Düstere Prognose Bald vier Millionen Arbeitslose

Die Krise wird die deutsche Konjunktur Wirtschaftsforschern zufolge weit härter treffen als befürchtet. Nach Einschätzungen von HWWI und IAB könnte die Arbeitslosenzahl schon bald über vier Millionen klettern - mit drastischen Folgen.

Hamburg - Die Wirtschaftsleistung werde 2009 voraussichtlich um 3,8 Prozent einbrechen, teilte das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) am Donnerstag mit. Noch im Dezember hatte es ein Minus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,2 Prozent prognostiziert. Das Institut geht davon, dass die Zahl der Arbeitslosen im Jahresverlauf um eine Dreiviertelmillion zunimmt. Im nächsten Jahr werde dann die Marke von vier Millionen überschritten.

Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hält einen Anstieg über die Vier-Millionen-Marke sogar schon vor Jahresende für möglich. "Wenn wir die Winterarbeitslosigkeit berücksichtigen, ist es möglich, dass die vier Millionen überschritten werden", sagte Konjunkturexpertin Sabine Klinger vom IAB der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Kurzarbeiterzahl könnte laut IAB im ungünstigsten Fall eines BIP-Rückgangs von 3,5 Prozent auf 510.000 im Jahresdurchschnitt steigen. Bei einem Minuswachstum von nur 2,75 Prozent rechnet das IAB mit 450.000 Kurzarbeitern, von denen 400.000 konjunkturelles Kurzarbeitergeld beziehen würden. Die BA ging bisher von durchschnittlich 250.000 Kurzarbeitern aus.

Nach Einschätzung der Forscher vom HWWI könnte die Wirtschaft allerdings bereits in der zweiten Jahreshälfte 2009 Tritt fassen und im nächsten Jahr um 1 Prozent wachsen wird. "Die konjunkturellen Unwägbarkeiten bleiben allerdings immens, es überwiegen weiterhin die Abwärtsrisiken", hieß es.

Abwärtsrisiken überwiegen

In den nächsten Monaten wird es laut HWWI von entscheidender Bedeutung sein, ob die Firmen weitgehend auf Entlassungen verzichten und die Krise stattdessen mit Kurzarbeit überbrücken können. Dann würden auch Einkommen und der Konsum stabil bleiben.

Dies setze aber voraus, dass die Stützungsmaßnahmen zur Konjunktur in Deutschland wie auch in den anderen Ländern wirkten. "Sollte die Talfahrt jedoch drastischer auf den Arbeitsmarkt durchschlagen, bestünde die Gefahr einer Abwärtsspirale von Beschäftigung, Einkommen und Nachfrage", warnte das von dem renommierten Konjunkturforscher Thomas Straubhaar geleitete Institut.

Auch IfW korrigiert Prognose nach unten

Der Preisauftrieb werde angesichts der schwachen Nachfrage gering bleiben. Mitte des Jahres werde die Inflationsrate wegen der im Vorjahr extrem gestiegenen Energiepreise sogar negativ sein. Die Wirtschaft werde durch den Preiseinbruch bei Öl und anderen Rohstoffen in diesem Jahr um rund 30 Milliarden Euro entlastet. Hinzu komme die Wirkung der milliardenschweren Konjunkturprogramme. "Die Konjunktur erhält damit erhebliche Impulse, die dem Abwärtstrend entgegen wirken und die Wirtschaft allmählich stabilisieren sollten", prognostizierte das Institut.

Auch das Institut für Weltwirtschaft (IfW) korrigierte seine Prognose deutlich nach unten und sieht vorerst keine Erholung. Bis zum Jahresende dürften 800.000 Menschen ihre Arbeitsstelle verloren haben, sagte das IfW am Donnerstag voraus. Vor allem wegen des deutlichen Rückgangs der Exporte werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um 3,7 Prozent schrumpfen.

Damit senkten die Forscher ihre Prognose vom Dezember um einen Prozentpunkt. Allerdings sei in der zweiten Jahreshälfte mit einem langsameren Rückgang der Wirtschaftsleistung zu rechnen, schrieben die Experten. Eine Stabilisierung der Konjunktur erwarten sie im kommenden Jahr, ein spürbares Wachstum sogar erst zum Jahresende 2010.

Folgen des Konjunkturpakets erst ab 2009 spürbar

Die deutsche Wirtschaft dürfte in diesem Jahr wegen ihrer stärkeren Export-Abhängigkeit mehr schrumpfen als der Euro-Raum; hier sagte das IfW einen Rückgang um 3,3 Prozent voraus. Weltweit sei mit einem Minus der Wirtschaftsleistung um 0,8 Prozent zu rechnen - im ersten Quartal gehe das BIP wohl zum ersten Mal seit den 1930er Jahren zurück. Für 2010 sei dann wieder Wachstum in Sicht, wenn auch nur leichtes.

Das milliardenschwere Konjunkturpaket der Bundesregierung dürfte nach Einschätzung der Forscher in der zweiten Jahreshälfte 2009 erste Wirkungen zeigen, vor allem in der Bauwirtschaft.

"Allerdings wird der Impuls, der dadurch auf die Konjunktur ausgehen wird, geringer sein als vielfach erwartet", schrieben sie. Einerseits sei es unrealistisch, dass die staatlichen Bauinvestitionen so schnell aufgestockt werden könnten wie geplant. Andererseits reichten die Kapazitäten bei den Baufirmen nicht aus, so dass mit einem deutlichen Anstieg der Baupreise zu rechnen sei. Insgesamt dürfte die Wirtschaftsleistung mit dem Konjunkturpaket um etwa 0,75 Prozent höher ausfallen als ohne.

manager-magazin.de mit Material von reuters, dpa und ap

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