euro in Daimlers Kasse fließen. Der Anteil Kuwaits wird dadurch verwässert und fällt von 7,6 auf 6,9 Prozent.

Die staatlich kontrollierte Investmentgesellschaft Aabar zahlt 20,27 Euro pro Daimler-Aktie . Das ist ein Abschlag von rund 5 Prozent auf den aktuellen Kurs: Am Freitag hatten die Papiere bei 21,34 Euro geschlossen.

"In den guten alten Tagen wäre noch eine Prämie fällig gewesen", kommentierte ein Händler am Montag. Der Einstieg der Araber geschieht ihm zufolge aber zur rechten Zeit, da Automobilaktien dazu neigten, den Gesamtmarkt in einem ersten Aufschwung nach einem langen Bärenmarkt zu schlagen. Trotz des Abschlags legten die Papiere von Daimler am Montag im vorbörslichen Handel um rund 6 Prozent zu und kletterten auf 22,60 Euro.

"Langfristiger Investor stabilisiert Daimler"

Der Einstieg des Emirates Abu Dhabi bei Daimler stabilisiert nach Ansicht des Autoexperten Willi Diez den von der Absatzkrise gezeichneten Stuttgarter Hersteller. Mit dem arabischen Staatsfonds Aabar habe Daimler einen langfristig orientierten strategischen Partner gefunden, sagte der Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft an der Hochschule Nürtingen-Geislingen am Montag der dpa.

"Das ist unter langfristigen Gesichtspunkten wichtig, weil Daimler der deutsche Autohersteller mit der unsichersten Aktionärsstruktur ist." Das frische Kapital von zwei Milliarden Euro müsse vor allem in Zukunftstechnologien fließen.

Aufsichtsrat stimmt Kapitalerhöhung zu

Die Daimler-Anteile kaufe die Aabar Investments aus Abu Dhabi. Aabar ist den Angaben zufolge eine an der Börse Abu Dhabi gelistete Investmentfirma, die in unterschiedliche Branchen investiert. Größter Aabar-Anteilseigner sei die International Petroleum Investment Company (IPIC), die sich wiederum im Besitz der Regierung des Emirats Abu Dhabi befinde. Der Aufsichtsrat von Daimler hat der Kapitalerhöhung am Sonntag zugestimmt.

"Wir sind erfreut, Aabar als neuen Großaktionär willkommen heißen zu dürfen", erklärte Daimler-Chef Dieter Zetsche. Aabar unterstütze die Firmenstrategien von Daimler. Ähnlich äußerte sich der Aabar-Verwaltungsratschef Khadem Al Qubaisi: "Wir sind erfreut, dass wir die Möglichkeit zu diesem Investment bekommen haben."

Die Kapitalerhöhung erfolgt nach Daimler-Angaben unter teilweiser Nutzung des genehmigten Kapitals durch die Ausgabe von 96,408 Millionen nennwertlosen Stückaktien. "Der Mittelzufluss aus der Kapitalerhöhung verbessert die solide Finanzposition von Daimler weiter", erklärte der Konzern. Die bisherigen Daimler-Aktionäre können bei der Kapitalerhöhung keine der neuen Papiere erwerben.

Strategische Kooperation vereinbart

Strategische Kooperation vereinbart

Schon Anfang Februar hatte es am Finanzmarkt das Gerücht gegeben, IPIC wolle bei Daimler einsteigen. Allerdings war damals von einem Anteil von 25 Prozent die Rede gewesen. Daimler hatte das damals nicht kommentieren wollen. An Daimler ist bereits das Emirat Kuwait mit 7,6 Prozent beteiligt.

Zudem vereinbarten IPIC und Daimler eine strategische Kooperation. Sie wollen gemeinsam Fahrzeuge mit Elektroantrieb sowie innovative Verbundsstoffe für die Automobilproduktion entwickeln. Daimler kämpft - wie viele Rivalen auch - mit der weltweiten Wirtschaftskrise und hat Kurzarbeit angemeldet.

Daimler hatte 2008 einen Umsatzrückgang um vier Prozent auf 95,9 Milliarden Euro hinnehmen müssen. Der Überschuss sank um knapp zwei Drittel auf 1,4 Milliarden Euro. Da sich auch für 2009 kein Hoffnungsschimmer bei der zusammengebrochenen Nachfrage nach Pkw und Lkw abzeichnet, tritt der Konzern derzeit auf die Kostenbremse und will mehrere Milliarden Euro einsparen.

Für das erste Quartal 2009 hatte Daimler-Chef Zetsche Mitte Februar einen operativen Verlust vorausgesagt. Der Konzern als weltgrößter Nutzfahrzeughersteller kämpft unter anderem mit zögerlichen Orders der Spediteure. Dazu kommt die Zurückhaltung der Pkw-Fahrer, die um die hochpreisigen Fahrzeuge aus dem Hause Mercedes-Benz oft einen Bogen machen. Zudem sinken im Zuge der Rezession auch in den Schwellenländern die Verkaufszahlen für Pkw. Bislang hatten boomende Märkte wie China, Indien und Russland die schrumpfende Nachfrage in den etablierten Märkten Europa, Nordamerika und Asien kaschiert.

Weitere Details zum Einstieg der von Abu Dhabi kontrollierten Investmentgesellschaft Aabar will Daimler an diesem Montag bei einer Pressekonferenz in Stuttgart mitteilen. Daran sollen Zetsche und der Aabar-Vorsitzende Khadem Al Qubaisi teilnehmen, hieß es am Sonntagabend in Stuttgart.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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