Opel Händler wollen 20 Prozent kaufen

Die Opel-Händler drücken bei ihrem eigenen Rettungsfonds für den angeschlagenen Autobauer aufs Tempo. Während die Politik weiter darum streitet, ob Opel mit Milliarden aus der Staatskasse gestützt werden soll, wollen die Händler den Autobauer mit bis zu 400 Millionen Euro unter die Arme greifen.

Frankfurt am Main - Die europäische Händlerorganisation EURODA teilte am Mittwoch mit, die Mitglieder hätten sich grundsätzlich geeinigt, drei Jahre lang 150 Euro pro verkauften Neuwagen in einen Rettungsfonds zu zahlen. Würden sich alle Länder und Händler beteiligen, könnten so nach EURODA-Angaben 400 Millionen Euro oder gar mehr zusammenkommen.

Mit diesem Geld soll eine Beteiligung an einer angedachten eigenständigen Gesellschaft finanziert werden. "Wir könnten uns einen Anteil von 10 bis 20 Prozent vorstellen", sagte EURODA-Vize-Präsident Albert Still. Auf Länderebene soll die erste Entscheidung über ein solches Beteiligungsmodell bei der Jahreshauptversammlung des Verbandes Deutscher Opel-Händler (VDOH) am 19. März in Darmstadt fallen.

EURODA, der als Dachverband für etwa 4000 Opel/Vauxhall-Händler in Europa steht, strebt an, über das Thema endgültig bei der nächsten Verbandsversammlung am 15. Mai in Wien zu entscheiden. "Opel retten können wir Händler allein nicht, aber wir wollen ein deutliches Zeichen setzen", sagte Still.

Opel begrüßte die Initiative der Händler. Eine solche solidarische Aussage komme zur rechten Zeit, erklärte der GM-Europe-Vizepräsident und Opel-Markenchef Alain Visser. Mitten in der Krise kündigte der Autobauer zudem an, dass er wegen hoher Nachfrage weitere Sonderschichten zur Fertigung der Mittelklasse-Limousine Insignia einlegen wird. Für den Insignia, der am 22. November Premiere bei den Händlern hatte, gebe es europaweit schon über 75 000 Bestellungen.

Opel strebt mehr Unabhängigkeit von GM an und hat dazu auch den Staat um Hilfe gebeten. Opel benötigt nach eigenen Angaben mehr als sieben Milliarden Euro, davon 3,3 Milliarden vom Staat. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte in der "Bild"-Zeitung (Mittwoch), bevor der Staat helfe, müssten in den USA wichtige Entscheidungen zu General Motors  (GM) fallen. Zugleich versicherte sie: "Wir werden Unternehmen wie Opel unterstützen, wenn unsere Hilfen diesen Betrieben eine gute Zukunft sichern können und nicht nur wirkungslos verpuffen, weil ein Unternehmen am Markt gescheitert ist."

In Rüsselsheim kam indes am Mittwoch der Opel-Aufsichtsrat zu erneuten Beratungen über die Zukunft der Tochter des kriselnden US-Autoriesen GM zusammen. Zu den Inhalten und Ergebnissen der regulären Sitzung des Kontrollgremiums wollte das Unternehmen keine Angaben machen.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) warnte, eine mögliche Insolvenz als Untergang des Unternehmens anzusehen. "Wir müssen wegkommen von dem Gefühl, dass Insolvenz totale Panik auslösen muss und Teufelszeug ist", sagte er in München. Guttenberg verwies auf das geänderte Insolvenzrecht, wodurch die Fortführung von Unternehmen deutlich verbessert worden sei.

Dagegen sagte der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer, die Hoffnung auf eine Erholung in der Insolvenz gehe an der Wirklichkeit vorbei, da Leasing-Gesellschaften sich dann zurückziehen würden. "Die Folge wäre, dass für Opel quasi über Nacht nahezu das gesamte Firmenkunden-Geschäft wegbrechen würde." Nach Einschätzung Dudenhöffers würde eine Pleite von Opel in den vier deutschen Opel- Werken - Rüsselsheim, Bochum, Kaiserslautern und Eisenach - und der Zulieferindustrie mehr als 100 000 Jobs kosten.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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