Hypo Real Estate "Pleite wäre schlimmer als Lehmans Aus"

Bei der angeschlagenen Hypo Real Estate geht es am Wochenende um die Existenz. Die Bundesregierung will die Bank laut einem Pressebericht notfalls zum Marktpreis kaufen, auch gegen den Willen der Eigentümer. Sollte der Bund bei seinem Einstieg scheitern, droht nach Ansicht des obersten Rettungsfondsmanagers eine Katastrophe.

Hamburg - Für den Fall, dass das Gesetz für eine Enteignung der bisherigen Aktionäre der Hypo Real Estate  scheitert, hat die Bundesregierung laut einem Bericht des Hamburger Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL einen Plan B entwickelt, um die volle Kontrolle über das marode Institut zu erlangen. Das Modell ist zwischen den Experten des Bundesfinanzministeriums und dem Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung abgesprochen - und ähnelt einer feindlichen Übernahme.

Der Bund würde die Bank, die dringend Kapital benötigt, dann kurzfristig mit einer auf wenige Wochen befristeten stillen Einlage stabilisieren. Gleichzeitig würde er den Aktionären ein Übernahmeangebot machen - das jedoch deutlich unter dem Preis läge, den der an der HRE beteiligte US-Investor Christopher Flowers derzeit noch vom Bund fordert. Regierungsbeamten zufolge will er für seine Aktien fünf Euro pro Stück, Flowers dagegen beteuert, dass er an einem Verkauf generell nicht interessiert sei.

Vergangenen Freitag notierten die Papiere bei knapp 90 Cent. Mit einer Hauptversammlungsmehrheit könnte der Bund dann die nötigen Kapitalmaßnahmen beschließen - und in einem zweiten Schritt die restlichen Aktionäre aus dem Unternehmen drängen. Nach Ansicht vieler Experten ist die volle Kontrolle des Staates bei der HRE unumgänglich, um weiteren Schaden vom Finanzmarkt abzuhalten.

Der neue Chef des Bankenrettungsfonds Soffin, Hannes Rehm, hat vor katastrophalen Folgen gewarnt, wenn der Staat nicht schnell bei der schwer angeschlagenen Hypo Real Estate die Kontrolle übernimmt. "Wir denken, dass eine Bank, die durch den Staat geprägt wird, rasch auf einen guten Weg kommt", sagte Rehm in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Eine Insolvenz des Münchner Immobilienfinanzierers wäre nach Ansicht Rehms eine Katastrophe für das Finanzsystem: "Ich gehe so weit zu sagen, diese Bank nicht zu retten, hätte schlimmere Folgen als die Pleite von Lehman Brothers." Die Entscheidung der US-Regierung, die große US-Investmentbank nicht zu retten, wird als Auslöser des Tsunamis auf den Weltfinanzmärkten gesehen.

Sei die Bank erst einmal gezwungen, eine Bilanz vorzulegen, ist es nach Auffassung Rehms zu spät: "Sollte sich dann nämlich zeigen, dass das Kernkapital unter eine bestimmte Quote gefallen ist, müssten die Aufsichtsbehörden beim Fehlen einer Perspektive einschreiten und die Bank schließen. Das wäre aus den genannten Gründen eine Katastrophe."

Merkel setzt Flowers die Pistole auf die Brust

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in der Debatte derweil Erwartungen des US-Großaktionärs Christopher Flowers zurückgewiesen. Im Deutschlandfunk sagte die Kanzlerin, die Regierung müsse darauf achten, wie sie mit dem Geld des Steuerzahlers umgehe. "Was wir nicht können, ist, jetzt Preise zu bezahlen, die nicht den marktüblichen Werten entsprechen", erklärte die CDU-Vorsitzende im Deutschlandfunk.

Der Münchner Immobilienfinanzierer HRE musste bislang durch Kreditbürgschaften allein des Staates von 87 Milliarden Euro gestützt werden. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) strebt angesichts weiterer benötigter Hilfen des Staates die Übernahme an. Sollte keine andere Lösung gelingen, will der Bund die HRE-Aktionäre notfalls enteignen. Das entsprechende Rettungsübernahmegesetz soll bereits am Freitag kommender Woche vom Bundestag und bis Anfang April auch vom Bundesrat beschlossen werden.

Flowers, der mit anderen Investoren knapp 24 Prozent der HRE- Anteile kontrolliert, will aber Aktionär bleiben. Er würde bei einem Ausstieg knapp eine Milliarde Euro verlieren und kämpft nun darum, seine Verluste zu begrenzen.

Am Sonntag werden die Bundesregierung und Flowers abermals Möglichkeiten eines Kompromisses zur Rettung der Hypo Real Estate ausloten. Merkel äußerte die Erwartung, dass durch die Gesetzesberatungen in der kommenden Woche "mit der ultima ratio der Enteignung" für den Eigner Flowers "die Bereitwilligkeit, sich auf bestimmte Übernahmen zu einigen, und da auch positiv zu reagieren" größer geworden sei. Sie könne allerdings nicht sagen, wie die Gespräche ablaufen werden. In Regierungskreisen wurde bislang die Chance auf einen Kompromiss als gering eingeschätzt.

Unmittelbar vor der Wiederaufnahme der Gespräche mit dem Bund hat der US-Investor J.C. Flowers seine Hilfe bei der Sanierung der HRE angeboten. "Wir haben eine vernünftige Lösung vorbereitet", sagte der für die Europa-Aktivitäten zuständige Flowers-Partner Ravi Sinha in einem Interview der "Börsen-Zeitung". Davon solle der Finanzausschuss des Bundestages am Montag überzeugt werden.

Es sei völlig ausreichend, wenn der Bund eine Kontrollmehrheit von 75 Prozent plus eine Aktie an der HRE bekomme. "Wir würden als Aktionär bei der Umstrukturierung helfen," sagte Sinha. Flowers könne dazu viel Fachwissen einbringen. "Genauso wie die Steuerzahler haben unsere Aktionäre großes Interesse daran, das investierte Geld wieder zurückzubekommen." Sinha warnte zudem vor einer Enteignung.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters