Krisenticker Obama fehlen 193 Milliarden Dollar

Das US-Haushaltsdefizit steigt im Februar auf einen neuen Rekordwert. Rumänien will 17 Milliarden Euro Finanzhilfe. Daimler schickt 18.000 Mitarbeiter der Lkw-Produktion in Kurzarbeit. Conti schließt wegen der schwachen Nachfrage zwei Reifenwerke. Verfolgen Sie den Krisenticker auf manager-magazin.de.

21.49 Uhr: Die Finanzkrise macht dem italienischen Luxusgüterkonzern Bulgari mächtig zu schaffen. Wie der Hersteller von Juwelen und Parfüm mitteilte, brach der Nettogewinn 2008 um 45 Prozent auf 82,9 Millionen Euro ein. Der Umsatz fiel 2008 um 1,5 Prozent auf 1,075 Milliarden Euro. Dieses Jahr werde angesichts der gespannten Wirtschaftslage sehr schwierig, sagte Unternehmenschef Francesco Trapani.

19.21 Uhr: Das US-Haushaltsdefizit hat sich im Februar in Folge der Immobilien- und Finanzkrise weiter deutlich erhöht. Im amerikanischen Etat klaffte laut US-Finanzministerium im vergangenen Monat ein Loch von 192,8 Milliarden Dollar (rund 151 Milliarden Euro), nach 175,6 Milliarden Dollar im entsprechenden Vorjahresmonat. Damit sei für den Monat Februar ein neuer Rekordwert erreicht worden.

In den ersten fünf Monaten des laufenden Steuerjahres habe sich damit bereits ein Rekorddefizit von 764,5 Milliarden Dollar angehäuft. Für das gesamte Jahr 2008 meldete das Finanzministerium ein Defizit von 455 Milliarden Dollar. Das Defizit wird sich in diesem Jahr nach früheren Aussagen von US-Präsident Barack Obama fast vervierfachen und auf 1,75 Billionen Dollar (1,37 Billionen Euro) ansteigen.

18.47 Uhr: Ein arabischer Finanzinvestor interessiert sich einem Zeitungsbericht zufolge für die BHF-Bank. Deren Eigner, die in Luxemburg ansässige Privatbank Sal. Oppenheim, spreche mit dem Investor über einen Verkauf, berichtete die Tageszeitung "Die Welt". "Die BHF würde einem arabischen Finanzinvestor Zugang zur drittgrößten Volkswirtschaft und möglichen Übernahmekandidaten in Deutschland eröffnen", zitierte die Zeitung eine mit den Gesprächen vertraute Person. Ein Sal.-Oppenheim-Sprecher sprach von "Marktgerüchten" und kommentierte den Bericht weiter nicht. Anfang der Woche hatte der Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter von Sal. Oppenheim, Matthias Graf von Krockow, erstmals einen Verkauf nicht mehr ausgeschlossen und informelle Gespräche bestätigt.

18.21 Uhr: Das krisengeschüttelte Rumänien kann mit europäischer Solidarität bei der Lösung seiner Finanzprobleme rechnen. Das versicherten die maßgeblichen EU-Institutionen in Brüssel. Für eine Nothilfe müsse Bukarest aber einen Beitrag leisten und ein Sparprogramm auflegen. Die EU-Kommission und der Internationale Währungsfonds (IWF) verhandeln derzeit mit Rumänien über eine Zahlungsbilanzhilfe. Laut Regierungsquellen in Bukarest strebt Rumänien ein Kreditpaket von 19 Milliarden Euro an. Sieben Milliarden Euro davon sollen von der EU und 12 Milliarden Euro vom IWF bereitgestellt werden, hieß es.

16.41 Uhr: Viele haben es geahnt, nun ist es offiziell: Frank Asbeck, Chef des Solarunternehmens Solarworld , hat kein Interesse mehr an einer Übernahme des angeschlagenen Autobauers Opel. "Das Angebot stand im Herbst. Jetzt haben sich die Bedingungen erheblich verändert. Ich stehe nicht mehr als Käufer bereit", zitierte die "Welt" den Solarworld-Chef.

Asbeck wollte Opel für einen Euro kaufen und dann mit Staatshilfen in einen grünen Autokonzern umbauen. Zudem wollte die deutlich kleinere und branchenfremde Bonner Firma von der Opel-Mutter General Motors eine "Mitgift" von einer Milliarden Euro. Opel beschäftigt in Deutschland rund 25.000 Mitarbeiter.

16.07 Uhr: Der angeschlagene US-Autobauer Ford  hat sich mit der mächtigen Gewerkschaft UAW auf Lohnkürzungen geeinigt. Die Vereinbarung sieht die Streichung von Prämien, eines bezahlten Feiertages sowie die Kürzung von Zuschlägen für Überstunden vor. Zudem sollen die Pensionszahlungen neu geordnet werden. Die Vereinbarung bringt dem Autobauer nach eigenen Angaben Einsparung von mindestens 500 Millionen Dollar pro Jahr. Die durchschnittlichen Lohnkosten pro Arbeitsstunde sollen dadurch auf 55 Dollar sinken. Ausländische Autobauer zahlen in ihren US-Werken Durchschnittslöhne von 48 bis 49 Dollar. Ford hatte im vergangenen Jahr einen Verlust von 14,7 Milliarden Dollar angehäuft.

15.42 Uhr: Dem deutschen Maschinenbau droht wegen der Konjunkturkrise bis 2010 ein massiver Produktionseinbruch und der Verlust von Tausenden Jobs. "Wir rechnen mit einem Verlust von bis zu 50.000 Arbeitsplätzen in Deutschland und einem Leistungsrückgang von 50 Prozent", zitierte Bild.de Armin Schmiedeberg vom Beratungsunternehmen Bain & Company.

Auftragsrückgang von über 40 Prozent

Als Grund führte Schmiedeberg den massiven Einbruch von Aufträgen und einen prognostizierten Umsatzrückgang von 15 Prozent bis 2010 an. Eine Erholung werde es frühestens in drei bis fünf Jahren geben. Besonders betroffen von der Krise seien die Bereiche Werkzeug-, Textil- und Druckmaschinenhersteller. Anlagenbauer und Hersteller von Energietechnik zehrten noch von den gut gefüllten Auftragsbüchern.

Vergangene Woche hatte die Branche erneut einen dramatischen Einbruch beim Auftragseingang berichtet. Im Januar gingen die Order um 42 Prozent zurück. Schon im Dezember hatte es ein Minus von 40 Prozent gegeben, im November ging es 30 Prozent nach unten und im Oktober 16 Prozent. Ende Dezember 2008 beschäftigte die Branche noch 976.000 Mitarbeiter.

15.35 Uhr: Die ThyssenKrupp Marine Systems AG hat den Bau von vier Containerschiffen gestoppt. Das Unternehmen teilte am Mittwoch mit, die Werft sei von ihrem Kunden informiert worden, dass die Banken insgesamt sechs geplante Schiffe nicht wie geplant finanzieren werden. Deshalb werde der Bau von vier Schiffen mit sofortiger Wirkung gestoppt.

14.55 Uhr: Der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) startet durch und überspringt kurzzeitig die Marke von 7000 Punkten. Auch der Dax (Kurswerte anzeigen) erholt sich wieder und peilt erneut die 4000er-Marke an.

14.37 Uhr: Der Dax (Kurswerte anzeigen) verringert nach der Eröffnung der US-Börsen seine Gewinne. Der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) notiert aber immerhin bei rund 6940 Punkten mit 0,2 Prozent im Plus.

13.58 Uhr: Die irische Fluggesellschaft Aer Lingus ist im vergangenen Jahr in die Verlustzone geraten und bleibt für 2009 skeptisch. Der Verlust nach Steuern betrug im abgelaufenen Jahr 107,8 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 105 Millionen Euro im Vorjahr, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Die Air-Lingus-Aktie rutschte daraufhin um 20 Prozent auf 0,64 Euro ab.

13.15 Uhr: Der Automobilzulieferer Dagro in Gera hat Insolvenz angemeldet. Als vorläufiger Insolvenzverwalter sei der Erfurter Rechtsanwalt Rolf Rombach bestellt worden, teilte ein Sprecher des Amtsgerichts Gera am Mittwoch mit. Zuvor hatte sich die Hoffnung der rund 420 Mitarbeiter in Gera und Korbußen (Kreis Greiz) auf Hilfen der Thüringer Aufbaubank zerschlagen.

13.06 Uhr: Rund 18.000 Beschäftigte in den Lkw-Werken von Daimler  sollen voraussichtlich ab Ostern kurzarbeiten. Die Arbeitszeit in der Produktion und in produktionsnahen Bereichen soll angesichts des Einbruchs der Nachfrage nach Lastwagen zunächst bis zum Ende den Sommerferien verkürzt werden, wie Daimler am Mittwoch mitteilte. Betroffen sind die Werke in Wörth, Gaggenau, Kassel und Mannheim. Der Bau von Sonderfahrzeugen wie Unimogs sowie von Bussen sei nicht von Kurzarbeit betroffen.

Fertighaushersteller Kampa vor der Pleite

13.04 Uhr: Der Autozulieferer Continental  will angesichts der anhaltend schwachen Lkw-Verkäufe zwei Reifen-Werke schließen. Die Lkw-Reifenfertigung im Hannoveraner Werk Stöcken solle zum Jahresende eingestellt werden, teilte der der Konzern am Mittwoch in Hannover mit. Betroffen seien rund 780 Beschäftigte. Darüber hinaus werde die Produktion im slowakischen Puchov um ein Fünftel gekürzt. Insgesamt rollen damit europaweit 27 Prozent weniger Nutzfahzeug-Reifen aus den Conti-Werken. Wegen der hohen Produktionskosten solle auch die Herstellung von Pkw-Reifen im französischen Clairoix schrittweise ab April 2010 eingestellt werden, erklärte der Konzern.

13.00 Uhr: Der Halbleiter-Konzern Infineon  weitet die Kurzarbeit auf alle deutschen Standorte aus. Ab dem 1. April werden auch die gut 4.000 Beschäftigten in München und mehreren kleineren Dependancen weniger arbeiten, teilte Infineon am Mittwoch am Firmensitz in der bayerischen Landeshauptstadt mit.

Mit den Arbeitnehmervertretern sei eine entsprechende Vereinbarung getroffen worden. Die Produktion soll vorerst für sechs Monate in Teilen oder sogar ganz ruhen. Bereits seit Jahresbeginn arbeiten die Beschäftigten in Dresden, Warstein und Regensburg kurz. Infolge der Wirtschaftskrise war die Nachfrage nach Chips dramatisch eingebrochen.

12.05 Uhr: Die Auftragseingänge in der deutschen Industrie sind im Januar erneut deutlich eingebrochen. Die Bestellungen reduzierten sich gegenüber dem Vormonat preis- und saisonbereinigt um 8 Prozent, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch in Berlin unter Berufung auf vorläufige Zahlen mitteilte. Bereits im Dezember waren die Aufträge um 7,6 Prozent zurückgegangen.

11.45 Uhr: Der Fertighaushersteller Kampa steht vor der Pleite. Die Kampa AG habe ihre Zahlungen eingestellt, teilte das Unternehmen aus Minden am Mittwoch mit. Ein Insolvenzantrag sei in Vorbereitung.

Kampa hatte seine Verluste für das Jahr 2008 Mitte Januar mit 23 bis 24 Millionen Euro angegeben. Die Zahl der Mitarbeiter liegt laut Kampa bei rund 800. Kampa war lange Deutschlands führender Hersteller von Fertighäusern. Hauptaktionär des einstigen Familienunternehmens ist der Finanzinvestor PFH Holding. Noch im Januar hatte der Investor eine Finanzspritze für Kampa avisiert.

Dax im Plus

11.10 Uhr: Der Dax (Kurswerte anzeigen) baut seine Gewinne deutlich aus und notiert zuletzt 2,1 Prozent fester bei 3965 Zählern. Nachdem die ersten Gewinnmitnahmen zum Handelsstart abgeklungen sind, legen Finanz- und Autotitel weiter zu. Händler sprechen von einer "Short Squeeze Rally": Anleger, die auf einen weiteren Kursverfall gewettet haben, müssen angesichts der Erholung ihre Positionen schließen, um Verluste zu begrenzen. Dies könnte den Dax rasch wieder auf ein Niveau von 4000 Punkten zurücktreiben.

10.15 Uhr: Eine Pleite des Rüsselsheimer Autoherstellers Opel würde einer Studie zufolge den deutschen Staat 6,5 Milliarden Euro kosten. Diesem Betrag stünden 3,3 Milliarden Euro gegenüber, die Opel als Krisenüberbrückung vom Staat verlangt hat.

Der Direktor des Centers Automotive Research (CAR), Ferdinand Dudenhöffer, warnte in der Studie zudem vor einem erheblichen Vertrauensverlust bei den Kunden als Folge einer Insolvenz. Die Käufe würden einbrechen, nicht nur die der Privatleute, sondern vor allem auch die der wichtigen gewerblichen Klientel. Opel berge ein "erhebliches Systemrisiko" für die deutsche Autoindustrie.

09.50 Uhr: Unter den osteuropäischen Staaten steht die Ukraine nach Einschätzung der Osteuropabank (EBRD) wirtschaftlich derzeit am schlechtesten da. Auf die Frage, wo die Finanzlage eines osteuropäischen Staates am bedrohlichsten ist, antwortete EBRD-Chef Thomas Mirow am Mittwoch im Deutschlandfunk: "Ganz eindeutig für die Ukraine." Allerdings äußerte er auch, dass er trotz der vielen Probleme in dieser Region derzeit keinen Staatsbankrott befürchte. Sein Institut sei dabei, im Bankenbereich in diesen Ländern vielfältig zu helfen. Auch in Rumänien ist die Situation kritisch: Nach Angaben der "Financial Times" müssen EU und Internationaler Währungsfonds Rumänien mit Milliardenhilfen vor dem Staatsbankrott bewahren.

09.30 Uhr: Der Dax ist nach seiner gestrigen Kursrally knapp behauptet in den Handel gestartet und hat anschließend seine Verluste ausgebaut. Der deutsche Leitindex notierte zuletzt 1,2 Prozent schwächer bei 3841 Zählern. Händler rechnen für heute mit Gewinnmitnahmen und schwankenden Märkten: Am Nachmittag werden in den USA die Öllagerbestände bekannt gegeben.

Preis der Krisenwährung Gold fällt

08.00 Uhr: Die Lufthansa (Kurswerte anzeigen) rechnet im laufenden Jahr mit einem Gewinnrückgang. Das operative Ergebnis werde geringer als 2008, aber deutlich positiv ausfallen, teilte die größte deutsche Fluggesellschaft mit. Sowohl im Fracht- als auch im Passagiergeschäft rechnet der Vorstand mit weniger Umsatz und Gewinn. 2009 werde für die Branche eines der schwierigsten Jahre ihrer Geschichte.

07.30 Uhr: Die Preise für Öl und Gold sind stark zurückgegangen. Die Ölpreise haben sich am Mittwoch nach ihrem Einbruch vom Vortag zunächst kaum verändert gezeigt. Ein Barrel der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im April kostete im frühen Handel 45,70 Dollar. Am Vortag hatten die Ölpreise kräftig um rund drei Dollar nachgegeben. Händler verwiesen auf die abermals gesenkte Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA) für die weltweite Ölnachfrage im laufenden Jahr.

07.00 Uhr: Um 5,3 Prozent war der Dax (Kurswerte anzeigen) gestern im Zuge einer kräftigen Erholung vor allem der Finanzwerte gestiegen. Händler erwarten, dass der Index am heutigen Mittwoch mit leichten Gewinnen startet und zur Eröffnung die Marke von 3900 Zählern testet.

Die Vorgaben sind gut: Der Dow Jones  hatte gestern seine Gewinne nach Xetra-Schluss leicht ausgebaut und schoss mit 5,8 Prozent im Plus auf einem Tageshoch bei 6926 Zählern, und auch in Asien legten die Börsen kräftig zu.

"Es ist jedoch fraglich, ob die Erholung von Dauer ist", sagte ein Händler in Frankfurt. Nach den kräftigen Gewinnen gestern seien Gewinnmitnahmen im Laufe des Tages wahrscheinlich, da die Konjunkturlage immer noch besorgniserregend sei: Daran könne auch ein Memo von Citigroup-Chef Pandit nichts ändern.

06.30 Uhr: Die Tokioter Aktienbörse ist den Vorgaben der Wall Street gefolgt und hat am Mittwoch kräftig zugelegt. Der 225 Werte umfassende Nikkei (Kurswerte anzeigen) stieg um 4,5 Prozent auf 7369 Zähler.

Hauptgrund für die bereits in Europa und den USA begonnene Kursrally war ein Brief von Citigroup (Kurswerte anzeigen) -Chef Vikram Pandit, demzufolge die einst weltgrößte Bank im Januar und Februar wieder schwarze Zahlen geschrieben hat. Auch interne "Stress-Tests" mit sehr pessimistischen Annahmen hätten ergeben, dass die teilverstaatlichte Citigroup über genügend Kapital verfüge, hieß es in dem internen Schreiben.

Analysten sind dennoch vorsichtig. Viele Banken hätten möglichst viele Belastungen in das vierte Quartal 2008 (das "Lehman-Quartal") gepackt. Im Vergleich dazu sehe das erste Quartal 2009 meist besser aus, doch von einem Ende der Bankenkrise könne noch nicht die Rede sein. Die Citigroup hat sich jüngst 10 Milliarden Dollar von der US-Regierung geliehen.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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