Arbeitsmarkt Deutschland schlägt Amerika

Erstmals seit 16 Jahren ist die Erwerbslosenquote in Deutschland niedriger als in den USA. Sie lag im Januar bereinigt um saisonale Schwankungen bei 7,3 Prozent verglichen mit 7,6 Prozent in den Vereinigten Staaten. Zuletzt war die Lage in der Bundesrepublik Anfang 1993 besser als in den Vereinigten Staaten.

Nürnberg - Der hiesige Arbeitsmarkt bietet Arbeitslosen erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt wieder bessere Chancen als der in den USA - zumindest auf dem Papier: Die Erwerbslosenquote liegt in Deutschland erstmals seit 1993 niedriger als in der größten Volkswirtschaft der Welt. Das hat das Statistische Bundesamt heute mitgeteilt. Noch im Januar 2008 habe die Erwerbslosenquote in den USA mit 4,9 Prozent deutlich unter dem deutschen Wert von 7,7 Prozent rangiert.

Das Statistische Bundesamt ermittelt die Erwerbslosenquote nach dem Konzept der Internationalen Arbeitsorganisation. Sie ist deshalb - anders als die von der Bundesagentur für Arbeit berechnete Arbeitslosenquote - mit den Daten aus anderen Ländern vergleichbar.

Die Arbeitslosenquote selbst ist in Deutschland zuletzt allerdings deutlich gestiegen, und zwar bereits drei Monate in Folge. Die Zahl der offiziell registrierten Arbeitslosen stieg gegenüber Januar um rund 63.000 auf 3,552 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg mitteilte. Allerdings waren das immer noch 66.000 Menschen weniger als im Februar 2008. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich gegenüber dem Vormonat von 8,3 auf 8,5 Prozent.

Dass die Zahlen trotz all der Hiobsbotschaften der vergangenen Wochen und der anhaltenden Wirtschaftskrise nicht schlimmer ausgefallen sind, ist vor allem einem Instrument des Arbeitsmarkts zu verdanken: der Kurzarbeit. Sie hat die Entwicklung abgefedert. "Die schwierige Wirtschaftslage wirkt sich auch im Februar auf den Arbeitsmarkt aus", erläuterte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Die deutliche Zunahme der Kurzarbeit hielt den Anstieg in Grenzen.

Tatsächlich bessert die Kurzarbeit derzeit die Arbeitslosenstatistik auf: Wurde im Dezember 2008 noch für 270.800 Beschäftigte das Kurzarbeitergeld bezahlt, beantragten die Unternehmen im Februar nach Angaben von BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker bereits für 620.000 bis 670.000 Mitarbeiter das konjunkturelle Kurzarbeitergeld.

Der steile Anstieg innerhalb von nur drei Monaten zeigt nach Meinung der Agentur für Arbeit, wie die Wirtschaftskrise mit mehrmonatiger Verzögerung auch den Arbeitsmarkt erreicht.

manager-magazin.de mit Material von ap, ddp und reuters