Mittwoch, 23. Oktober 2019

Bankenrettung "Kultur der Komplizenschaft"

2. Teil: "Bei Schiffbruch wird der Kapitän ausgewechselt"

mm.de: Der Austausch des Managements wie etwa bei der Hypo Real Estate ist wahrscheinlich der wichtigste Schritt.

Alles nur Fassade: Wenn die Insolvenz droht, könnte das Management "die Bank plündern"
Marian Kamensky
www.humor-kamensky.sk
Alles nur Fassade: Wenn die Insolvenz droht, könnte das Management "die Bank plündern"
Galbraith: Ein Vorstandswechsel ist ganz entscheidend, denn erstens steht die alte Geschäftsführung in der Verantwortung, ganz gleich, ob sie eine Schuld an der Krise hat oder nicht. Und zweitens braucht man für den Umbau der Bank eine Führungsriege, die diesen Kurs im öffentlichen Interesse durchziehen will. Das ist das gleiche Prinzip wie bei der Marine: Wenn ein Schiff aufläuft, wird der Kapitän ausgetauscht, unabhängig davon, ob er den Unfall verursacht hat. Niemand käme auf die Idee, die Überprüfung des Vorfalls denen zu überlassen, die überprüft werden sollen.

mm.de: Was Sie vorschlagen, trifft zwei Personengruppen hart: den alten Vorstand und die Aktionäre der Bank.

Galbraith: Warum sorgen Sie sich? Die Anteilseigner haben bereits den größten Teil ihres Kapitals verloren. Die Citigroup-Aktie Börsen-Chart zeigen zum Beispiel wurde noch vor einem Jahr zu 55 Dollar gehandelt, heute liegt sie deutlich unter drei Dollar. Das ist ein Verlust von rund 95 Prozent. Die übrigen 5 Prozent stehen überhaupt nur deshalb in den Büchern, weil an den Märkten mit einer Rettung durch die Regierung gerechnet wird. Selbst diese läppische Marktkapitalisierung ist also nur eine rein theoretische Größe. Jedem ist klar, dass die Bank faktisch insolvent ist.

Man sollte sich auch fragen, wer denn die verbliebenen Aktionäre sind. Wer hält überhaupt noch Anteile bei diesem Wert? Die meisten dieser Teilhaber sind wahrscheinlich eingestiegen, als die Citi-Aktie noch fünf oder vier Dollar wert war. Es ist ganz klar, dass sie auf eine staatliche Bankenrettung spekulieren. Das ist nichts Verwerfliches, aber sie haben keinerlei Anspruch auf öffentliche Unterstützung.

mm.de: Und die Manager?

Galbraith: Der Bankvorstand hat seine Posten im Auftrag der Aktionäre. Die haben ihm immense Befugnisse eingeräumt und würden sich freuen, wenn es dem Unternehmen gut geht. Ist das so, profitieren davon auch die Vorstände. Die meisten von ihnen sind schon eine Weile im Geschäft und haben eine ganze Menge Geld dabei verdient. In einigen Fällen haben sie allein Boni in der Größenordnung von 20 Millionen Dollar für ein Jahr eingestrichen.

© manager magazin 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung