Mittwoch, 23. Oktober 2019

AWD/Swiss Life Maschmeyer, Ferres und die biederen Schweizer

2. Teil: "Clash der Kulturen vorprogrammiert"

Und in dieser Situation will die Swiss Life nun mit Maschmeyer einen Mann in ihren Verwaltungsrat bestellen, der nicht ganz unschuldig an der misslichen Lage des Versicherers ist, dessen hemdsärmliges und mitunter nassforsches Auftreten ganz und gar nicht dem Schweizer Selbstverständnis entspricht. In den Augen so mancher Beobachter ist der "Clash der Kulturen" bereits vorprogrammiert. Um so mehr stellt sich die Frage nach dem Warum und wer hier überhaupt die treibende Kraft ist.

Gespannte Beziehung: AWD-Chef Maschmayer, Swiss-Life-Chef Bruno Pfister und AWD-Co-Chef Manfred Behrens (von links).
So mancher Beobachter glaubt, dass Maschmeyer mit dem gewichtigen Wort des Swiss-Life-Großaktionärs selbst diesen Posten eingefordert hat. Das erscheint plausibel. Die These könnte auch insofern zutreffen, als Maschmeyer es allmählich leid ist, sich von Zürich aus fortgesetzt bevormunden und von einem gleichgestellten Co-Chef weiter reinreden zu lassen. Für einen Mann, der Zeit seines Lebens die Dinge selbst in die Hand genommen und geformt hat, muss diese Perspektive auf Dauer schlicht lästig sein.

Maschmeyer wird im Verwaltungsrat nicht so schalten und walten können, wie er möchte. Doch im Gegensatz zum deutschen Aufsichtsrat mischt sich der schweizerische Verwaltungsrat sehr viel stärker in das operative Geschäft eines Unternehmens ein. "Sicher, er muss sich abstimmen. Aber jetzt kontrolliert er und kann von Zürich aus den Kurs der Swiss Life Deutschland und des AWD mitbestimmen", sagt der Beobachter.

"Maschmeyer in Zürich langsam austrocknen lassen"

Ein anderer Branchenkenner sieht die treibende Kraft auf Seiten von Swiss Life. "In Hannover hat man Maschmeyer nicht in den Griff bekommen. Jetzt holt man ihn nach Zürich. Im Verwaltungsrat ist er von Schweizern umgeben, die nicht gut auf ihn zu sprechen sind. Er ist nicht Vorsitzender, er muss sich abstimmen, wenn er etwas erreichen will. Man wird versuchen, ihn auf diese Weise besser unter Kontrolle zu bekommen und dann langsam austrocknen lassen", sagt der Branchenkenner.

"Der ist nicht zum Frühstücksdirektor geboren"

Noch ist unklar, welche Funktion Maschmeyer in dem Rat wahrnehmen wird. Dem Vernehmen nach soll er sich um die strategische Weiterentwicklung und Internationalisierung des Konzerns kümmern. Dass sich der charismatische Selfmademan auf diese Weise ruhigstellen oder gar neutralisieren lässt, glaubt ein Insider aber nicht. "Der lässt sich nicht aufs Abstellgleis schieben. Der ist nicht zum Frühstücksdirektor geboren, dafür kenne ich ihn zu gut. Maschmeyer wird aktiv eingreifen. Er wird in Zürich richtig Gas geben und kräftig für Unruhe in der Runde sorgen", ist der Insider überzeugt. Selbiger schließt auch nicht aus, dass Maschmeyer mittelfristig die Führung in dem Verwaltungsrat anstrebt: "Der Mann hat einen enormen Ehrgeiz, kann Menschen beeinflussen und will was bewegen."

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