Opel Absage aus London

Für Opel schließen sich immer mehr Türen: Offenbar kann der Autobauer nicht auf Hilfe internationaler Finanzinvestoren hoffen. Allerdings erwägen jetzt wohl die Händler, dem Unternehmen unter die Arme zu greifen. Auch der Aufsichtsrat trifft sich erneut zu Beratungen.

Rüsselsheim - Der angeschlagene Autobauer Opel kann nach einem Pressebericht für seine Rettung nicht auf internationale Finanzinvestoren zählen. Große Private-Equity-Gesellschaften lehnten eine Beteiligung an einem europaweiten Opel-Konzern ab, berichtete "Die Welt" unter Berufung auf einen Finanzinvestor in London. "Es ist eine Scheinselbstständigkeit, die durch die Gründung einer Europa-Gesellschaft mit Opel erreicht würde. Gegenüber unseren Kunden können wir nicht rechtfertigen, dass wir in ein solches Risiko-Investment Geld reinstecken", zitierte die Zeitung den Finanzinvestor.

Zwischen dem britischen Finanzinvestor CVC und Opel gebe es keine Gespräche, sagte eine CVC-Sprecherin der Zeitung. Betriebsrat, Opel- Management und Politiker hatten in den vergangenen Tagen immer wieder Finanzinvestoren ins Spiel gebracht, die bei Opel einsteigen könnten.

Der Opel-Aufsichtsrat berät am Mittwoch erneut über die Zukunft des angeschlagenen Autobauers. Das Gremium trifft sich am späten Vormittag zu einer regulären Sitzung am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim. Das Traditionsunternehmen strebt mehr Unabhängigkeit von seiner kriselnden amerikanischen Konzern-Mutter General Motors (GM) an und hat dazu auch den deutschen Staat um Milliardenhilfe gebeten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) machte in der "Bild"- Zeitung (Mittwoch) klar, bevor der Staat helfe, müssten in den USA wichtige Entscheidungen zu GM fallen. Zugleich versicherte sie: "Wir werden Unternehmen wie Opel unterstützen, wenn unsere Hilfen diesen Betrieben eine gute Zukunft sichern können und nicht nur wirkungslos verpuffen, weil ein Unternehmen am Markt gescheitert ist."

Unterdessen hat die Vereinigung der Europäischen Opel-Händler Eureda offenbar ein eigenes Konzept zur Rettung des angeschlagenen Autobauers verabschiedet. Die Händler wollten bei jedem Pkw-Verkauf auf Einnahmen von 150 Euro verzichten, berichtete die "Rheinische Post" unter Berufung auf Händlerkreise.

Das Geld, in der Summe auf 225 Millionen Euro pro Jahr kalkuliert, solle mittels einer noch zu gründenden Händler-Holding über drei Jahre in die Beteiligung an Opel fließen. Die Opel GmbH soll in eine Aktiengesellschaft umfirmieren, der Mutterkonzern General Motors nur noch eine Minderheitsbeteiligung halten. Im Gegenzug sollten die Opel-Händler ab 2013 Rabatte auf alle Opel-Pkw und -Teile erhalten.

"Ich rechne mit einer Beteiligung von 85 bis 90 Prozent", sagte Eureda-Mitglied Peter Dahlmann, Opel-Händler aus Neuss, der Zeitung. Die Händler streben seinen Worten zufolge eine Beteiligung von 20 Prozent an Opel an. Neben GM könne der Rest von den Mitarbeitern "und einem noch zu findenden Investor" gehalten werden.

Das Konzept sei bereits einem GM-Vertreter vorgelegt worden, der Interesse signalisiert habe, heißt es in dem Bericht. Die amerikanische Opel-Mutter General Motors (GM) kann derzeit nur mit staatlichen Notkrediten überleben und ist schon in wenigen Wochen von der Insolvenz bedroht, wenn weitere Milliardenhilfen ausbleiben.

manager-magazin.de mit Material von reuters, dpa und ap