Edward Liddy AIG-Chef empfiehlt Managern Boniverzicht

Im Streit um Bonuszahlungen an führende Manager versucht Edward Liddy, Chef des angeschlagenen US-Versicherungsriesen AIG, verärgerte US-Politiker zu besänftigen. Einige der ausgezahlten Boni empfinde er als "geschmacklos". Das Unternehmen sei aber juristisch zu der Auszahlung verpflichtet.

Washington - Der mit Staatsgeldern gerettete US-Versicherungsriese AIG  hat ein Einlenken im Streit um Bonuszahlungen an seine Manager signalisiert. AIG-Chef Edward Liddy forderte die Empfänger der Zahlungen am Mittwoch zum freiwilligen Verzicht auf. Bei einer zum Teil stürmisch verlaufenen Befragung vor einem Ausschuss des Kongresses in Washington bezeichnete er einige der ausgezahlten Boni als "geschmacklos".

Nach Liddys Angaben erklärten sich bereits mehrere AIG-Manager bereit, die Boni komplett zurückzuzahlen. Er selbst habe jenen Empfängern, die mehr als 100.000 Dollar erhalten haben, den Verzicht auf mindestens die Hälfte nahegelegt, sagte Liddy. Die an AIG-Manager ausgezahlten Boni in Höhe von 165 Millionen Dollar hatten in den USA parteiübergreifend einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Liddy sicherte vor dem Kongress zu, dass er die Kritik "laut und klar vernommen" habe und entsprechend handeln wolle.

Zahlreiche Abgeordnete nutzten Liddys Auftritt vor dem Ausschuss, um ihrem Ärger Luft zu machen. Das demokratische Mitglied Brad Sherman warf AIG eine "kriminelle Verschwörung" zum Schaden der US-Steuerzahler vor. Sein Parteifreund Paul Hodes sagte, der Name AIG stehe fortan für "Arroganz, Inkompetenz, Gier". Die Demokratin Carolyn Maloney bezeichnete die Bonuszahlungen als "moralisch verwerflich und fiskalisch unverantwortlich".

Liddy beklagte in der Anhörung, dass er angesichts der aufgeheizten öffentlichen Stimmung um das Leben seiner Angestellten fürchte. Er las aus Todesdrohungen vor, die bei AIG eingegangen seien. Darin wurde den Managern unter anderem angedroht, sie mit einer Klaviersaite zu erdrosseln. "Ich bin in Sorge um die Sicherheit unserer Leute", sagte Liddy. Der Forderung des Kongresses nach Vorlage der Namen von Bonusempfängern wolle er deshalb nur nachkommen, wenn äußerste Vertraulichkeit gewährt sei.

Kurz vor Liddys Auftritt hatte US-Präsident Barack Obama erneut versichert, "jeden möglichen Weg auszukundschaften", wie die Bonuszahlungen rückgängig gemacht werden könnten. Seinem Finanzminister Tim Geithner, der wegen der Bewilligung der AIG-Gelder in die Kritik geraten war, sicherte Obama sein "volles Vertrauen" zu. "Er versucht nur, das Beste in einem Spiel mit vielen schlechten Karten zu machen", sagte Obama.

Liddy, der seit Herbst 2008 an der Spitze von AIG steht, zog in seiner Stellungnahme vor dem Kongress eine kritische Bilanz der Arbeit des Konzerns. "Bei AIG wurden Fehler in einem Ausmaß gemacht, wie es sich nur wenige hätten vorstellen können", sagte er. Die Bonuszahlungen seien den Managern aber vertraglich zugesagt worden und seien in der Geschäftspraxis üblich: "Wir müssen unser Unternehmen weiter als Unternehmen führen - und uns dabei den kalten Realitäten des Werbens um Kunden, Einkünfte und Angestellte stellen."

"Aus diesem Grund und wegen rechtlicher Verpflichtungen hat AIG kürzlich eine Reihe von Bonuszahlungen geleistet, von denen ich manche als geschmacklos empfinde", erklärte Liddy. Er unterstrich seinen Willen, AIG neu aufzustellen und wieder profitabel zu machen, sodass die 180 Milliarden Dollar staatliche Finanzhilfe zurückgezahlt werden könnten.

manager-magazin.de mit Material von afp