Insolvenzen Wirtschaftskrise dreht Trend

Erstmals seit Einführung des neuen Insolvenzrechts vor fast einem Jahrzehnt sind 2008 weniger Unternehmen und Privatleute zahlungsunfähig geworden als im jeweiligen Vorjahr. Doch seit dem Jahreswechsel hat die Wirtschaftskrise den Trend umgekehrt. Experten rechnen für 2009 mit so vielen Verbraucherinsolvenzen wie nie zuvor.

Wiesbaden - Deutschlands Amtsgerichte haben im vergangenen Jahr 155.202 Insolvenzen verzeichnet, darunter 98.140 von Verbrauchern und 29.291 von Unternehmen. Das hat das Statistische Bundesamt ermittelt. Damit machten erstmals seit zehn Jahren weniger Haushalte und Firmen Pleite als im jeweiligen Vorjahr. Das neue Insolvenzrecht wurde 1999 eingeführt.

Besonders gut haben sich in den Vorjahren die Unternehmen hierzulande geschlagen. Ihre Insolvenzzahl ging bereits das fünfte Jahr in Folge zurück. Bei den Verbraucherinsolvenzen zeigte sich erstmals seit neun Jahren ein Rückgang zum Vorjahr: Die Zahl verringerte sich um 7,1 Prozent. "Die positive Entwicklung ist vor allem auf die im Jahresverlauf abnehmende Arbeitslosigkeit zurückzuführen", hieß es zu den Zahlen aus dem Wiesbadener Amt. Jetzt aber scheint der positive Trend zu kippen.

Seit dem Jahreswechsel ist die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland gestiegen. Im Dezember meldeten mehr als 13 Prozent mehr Unternehmen Insolvenz an als im Vorjahr, wie die Bundesstatistiker am Freitag mitgeteilt haben. Derart stark ist die Monatszahl im gesamten Vorjahr nicht in die Höhe geschnellt.

Wegen der Rezession könnte sich der seit Jahren ungebrochene Trend zu weniger Firmenpleiten 2009 umkehren, da Insolvenz-Anmeldungen der Konjunktur mit Verzögerung folgen.

Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform sagt für dieses Jahr eine Zunahme der Insolvenzen um rund 18 Prozent voraus. Zu Jahresbeginn traf es bereits Traditionsfirmen wie den Wäscheproduzenten Schiesser und den Modelleisenbahnhersteller Märklin.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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