Wirtschaftskrise Amerikaner schaffen ihre Autos ab

Die scharfe Wirtschaftskrise in den USA führt offenbar dazu, dass Millionen Amerikaner ihre alten Autos nicht mehr ersetzen. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg sinkt daher die Zahl der Wagen auf den US-Straßen. Der radikale Einschnitt könnte für die Autoindustrie langfristig gravierende Folgen haben.

Hamburg - Derart drastisch hat eine Wirtschaftskrise den American Way of Life seit dem Zweiten Weltkrieg nicht verändert: Angesichts wachsender Angst um ihre Arbeitsplätze schaffen Millionen US-Bürger offenbar ihre Autos ab. Die Zahl der angemeldeten Wagen dürfte bis zum Sommer 2009 um vier Millionen (1,6 Prozent) auf 238,3 Millionen Stück zurückgehen, erwartet das Marktforschungsunternehmen Polk einem Bericht des TV-Senders CNN zufolge.

Weder Ölkrisen noch die Terroranschläge vom 11. September 2001 hatten eine derart tiefgreifende Konsequenz für die Motorisierung der Amerikaner. Lediglich im Zuge des Zweiten Weltkriegs, als die US-Autofirmen Panzer und andere Armeefahrzeuge herstellten, war der Fahrzeugbestand zurückgegangen.

Dieses Mal ersetzen viele Amerikaner ihre alten Fahrzeuge aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen Aussichten nicht mehr, analysieren die Marktforscher. Verschärfend wirken demzufolge die Turbulenzen an den Märkten für Verbraucherkredite.

Die Entwicklung bringt für die geschwächte US-Autoindustrie und Importeure weiteren Zündstoff: Experten sehen sich angesichts des Rückgangs bestätigt, dass es auf den US-Straßen und in den Garagen zuletzt mehr Autos gegeben habe, als die Bürger tatsächlich benötigen.

Künftig werde manche Familie auf Zweit- oder Drittwagen vermutlich verzichten, erwartet Polk-Berater Dave Goebel CNN zufolge. "Die Leute haben erkannt, dass sie zu viele Autos besaßen und besinnen sich auf das Nötige." Der Markt werde länger darunter zu leiden haben.

Motorisierung in Deutschland wächst nur noch leicht

Das Umdenken der Amerikaner in Mobilitätsfragen wäre Gift für General Motors , Ford & Co. Denn sie erkennen in dem historischen Absatzrückgang schon die ersten Zeichen einer Wende. Auf Dauer könne der Absatz nicht so niedrig bleiben, da die Bürger einen Nachfragestau aufbauten. Verzichten sie jedoch auf einen Neukauf, nachdem sie das alte Auto verschrottet haben, ist diese Theorie relativ wertlos.

Der Autoabsatz in den USA ist seit der zweiten Jahreshälfte 2008 dramatisch eingebrochen. Für 2009 erwarten Marktkenner nur noch 9,7 Millionen verkaufte Fahrzeuge nach 13,7 Millionen im vergangenen Jahr. Die US-Hersteller sind davon besonders betroffen - sie setzen derzeit Monat für Monat bis zu 50 Prozent weniger Autos ab als im Vorjahreszeitraum.

In Deutschland gibt es noch keine Anzeichen für eine ähnliche Entwicklung, in der Autofahrer alte Wagen nicht ersetzen. Der Fahrzeugbestand in Deutschland hat sich nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) im vergangenen Jahr allerdings nur um 0,6 Prozent vergrößert. Zum Stichtag 1. Januar registrierte die Behörde 41,3 Millionen zugelassene Personenwagen, 4,6 Millionen Nutzfahrzeuge und 3,7 Millionen Krafträder. Das geht aus einer am Freitag in Flensburg vorgestellten KBA-Statistik hervor.

Einen Rückgang beim Fahrzeugbestand habe es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie gegeben, sagte ein KBA-Sprecher gegenüber manager-magazin.de. Aufgrund der Abwrackprämie sei dies auch für das laufende Jahr unwahrscheinlich, hieß es aus der Statistikabteilung des Verbandes der Automobilindustrie gegenüber manager-magazin.de.

manager-magazin.de

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