Mittwoch, 16. Oktober 2019

Bankenrettung "Kultur der Komplizenschaft"

3. Teil: "Vorstände haben keinen Anspruch auf Mitleid"

Nochmals: Wenn eine Bank Schiffbruch erleidet, müssen Konsequenzen gezogen werden. Die Vorstände haben dabei keinen Anspruch auf Mitleid. Sie werden auch nicht in Armut leben. Ihnen bleibt genug, um ihren Kindern das College zu bezahlen.

Auszug eines Lehman-Managers: "Keine menschliche Tragödie"
Gut, mancher wird das ein oder andere Haus verkaufen müssen oder seine Jacht. Das ist aber nicht schlimm. Wir nennen das "Kapitalismus". Zumindest nannten wir es bisher so. Haben wir noch ein kapitalistisches System, irgendwo auf der Welt? Vielleicht in China? (lacht kurz) Im Leben dieser Manager ist das ein Einschnitt, keine Frage. Aber wenn wir den Vorstand einer Bank austauschen, bedeutet das keine menschliche Tragödie.

mm.de: Bei Ihrem Vorschlag muss der Staat die Bankeinlagen absichern.

Galbraith: Unbedingt, sonst funktioniert es nicht. Es wäre naheliegend, dafür einen Fonds zur Insolvenzversicherung einzurichten. Das Prinzip dahinter lautet, dass der normale Sparer für die Probleme seiner Bank nicht verantwortlich ist. Man kann von ihm nicht erwarten, dass er die Leistung der Bankvorstände überwacht. Denn haben die Sparer den Verdacht, es könnte mit ihrer Bank etwas nicht stimmen, heben sie einfach ihr Geld ab. Dann hat die Bank ganz schnell ein grundlegendes Problem. Deshalb ist es so wichtig, dass die normalen Bankgeschäfte auch dann weiterlaufen, wenn eine Bank Insolvenz anmeldet.

mm.de: Das bekannteste Beispiel einer deutschen Bank in Zahlungsnöten ist die Hypo Real Estate ...

Galbraith: (lacht) Warum überrascht mich das bei dem Namen nicht?

mm.de: Ganz recht, Ihr Geschäftsbereich ist kein Geheimnis ... Die Bank rutschte, wie so viele, in die Liquiditätskrise. Die Bundesregierung hat schon gut 100 Milliarden Euro zu ihrer Stützung aufgebracht. Was wäre Ihre Empfehlung für den Umgang mit solch einer Bank?

Galbraith: Ich hoffe sehr, dass das Management den Inhalt der Finanzprodukte genau studiert hat, bevor sie sich zum Kauf entschied. Und wenn sie sich stattdessen auf die Einschätzungen der Ratingagenturen verlassen hat, sollte die Führung wenigstens gefragt haben, ob die Agenturen eine ordentliche Due Diligence durchgeführt haben. Ich bin mir aber sehr sicher, dass die Antwort wieder einmal Nein lautet. Die Ratingagenturen haben großes Unheil angerichtet, als sie Schrottpapiere mit "AAA" bewertet haben. Hier sind Versäumnisse auf jeder Stufe des Systems zu erkennen. Und ein enormes betrügerisches Potenzial.

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