ThyssenKrupp Schiffbau in schwerer See

Die Werftensparte von ThyssenKrupp hat den Bau von vier Containerschiffen mit sofortiger Wirkung gestoppt, nachdem die Auftraggeber keine Finanzierungszusage ihrer Banken vorlegen konnten. Nun prüft ThyssenKrupp Marine Systems, ob in den Werften Kiel und Emden Arbeitsplätze abgebaut werden.

Hamburg - Bei den ThyssenKrupp-Werften in Kiel und Emden wird der Bau von vier Containerschiffen gestoppt. Die Auftraggeber von insgesamt sechs Containerschiffen der 3400-TEU-Klasse hätten keine Finanzierungszusagen der Banken bekommen, daher könne nicht von der vereinbarten Abnahme ausgegangen werden, teilte ThyssenKrupp Marine Systems am Mittwoch mit. Schiffe dieser Klasse sind üblicherweise weit über 200 Meter lang, über 30 Meter breit und haben einen Tiefgang von 12 Meter.

Vor diesem Hintergrund müssten die Arbeiten an jeweils zwei Containerschiffen bei HDW-Gaarden in Kiel und TKMS Blohm + Voss Nordseewerke in Emden sofort gestoppt werden. Die Auswirkung auf die Gesamt-Beschäftigungslage der Werften in Kiel und Emden werde derzeit geprüft. "Das wird ganz sicher Auswirkungen haben", sagte der HDW-Betriebsratsvorsitzende Ernst Kiel.

Wie diese aussehen werden, sei derzeit aber noch unklar. Eventuell müssten verstärkt Überstunden abgebaut werden, auch Kurzarbeit sei denkbar. In den vergangenen Wochen habe es vermehrt Anzeichen dafür gegeben, dass es bei Auftraggebern zu Schwierigkeiten mit der Finanzierung kommen könnte. Von den Nordseewerken in Emden war am Donnerstag keine offizielle Stellungnahme zu erhalten. Dort liegen jedoch noch zahlreiche andere Bestellungen von zivilen und militärischen Auftraggebern vor. In Kiel beschäftigt die Firma 470 Mitarbeiter, am Standort Emden 1400.

Die IG Metall in Kiel hatte bereits Mitte Februar vor möglichen Auftragsverlusten bei den ThyssenKrupp-Werften gewarnt. Auch dabei war es um vier von sechs bestellten Schiffen gegangen, es sollte sich dabei allerdings nicht um Containerschiffe sondern um Luxusjachten für russische Milliardäre handeln. ThyssenKrupp  hatte die Berichte damals zurückgewiesen. Zu diesem Zeitpunkt hätten auch noch keine Stornierungen vorgelegen, betonte eine Unternehmenssprecherin am Mittwoch.

ThyssenKrupp Marine Systems mit Sitz in Hamburg gehört innerhalb des Mutterkonzerns zu ThyssenKrupp Technologies und beschäftigt insgesamt rund 8000 Mitarbeiter. Der Containerschiffbau ist der kleinere Geschäftsbereich. Den größeren Teil macht der Marineschiffbau aus. 2007/08 verbuchte die Konzernsparte bei einem Umsatz von zwei Milliarden Euro einen Vorsteuergewinn von 741 Millionen Euro.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters