Hypo Real Estate Bund und Flowers verhandeln

Die Bundesregierung und der US-Investor Christopher Flowers loten an diesem Sonntag erneut einen Kompromiss über die Zukunft der angeschlagenen Hypo Real Estate aus. Die Fronten sind verhärtet. Flowers will sich nicht billig aus der Bank drängen lassen - und der Bund nicht drei Euro je HRE-Aktie zahlen, die der Investor fordert.

Berlin - Verhandelt werde über Möglichkeiten für eine Abgabe der HRE-Anteile von Flowers an den Bund, bestätigten Koalitionskreise am Freitag in Berlin. Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" ist der Bund zu ernsthaften Kaufverhandlungen bereit. An dem Gespräch nehmen auch Vertreter des staatlichen Banken-Rettungsfonds Soffin teil.

Flowers hatte zuletzt erklärt, weiter Aktionär der Hypo Real Estate  bleiben zu wollen. An diesem Montag nimmt Flowers in Berlin an einer Expertenanhörung des Bundestages über die umstrittenen Gesetzespläne zur Enteignung der Aktionären der HRE teil.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) strebt angesichts der massiven öffentlichen Hilfen eine weitgehende Übernahme des angeschlagenen Instituts an. Sollte keine andere Lösung gelingen, will der Bund die HRE-Aktionäre notfalls enteignen. Das entsprechende Rettungsübernahmegesetz soll bereits am Freitag kommender Woche vom Bundestag und bis Anfang April auch vom Bundesrat beschlossen werden.

Die bisherigen Kreditbürgschaften allein des Staates für die HRE belaufen sich auf 87 Milliarden Euro. Dem Vernehmen nach benötigt die Münchener Bank dringend frisches Geld in Höhe von zehn Milliarden Euro. Steinbrück dringt daher auf rasche Kapitalbeschlüsse.

Flowers, der zusammen mit einer anderen Investorengruppe knapp 24 Prozent der HRE kontrolliert, will nicht herausgedrängt werden. Er hält eine Staatsmehrheit von 75 Prozent plus eine Aktie weiterhin für ausreichend. Flowers hatte bei seinem Einstieg 22,50 Euro für die HRE-Aktie bezahlt und dürfte bei einem Ausstieg knapp eine Milliarde Euro verlieren. Er versucht, seine Verluste zu begrenzen.

Flowers nannte kürzlich einen Preis von drei Euro je HRE-Aktie fair. Das ist fast das Dreifache des aktuellen Wertes der HRE, die nur noch dank der Staatshilfe existiert. Die HRE-Aktie kostete am Freitagvormittag 0,90 Euro. Die Bank war damit noch 190 Millionen Euro wert. Ein Zusammenbruch würde für Aktionäre den Totalverlust ihrer Investition bedeuten. Steinbrück sah zuletzt wenig Chancen für eine Lösung. Bisher gab es zwei Gespräche zwischen Bund und Flowers.

Finanzausschuss berät über "Lex HRE"

Der Bund lehnt einen zu hohen Aktienpreis ab und will nicht mit Steuerzahlergeld für fehlgeschlagene Börsengeschäfte privater Investoren aufkommen. Flowers hatte auf möglichen juristischen Widerstand gegen eine Enteignung verwiesen. "Eine pragmatische Lösung wäre sicherlich auch im Interesse der vielen HRE-Kleinaktionäre, die gegenwärtig ungefähr 10 Prozent des Kapitals (...) halten", heißt es in einem früheren Schreiben des US-Investors an den Bund.

Der Finanzausschuss des Bundestages hat für diesen Montag Experten zu einer Anhörung über die Gesetzespläne geladen. Auch Flowers hat seine Teilnahme zugesagt. Das in der Koalition lange umstrittene "Rettungsübernahmegesetz" sieht eine Enteignung der Eigentümer maroder Banken nur als letzte Option vor. Es soll lediglich bis Ende Juni gelten und ist auf die Rettung der HRE zugeschnitten.

Der Bund will stufenweise vorgehen. Vor einer Enteignung werde versucht, auf der Hauptversammlung eine Anhebung des Kapitals und einen Kapitalschnitt zu realisieren, hatte Steinbrück betont. Wenn es aber keine Mehrheit gebe oder die Beschlüsse nicht rechtzeitig eingetragen werden, dann schließe der Bund nicht aus, von der Enteignungsoption Gebrauch zu machen.

manager-magazin.de mit Material von dpa

Verwandte Artikel