Schaeffler Zukunftskonzept lässt auf sich warten

Ein Zukunftskonzept für den schwer angeschlagenen Conti-Großaktionär Schaeffler wird wohl noch einige Wochen auf sich warten lassen. Das erklärte die Familie in einem Brief an die Mitarbeiter. Arbeitnehmervertreter legten unterdessen einen eigenen Rettungsentwurf für.

Herzogenaurach - Die Familie Schaeffler will erst in einigen Wochen ihr Rettungskonzept für das angeschlagene mittelfränkische Familienunternehmen vorlegen. "Eine vernünftige, umfassende und langfristige Zukunftslösung braucht Zeit", heißt es in einem Brief an die Belegschaft, der am Mittwoch in Herzogenaurach bekannt wurde. Ein "Schnellschuss" würde zwar die öffentliche Ungeduld befriedigen, wäre aber "letztlich schädlich", argumentieren Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg.

" Vorrangiges Ziel" sei es, die Schaeffler Gruppe und den eben erst hinzu gekauften Automobilzulieferer Continental  vor einer Zerschlagung zu bewahren. Die Familie sei bereit, einen wesentlichen Beitrag zu einer Lösung beizutragen. Bedingung sei allerdings, dass sie weiterhin "wesentlicher Ankeraktionär" bleiben könne. Damit sollten die Einheit des Unternehmens bewahrt und die Arbeitplätze erhalten werden.

Derzeit werde ein Gutachten über die Lage der Unternehmensgruppe erstellt. Dies sei von großer Bedeutung für die Gespräche mit Banken und anschließend mit staatlichen Stellen. Was die erbetenen finanziellen Hilfen des Staates betrifft, betonte die Familie, dass "keine dauerhafte Unterstützung benötigt" werde und es nur um eine "zeitlich befristete Überbrückungshilfe" gehe.

Schaeffler benötigt nach früheren Angaben zusätzliches Eigenkapital in Höhe von fünf bis sechs Milliarden Euro. Die Herzogenauracher müssen monatlich allein Zinszahlungen in Höhe von etwa 70 Millionen Euro aufbringen. Inzwischen wird darüber spekuliert, ob die Banken, die Schaeffler das Geld für die Continental-Übernahme geliehen haben, dem Unternehmen wieder Luft verschaffen, indem sie ihm die Conti-Anteile abnehmen.

Schaeffler ist seit 8. Januar mit 49,9 Prozent Großaktionär des weltweit fünftgrößten Autozulieferers. Mit der Übernahme hatte sich das Unternehmen mitten in der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise verhoben.

Arbeitnehmer präsentieren Stiftungskonzept

Unterdessen präsentierten Arbeitnehmervertreter ein eigenes Konzept, das die Umwandlung der Gruppe in eine Kapitalgesellschaft vorsieht und auf einem langfristigen Engagement des Bundes basiert. Demnach soll die Familie künftig weniger als höchstens 24,9 Prozent an Schaeffler halten und die Banken maximal 50 Prozent, wie der Verantwortliche für die DGB-Region Main-Rhön-Schweinfurt, Frank Firsching, am Mittwoch manager-magazin.de sagte.

Den Rest der Anteile soll eine Stiftung halten, die von Finanzhilfen des Bundes und der Länder finanziert werden soll. Zur Höhe des Kapitalbedarfs konnten die Arbeitnehmervertreter nichts sagen. "Wir haben keinen Einblick in die Zahlen."

Im Schaeffler-Aufsichtsrat sollen nach dem Willen der Gewerkschaft die Arbeitnehmervertreter das Sagen haben und so die Mitarbeiter den Kurs des Unternehmens bestimmen können.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg betonte unterdessen, eine Insolvenz großer Konzerne wie Opel und Schaeffler sei keine Katastrophe. Eine Insolvenz könne auch ein Instrument zur Sanierung angeschlagener Unternehmen und zur Rettung von Arbeitsplätzen sein, sagte Guttenberg am Mittwoch bei der Eröffnung der Internationalen Handwerksmesse in München. "Wir wollen sie vermeiden, so weit es irgendwie geht", sagte er. "Aber wir müssen wegkommen von dem Gefühl, dass Insolvenz totale Panik auslösen muss und Teufelszeug ist." Der Bund stehe in den nächsten Wochen vor einer Gratwanderung.

Aber entscheidend könne "nicht die Lautstärke des Rufes sein", sagte der Wirtschaftsminister. Am Wochenende fahre er in die USA, um Antworten auf Fragen zu bekommen, "die wir uns eigentlich vom Unternehmen erwünscht hätten". Auch hier müsse der Staat Aufgaben des Unternehmens erledigen, kritisierte Guttenberg.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen