Opel Ringen geht weiter

Während Opel-Chef Hans Demant sein Haus noch in hundert Jahren als Autobauer wirken sieht, bleibt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück skeptisch. Er könne noch kein tragfähiges Rettungskonzept erkennen, sagte er am Morgen.

Rüsselsheim - Opel-Chef Hans Demant will den Autobauer Opel in eine Aktiengesellschaft umwandeln und so von der US-Mutter General Motors abgrenzen. Er sei davon überzeugt, dass "Opel weitere 100 Jahre bestehen und in Deutschland Autos bauen wird", sagte Demant am Dienstag der "Deutschen Welle". Das vorliegende Rettungskonzept sehe die Gründung einer Aktiengesellschaft vor.

Demant sagte der "Deutschen Welle", Opel habe 2006 und 2007 schwarze Zahlen geschrieben. Die aktuellen Probleme resultierten aus dem Einbruch beim Autoabsatz und den finanziellen Verflechtungen mit General Motors. Der Europachef von GM, Carl-Peter Forster, warb erneut für eine staatliche Hilfe. Es bestehe kein Anlass zu der Befürchtung, dass das Geld der deutschen Steuerzahler in den USA lande.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück äußerte sich skeptisch zu einer möglichen Staatshilfe für Opel. Er könne noch kein tragfähiges Rettungskonzept erkennen, sagte der SPD-Politiker in der ARD-Talksendung "Beckmann" am Montagabend. Ihm sei bisher nicht klar, wie der "Abnabelungsprozess" vom US-Mutterkonzern General Motors vonstatten gehen solle. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sagte in den ARD-Tagesthemen, für Opel werde es keine Sonderbehandlung geben.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Norbert Röttgen, wies die Einschätzung von SPD-Chef Franz Müntefering zurück, der Autobauer Opel sei systemrelevant und müsse schon allein deswegen gerettet werden. Opel sei ein "Einzelunternehmen der Realwirtschaft", das jetzt beweisen müsse, dass es an sich gesund und nur wegen der Kapitalmarktkrise in die Schieflage geraten sei, sagte Röttgen. Allein damit wäre eine Hilfe aus Steuergeldern zu rechtfertigen. Dagegen warnte die stellvertretende SPD-Vorsitzende Andrea Nahles vor einem Scheitern bei der Rettung von Opel. Der Autobauer sei ein industrieller Kern in Deutschland, der erhalten werden müsse, sagte Nahles im SWR. Sollte die Rettung scheitern, "stehen wir vor einer sehr schweren Krise".

Abwrackprämie läuft an Opel vorbei

Abwrackprämie läuft an Opel vorbei

Opel konnte im Februar deutlich weniger als die wichtigsten Mitbewerber von dem durch die Abwrackprämie ausgelösten Verkaufsboom profitieren. Während die Zahl der Neuzulassungen bundesweit um 21,5 Prozent zulegte, kletterte die Zahl der neu zugelassenen Opel-Fahrzeuge um lediglich 4,2 Prozent. Ford konnte 58,9 Prozent, VW konnte 23,3 Prozent hinzugewinnen.

Auf dem Genfer Automobilsalon stellte Opel am Dienstag das neue Elektrofahrzeug Ampera erstmals der Öffentlichkeit vor. Wie Forster erklärte, wird der Ampera allein mit seiner Lithium-Ionen-Batterie eine Reichweite von 60 Kilometern haben. Sei die Batterie entladen, werde sie von einem eingebauten Verbrennungsmotor wieder aufgeladen. Auf diese Weise erhalte der Ampera eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern. Die Markteinführung ist für 2011 geplant.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) kündigte an, den Opel-Zukunftsplan "sehr, sehr nüchtern" zu prüfen. Derzeit sei an eine Staatsbeteiligung noch nicht zu denken, sagte Guttenberg am Montagabend in den ARD-"Tagesthemen". Es gebe noch viele offene Fragen, die gelöst werden müssten, "bevor wir uns an eine Stufenleiter heranwagen, in der der Staat in welcher Form auch immer zur Hilfe kommen kann". Sollte es zu einem staatlichen Einstieg kommen, dürfe dies zudem nicht zu Wettbewerbsverzerrungen führen, machte der CSU-Politiker deutlich.

Ebenfalls noch nicht entschieden seien Staatseingriffe beim Autozulieferer Schaeffler: "Die Frage stellt sich erst am Ende der Treppe", sagte Steinbrück. Zunächst müssten anderen Möglichkeiten geprüft werden, beispielsweise das Herauslösen des Reifenherstellers Continental . Auch müsse gefragt werden, "was ist mit den Vermögensbeständen der Familie selber." Bislang liege kein Restrukturierungskonzept vor, "das belastbare Hilfen zulässt", fügte der Minister hinzu.

Bei den Banken geben sich die Politiker offener. Steinbrück bekräftigte, dass die Regierung einen Zusammenbruch des Hypothekenfinanzierers Hypo Real Estate  mit allen Mittel verhindern werde. "Das können wir uns nicht leisten." Er setzte darauf, dass auch die US-Regierung ein Aus eines systemisch wichtigen Unternehmens wie AIG verhindere. Ein Zusammenbruch des Versicherers wäre für Deutschland fatal, da AIG viele Leasing-Geschäfte deutscher Kommunen absichert. Er sei bereits von Kommunen angesprochen worden, ob die Staatsbank KfW hier gegebenenfalls helfen könne. Das wolle er nicht völlig ausschließen, sagte Steinbrück. Langfristig müsse man wegen der hohen Liquidität im Markt die Inflation im Auge behalten. "Das ist ein sehr wichtiges Thema", sagte Steinbrück. Im Hinblick auf Hilfen für in Finanzprobleme geratene Staaten gebe es durchaus eine europäische Solidarität. Dies setze aber voraus, dass der betreffende Staat erst alles tue, um die Situation mit eigenen Maßnahmen zu bewältigen.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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