Siemens Atom-Union mit Russland verkündet

Siemens will gemeinsam mit dem russischen Staatskonzern Rosatom außerhalb Russlands und Deutschlands neue Atomreaktoren bauen. Bereits im Mai will man bei Siemens die notwendigen Verträge unterzeichnet wissen.

München - Siemens  plant mit dem russischen Staatskonzern Rosatom groß den Wiedereinstieg in die Atomenergietechnik. Beide Unternehmen kündigten am Dienstag in Berlin ein Gemeinschaftsunternehmen zum Bau von Kernkraftwerken an. Die Mehrheit von 50 Prozent und einer Aktie an dem geplanten Joint Venture soll gemäß einer Absichtserklärung in russischer Hand bleiben.

Siemens-Chef Löscher will die endgültigen Verträge bis spätestens Mai unter Dach und Fach haben. Gemeinsam wollen Rosatom und Siemens zum Weltmarktführer in dem Segment aufsteigen. Das noch namenlose Gemeinschaftsunternehmen soll in Ländern außerhalb Russlands und Deutschlands neue Reaktoren bauen, wie Rosatom-Chef Sergej Kirijenko betonte.

Daneben soll die Entwicklung von Druckwasserreaktoren vorangetrieben werden. Auch die Modernisierung von Kraftwerken und eventuell die Gewinnung von Nuklearbrennstoff sowie die Stilllegung von Altanlagen könnten zum Geschäft der gemeinsamen Tochter werden. Finanzielle Details nannten die beiden Unternehmen nicht.

Siemens-Chef Löscher zeigte sich beseelt von den Geschäftsperspektiven mit Atomkraftwerken. "Als unverzichtbarer Bestandteil in einem nachhaltigen Energiemix wird die Kernenergie eine wichtige Rolle bei kohlendioxidarmer Stromerzeugung spielen", erklärte er. "Wir beurteilen gemeinsam positiv die Perspektiven für das Kernenergiegeschäft." Weltweit werde bis 2030 der Neubau von rund 400 Kernkraftwerken mit einem Investitionsvolumen von über einer Billionen Euro vorhergesagt. Die Verhandlungen über die Kooperation verlaufen bislang ungewöhnlich schnell.

Erst vor vier Wochen hatte Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin Siemens Gespräche mit dem Staatskonzern über eine Partnerschaft angeboten. Löscher zufolge wird das Projekt auch von der Bundesregierung unterstützt. Siemens vollzieht mit dem Wiedereinstieg in die Nukleartechnik eine Trendwende. Ende der 1990er Jahre war der Konzern unter Heinrich von Pierer im Wesentlichen aus dem Reaktorbau ausgestiegen und hatte den entsprechenden Geschäftszweig mehrheitlich an den französischen Staatskonzern Areva abgegeben. Das restliche Drittel, das Siemens noch an der gemeinsamen Tochter Areva Nuclear Power (NP) hält, will Löscher zügig an die Franzosen abtreten.

manager-magazin.de mit Material von reuters