Montag, 14. Oktober 2019

Aufsichtsräte SPD will Frauenquote durchsetzen

Das norwegische Modell einer Frauenquote in Aufsichtsräten soll in Deutschland Schule machen. Nach Vorstellung von SPD-Chef Franz Müntefering sollen künftig vier von zehn Kontrolleuren weiblich sein. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich bisher gegen das Ansinnen gesperrt.

Berlin - Alle Aufsichtsräte deutscher Aktiengesellschaften sollen nach dem Willen der SPD bis zum Jahr 2013 mit Frauen besetzt sein. Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering sprach sich am Dienstag für die Einführung einer solchen verbindlichen Frauenquote nach norwegischem Vorbild aus.

Frauen vor: SPD-Chef Müntefering will mehr weibliche Aufsichtsräte
Er will sich dafür einsetzen, dass diese Forderung in das im April vorliegende SPD-Wahlprogramm aufgenommen wird. Eine gesetzliche Fixierung im Aktienrecht sowie ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft könne dann in der nächsten Wahlperiode verabschiedet werden.

Müntefering verwies auf den seit 1988 geltenden SPD-Quotenbeschluss, der die Besetzung von Spitzenämtern in der Partei auf allen Ebenen zu 40 Prozent für Frauen vorschreibt. Ohne diese Vorgabe hätte die SPD die stärkere Beteiligung von Frauen an Führungspositionen nicht erreicht. Er sei sicher, dass dies auch in der Wirtschaft der Fall sei. Bislang haben nur die Grünen eine Frauenquote für hohe Wirtschaftsposten unterstützt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich ausdrücklich dagegen gewandt.

Müntefering traf in der Berliner SPD-Zentrale mit den Initiatorinnen der "Nürnberger Resolution" zusammen, die sich eine deutliche Erhöhung des Frauenanteils in den Führungsetagen der Wirtschaft zum Ziel gesetzt hat. Nach Angaben ihrer Sprecherin Martine Herpers fordert die Gruppe auch den Aufbau einer Datenbank für interessierte Aufsichtsratsmitglieder sowie festgelegte Qualifikationsstandards.

In Deutschland sind nach Angaben der Initiative von etwa 1100 Aufsichtsratsmitgliedern börsennotierter Unternehmen lediglich zwischen 6 und 8 Prozent weiblich. In den Vorständen der 30 Dax- notierten Unternehmen sind in Deutschland weiterhin kaum Frauen vertreten.

In Norwegen gilt seit 2008 für knapp 500 Aktiengesellschaften die 40-prozentige Frauenquote in Aufsichtsräten. Firmen, die dagegen verstoßen, drohen Strafen bis zum Entzug der Börsenzulassung. Auch Länder wie Schweden und Spanien haben ähnliche gesetzliche Vorschriften auf den Weg gebracht. Laut Studie der Beratungsfirma McKinsey bei den größten multinationalen Konzernen lag die Rendite in Unternehmen mit einem besonders hohen Frauenanteil im Topmanagement um 10 Prozent über dem Branchendurchschnitt.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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