Krisenticker Welthandel droht Rekordeinbruch

Nach WTO-Prognose schrumpft der Welthandel 2009 um 9 Prozent. Nach S&P hat nun auch Moody's der US-Ikone GE die Topbonität abgesprochen. An den Börsen wird das US-Rettungsprogramm für die Finanzbranche gefeiert. Opels Hoffnung auf Staatshilfe hat einen Dämpfer erhalten. Verfolgen Sie den Krisenticker auf manager-magazin.de.

21.04 Uhr: Der New Yorker Aktienmarkt hat mit furiosen Kursgewinnen geschlossen. Der Dow Jones  schloss 6,84 Prozent fester mit 7775 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 kletterte um 7,07 Prozent auf 822 Stellen. Der Index der Technologiebörse Nasdaq  legte um 6,76 Prozent auf 1555 Zähler zu. Grund für die kräftigen Zuwächse war die Vorlage von lang erwarteten Details der US-Regierung zum Aufkauf fauler Wertpapiere durch den Staat.

20.37 Uhr: Die Ratingagentur Moody's hat die Bonitätsnote des Metro-Großaktionärs Haniel zum zweiten Mal binnen fünf Monaten herabgestuft. Das Rating wurde auf Baa3 von Baa2 gesenkt und wird auf eine mögliche weitere Herabstufung geprüft. Grund seien die weiter gesunkenen Aktienkurse des Handelskonzerns Metro  und des Pharmagroßhändlers Celesio , die zu den größten Haniel-Beteiligungen zählen. Moody's hatte mit dieser Begründung bereits Anfang November das Rating von Haniel auf Baa2 von Baa1 herabgestuft.

20.23 Uhr: Der Kurs des Euro  hat sich im Vergleich zum späten Nachmittag deutlich erholt. Die europäische Gemeinschaftswährung sprang nach kräftigen Verlusten im Tagesverlauf wieder über die Marke von 1,36 Dollar und notierte gegen 20.30 Uhr bei 1,3631 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,3558 (Freitag 1,3549) Dollar festgesetzt.

20.12 Uhr: Nach besser als erwartet ausgefallenen Daten vom amerikanischen Häusermarkt haben die Ölpreise ihre Gewinne ausgeweitet. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Mai kostete 53,78 US-Dollar und damit 1,71 Dollar mehr als zum Handelsschluss am Freitag. Vor der Veröffentlichung der Daten hatte der US-Ölpreis noch bei 52 Dollar notiert. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Mai kletterte um 2,23 Dollar auf 53,45 Dollar.

20.04 Uhr: Der Welthandel droht in diesem Jahr so dramatisch einzubrechen wie noch nie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Das Handelsvolumen werde um 9 Prozent schrumpfen, sagt die Welthandelsorganisation (WTO) voraus. Grund sei die erlahmende Nachfrage in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Mit ihrer Prognose ist die WTO pessimistischer als der Internationale Währungsfonds (IWF), der im Januar einen Rückgang von 2,8 Prozent vorhergesagt hatte. Laut WTO verlangsamte sich der Welthandel schon in der zweiten Jahreshälfte 2008 drastisch. Für das Gesamtjahr wurde aber noch ein Wachstum von 2 Prozent erzielt - nach 6 Prozent im Jahr 2007.

19.05 Uhr: Die tschechische Volkswagen-Tochter Skoda rechnet trotz eines gewaltigen Schubs durch die Abwrackprämie mit einem Absatzrückgang in diesem Jahr. Die Zahl der verkauften Autos werde 2009 voraussichtlich um einen einstelligen Prozentbetrag zurückgehen. Das Minus werde damit jedoch geringer ausfallen als auf dem gesamten Automarkt, so dass sich der Marktanteil von Skoda erhöhen würde. Im März seien die Bestellungen jedoch dank der Abwrackprämien in Deutschland und anderen Ländern um 30 bis 50 Prozent in die Höhe geschossen. Im vergangenen Jahr lieferte Skoda mit 674.530 Fahrzeugen gut 7 Prozent mehr aus.

GE büßt Toprating ein

18.55 Uhr: Der US-Mischkonzern General Electric (GE) hat nun auch bei der Ratingagentur Moody's seine Topbonität eingebüßt. Moody's stufte das Rating der unbesicherten vorrangigen Verbindlichkeiten der General Electric Co und auch der General Electric Capital Corp (GECC) auf "Aa2" von "Aaa" herab. Der Ausblick sei stabil. Das Kurzfristrating von GE und GECC wurde mit "Prime-1" bestätigt. Am 12. März hatte bereits S&P das Rating von GE auf "AA+" gesenkt.

17.55 Uhr: Der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) überspringt kurzzeitig die Marke von 7600 Zählern - ein Plus von 4,4 Prozent.

17.45 Uhr: Die Pläne der US-Regierung zur Befreiung der Banken von faulen Wertpapieren haben den deutschen Aktienmarkt am Montag beflügelt. Der Dax  beendet den Handel 2,7 Prozent im Plus bei 4176 Punkten und damit auf dem höchsten Stand seit rund einem Monat.

17.30 Uhr: Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer hat den Internationalen Währungsfonds (IWF) scharf kritisiert. In den vergangenen 30 Jahren habe der IWF eine Politik der Deregulierung, der Liberalisierung, der Lohnsenkung und der Privatisierung der sozialen Sicherungssysteme befürwortet und mit durchgesetzt und sei damit für die heutige globale Krise mitverantwortlich, sagte Sommer am Montag auf einer Tagung in Genf.

17.20 Uhr: Auch der Dax (Kurswerte anzeigen) legt weiter zu und notiert kurz vor Handelsschluss mit rund 2,7 Prozent im Plus.

16.01 Uhr: Die Hoffnungen des deutschen Autobauers Opel auf staatliche Unterstützung haben erneut einen Dämpfer erhalten. Führende Gläubiger des krisengeschüttelten amerikanischen Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM) äußerten massive Zweifel an dessen Sanierungsplänen. GM setze zu sehr auf eine rasche Erholung des Automarkts, warnten die Gläubiger in einem am Montag bekannt gewordenen Brief an US-Finanzminister Timothy Geithner und die Auto- Kommission (Task Force) der Regierung. Opel hat auch ein Werk in Kaiserslautern.

15.50 Uhr: Der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) baut nach gut einer Stunde Handel seine Gewinne auf 4,1 Prozent aus und notiert auf Tageshoch von 7579 Zählern. Anleger feiern den Rettungsplan des US-Finanzministeriums, dessen Details Finanzminister Timothy Geithner am Montag vorstellte.

Geithner bittet um Geduld

15.40 Uhr: US-Finanzminister Timothy Geithner hat bei der Bekämpfung der Bankenkrise um mehr Geduld gebeten. Trotz des großen Ärgers über die Unternehmen müsse die Gesundung des Sektors vorangetrieben werden, sagte der Politiker. Zugleich stellte er Details zu einem neuen Programm vor, mit dem Regierung gemeinsam mit privaten Investoren faule Kredite und Anleihen im Wert bis zu einer Billion Dollar aufkaufen will.

14.40 Uhr: An der Wall Street legt der Dow Jones  zu Handelsbeginn um knapp 200 Punkte (2,5 Prozent) auf 7460 Zähler zu. Die Indizes profitierten am Montag von neuen Aussagen und Details der US-Regierung für den angeschlagenen Finanzsektor. Finanzminister Timothy Geithner hatte in einem Gastbeitrag im "Wall Street Journal" angekündigt, mit Hilfe eines Milliardenprogramms private Investoren zum Kauf fauler Wertpapiere der Banken in Höhe von bis zu einer Billion US-Dollar anregen zu wollen.

13.50 Uhr: Der Dax  gibt vor Eröffnung der Wall Street einen Großteil seiner Gewinne wieder ab und notiert zuletzt nur noch 1 Prozent im Plus bei 4112 Zählern. Finanztitel bleiben gefragt.

13.30 Uhr: Im Kampf gegen die Finanzkrise will die US-Regierung Banken von faulen Wertpapieren im Umfang von bis zu einer Billion Dollar befreien. Das Finanzministerium legte am Montag lange erwartete Einzelheiten zum Umgang mit den Schrottpapieren vor, die Banken zu Milliardenabschreibungen gezwungen haben. Die Regierung will das Programm zunächst mit 75 bis 100 Milliarden Dollar anschieben. Das Programm soll mit Hilfe privater Investoren und Krediten der Bankeneinlagensicherung FDIC und der Notenbank Fed auf 500 Milliarden Dollar ausgeweitet werden und schließlich bis zu eine Billion Dollar erreichen. Ob der Kongress weitere Mitteln zur Finanzierung bewilligen muss, hängt vom Umfang der Beteiligung privater Investoren ab.

11.58 Uhr: Die exportabhängige deutsche Wirtschaft leidet nach Einschätzung der Bundesbank zunehmend unter der globalen Rezession. "Die gesamtwirtschaftliche Produktion in Deutschland wird immer stärker vom kräftigen Abschwung der Weltwirtschaft erfasst", hieß es in dem am Montag veröffentlichten Monatsbericht. Der parallele Abschwung in nahezu allen wichtigen Regionen habe den Exportweltmeister bereits Ende 2008 getroffen. "Vor dem Hintergrund der anhaltenden Talfahrt der Geschäftsabschlüsse mit ausländischen Kunden hat sich an dieser Tendenz zu Beginn des Jahres 2009 nichts geändert", schrieb die Bundesbank

Deutschen Seehäfen droht Entlassungswelle

11.19 Uhr: Deutschlands zweitgrößter Zementkonzern Dyckerhoff erwartet wegen der Rezession für das laufende Jahr einen Umsatzeinbruch um bis zu 20 Prozent. Vorstandschef Wolfgang Bauer prognostizierte am Montag auf der Bilanzpressekonferenz einen Umsatz von 1,6 bis 1,8 Milliarden Euro; 2008 waren es noch 1,97 Milliarden. Das operative Ergebnis und der Jahresüberschuss würden "sehr deutlich" schrumpfen. Investitionsprojekte würden daher verschoben oder zeitlich gestreckt.

11 Uhr: Nach dem DIW korrigiert nun auch das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) seine Konjunkturprognose für das laufende Jahr nach unten. Für 2009 werde nun mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 4,3 Prozent gerechnet. Ohne die prognostizierten Wirkungen durch das Konjunkturprogramm im zweiten Quartal 2009 wäre das Schrumpfen noch dramatischer. Ende vergangenen Jahres war das RWI noch von einem BIP-Rückgang von 2,0 Prozent für 2009 ausgegangen. Für 2010 rechnen die Forscher mit einem leichten Anstieg der Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent.

10.46 Uhr: In den deutschen Seehäfen droht eine Entlassungswelle. Der jahrelange Umschlagsboom ist mit der Wirtschaftskrise vorerst Geschichte. In Bremen und Bremerhaven sollen bis Jahresende bis zu 1400 Arbeiter des Gesamthafenbetriebsvereins (GHB) ihren Job verlieren. Die ersten 200 Zeitarbeitsverträge seien bereits ausgelaufen, sagte ein GHB-Sprecher am Montag. Nicht davon betroffen sind die fast 5000 Hafenarbeiter der BLG Logistics Group. Die Arbeitsplätze seien sicher, sagte ein Sprecher. Die Umschlagszahlen seien dramatisch zurückgegangen.

10.37 Uhr: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat seine Prognose für 2009 nochmals deutlich gesenkt. Die Experten rechnen jetzt mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 4 bis 5 Prozent, wie Konjunkturforscher Stefan Kooths am Montag auf Anfrage mitteilte. Der schlechte Start ins neue Jahr und die aktuelle Entwicklung ließen keine anderen Schlüsse zu. Schon im Februar hatte das DIW seine Erwartungen für das Gesamtjahr massiv nach unten korrigiert und ein Minus von deutlich mehr als 3 Prozent für wahrscheinlich erklärt. Im Januar hatten die Berliner Forscher noch ein Minus von 1 Prozent prognostiziert.

Commerzbank sieht schwarz für deutsche Konjunktur

10.27 Uhr: Die Bonidebatte kocht auch in den Niederlanden hoch. Der Finanzkonzern ING hat 1200 Topmanager aufgefordert, ihre Bonuszahlungen für 2008 nicht anzunehmen. Das sei eine Frage der Moral, sagte der designierte ING- Vorstandschef Jan Hommen der Zeitung "Volkskrant" vom Montag. Die Bank will bis 2010 ein neues Bonussystem etablieren. Danach soll es Sonderzahlungen nur geben, wenn die ING-Gruppe Gewinne erwirtschafte, sagte der derzeitige Verwaltungsratspräsident Hommen, der im April Vorstandschef der Bank werden soll. ING hatte kürzlich bekanntgegeben, dass 300 Millionen Euro an Boni an weltweit 40.000 Angestellte ausgezahlt werden sollen. Die Ankündigung hatte für Aufregung gesorgt, da das Geldinstitut zehn Milliarden Euro an Hilfen vom niederländischen Staat erhalten hatte.

10 Uhr: Die Aktie von Daimler legt nach dem Einstieg von Abu Dhabi als neuer Investor mehr als 6 Prozent zu und verbucht damit die größten Gewinne im Dax. Die börsennotierte Investmentgesellschaft Aabar steigt direkt mit 9,1 Prozent bei Daimler ein und wird Daimlers größter Einzelaktionär. Sie wird selbst vom Staatsfonds International Petroleum Investment Company (Ipic) kontrolliert, der wiederum komplett im Besitz der Regierung von Abu Dhabi ist.

9.10 Uhr: Der Dax  startet mit einem Gewinn von 0,9 Prozent auf 4070 Punkte in den Handel. Anschließend baut der deutsche Leitindex seine Gewinne deutlich aus und notiert zuletzt 2 Prozent fester bei 4145 Zählern. Bereits in der Vorwoche hatte der deutsche Leitindex 2,9 Prozent zugelegt. Die US-Regierung pumpt weitere Milliarden in den Markt - die langfristigen Wirkungen dieser Geldschwemme sind jedoch umstritten.

8.00 Uhr: Der Konjunktureinbruch in Deutschland fällt nach Einschätzung der Commerzbank-Ökonomen in diesem Jahr weitaus dramatischer aus als bislang angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland werde um 6 bis 7 Prozent einbrechen, hieß es in einer am Montag veröffentlichten Studie. Damit korrigierten die Experten ihre bisherige Prognose von minus drei bis vier Prozent drastisch. "Das liegt vor allem daran, dass die zuletzt veröffentlichten Auftragseingangs- und Produktionsdaten für Januar mit einer Dramatik eingebrochen sind, die ohne Beispiel in der deutschen Nachkriegsgeschichte ist", schrieb Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

7.30 Uhr: Beflügelt vom US-Programm zum Aufkauf fauler Wertpapiere sind die Börsen in Fernost mit deutlichen Gewinnen in die Woche gestartet. Der japanische Nikkei  schloss 3,4 Prozent fester und auf dem höchsten Stand seit sieben Wochen. Auch die Aktienmärkte in Südkorea, Hongkong, Shanghai, Taiwan und Singapur notierten deutlich fester. Im Mittelpunkt stand im asiatischen Handel der Plan der USA, Banken von ihren faulen Papieren zu befreien.

Wie ein US-Regierungsvertreter mitteilte, will der Staat zwischen 75 und 100 Milliarden Dollar für ein öffentlich-privates Ankaufprogramm aus ihrem im Oktober verabschiedeten Rettungspaket zur Verfügung stellen. Da sich auch private Investoren daran beteiligen sollen, könnte die Summe bis auf 500 Milliarden Dollar steigen. Damit sollen den Banken weitere faule Wertpapiere abgekauft und die Bilanzen entlastet werden. US-Finanzminister Timothy Geithner will an diesem Montag die Pläne der US-Regierung vorstellen.

7.00 Uhr: Die Ölpreise sind am Montag deutlich gestiegen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Japan Railway  Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Mai kostet im asiatischen Handel 52,82 US-Dollar und damit 75 Cent mehr als zum Handelsschluss am Freitag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent  kletterte um 78 Cent auf 52,00 Dollar.

Händler führten den Preisanstieg auf die erwarteten weiteren Maßnahmen der US-Regierung zur Stabilisierung des Finanzsystems zurück. Denn mit einer Stabilisierung dürfte auch die Wirtschaft insgesamt wieder Tritt fassen und damit würde der Ölbedarf wieder steigen.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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