Conti-Reifenwerke "Die Maschinen werden abgebaut"

Der Autozulieferer Continental reagiert mit Werksschließungen und massiven Produktionskürzungen auf die Einbrüche im Reifengeschäft. Sowohl im Stammwerk Hannover als auch im französischen Werk Clairoix soll die Reifenproduktion eingestellt werden. Den betroffenen 1.900 Arbeitnehmern wird überwiegend gekündigt.

Hannover - Der Autozulieferer Continental  will sein letztes Reifenwerk am hannoverschen Stammsitz und ein Werk in Frankreich schließen. Die betroffenen 1.900 Arbeitnehmer würden überwiegend Kündigungen erhalten, sagte Conti-Reifen-Vorstand Hans-Joachim Nikolin am Mittwoch in Hannover. Den 780 Mitarbeitern in Hannover wolle man nach der betriebsbedingten Kündigung den Wechsel in eine Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft anbieten. Nikolin sprach von "sozialverträglichen betriebsbedingten Kündigungen".

Ein Wechsel in andere Unternehmensteile sei für betroffene Arbeitnehmer angesichts der Auftragslage derzeit nur schwer möglich. Die Vermittlungsquoten aus Conti-Beschäftigungsgesellschaften in andere Unternehmen hätten aber in der Vergangenheit bei 60 bis 70 Prozent gelegen. Nikolin kündigte baldige Gespräche mit dem Betriebrat "über Interessenausgleich, Sozialplan und Qualifizierungsgesellschaft an".

Das Lkw-Reifen-Werk in Hannover soll nach Angaben von Nikolin bis Jahresende die Fertigung einstellen. Das Pkw-Reifen Werk im französischen Clairoix soll in zwei Stufen frühestens im März 2010 die Produktion aufgeben. Auch die 1.120 Mitarbeiter in Clairoix sollen Kündigungen erhalten. Man werde Gespräche mit ihren Vertretern über ihre Zukunft aufnehmen.

Hannover und Clairoix seien zu klein, weshalb die Produktion dort im Vergleich zu den anderen Werken am teuersten sei, begründete ein Continental-Sprecher die Pläne. "Die Maschinen werden abgebaut", sagte der Sprecher weiter. Einen Zusammenhang mit einem möglichen Verkauf der Reifensparte wies er zurück. Konkurrenten wie Pirelli hatten vorsichtig Interesse angemeldet.

Continental begründete die Werksschließung mit der schwachen Nachfrage nach Reifen in Europa. Die Absatz von Lkw-Reifen sei um knapp 20 Prozent, der von Pkw-Reifen um mehr als 20 Prozent abgesackt. Weil die vorhandenen Kapazitäten mittelfristig nicht optimal ausgelastet werden könnten, schließe man die beiden Werke mit den höchsten Kosten. "Und das sind für Pkw-Reifen Clairoix und für Nutzfahrzeugreifen Hannover", sagte Nikolin.

In diesem Jahr zeichneten sich Überkapazitäten von rund 15 Millionen Pkw-Reifen und rund 1,7 Millionen Nutzfahrzeugreifen ab. Conti will auch die Produktion von Lkw-Reifen in Pucov in der Slowakei um 20 Prozent kürzen. Dort wolle man die Arbeitnehmer in eine slowakische Form der Kurzarbeit schicken. Auch dort schließe man Kündigungen mittelfristig nicht aus.

Am Stammsitz in Hannover hatte Continental bereits Ende 2007 die Herstellung von Pkw-Reifen eingestellt. Das Unternehmen beschäftigt dort noch rund 7.000 Beschäftigte. Das zur Schließung vorgesehene Werk für Lkw-Reifen ist die letzte Reifenfertigung in Hannover.

Bei Gewerkschaft und Politik stießen die Pläne für das Werk in Hannover-Stöcken auf heftige Kritik. Der Vorsitzende der Gewerkschaft IG BCE, Hubertus Schmoldt nannte die Schließungspläne "in jeder Hinsicht verfehlt". Er forderte, den Conti-Aufsichtsrat und den Wirtschaftsauschuss des Unternehmens unverzüglich einzuberufen. Amtierender Vorsitzender des Conti-Aufsichtsrates ist nach dem Rücktritt von Hubertus von Grünberg der IG-BCE-Tarifexperte Werner Bischoff. Solange es kein Zukunftskonzept für die Unternehmensgruppe aus Conti und der neuen Mutter Schaeffler gebe, sei die Schließung von Werken weder sinnvoll noch verantwortbar, kritisierte er.

manager-magazin.de mit Material von reuters und ap