Donnerstag, 22. August 2019

Krisenticker Mahnungen und Dollarregen

US-Finanzminister Timothy Geithner warnt vor den Kosten der Stabilisierung der Märkte. Sein Präsident Barack Obama und der britische Premierminister Gordon Brown reden derweil einer stärkeren Regulierung der Finanzmärkte das Wort. Ob das die Menschen beruhigt? Verfolgen Sie den Krisenticker auf manager-magazin.de.

22.35 Uhr: Der US-Aktienmarkt hat am Dienstag nach den massiven Vortagsverlusten uneinheitlich geschlossen. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen ging nach einer Berg- und Talfahrt 0,55 Prozent schwächer bei 6726,02 Punkten aus dem Handel. Der marktbreite S&P 500 verlor 0,64 Prozent auf 696,33 Zähler. Besser behaupteten sich die Technologiewerte, denen der Markt offenbar eine größere Widerstandskraft gegen die Rezession zutraut. Der Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen verlor nur moderate 0,14 Prozent.

Geldregen: Ob er hilft?
21.45 Uhr: Die US-Regierung und die US-Notenbank werden noch im März 200 Milliarden Dollar (159 Milliarden Euro) für die US-Finanzwirtschaft zur Verfügung stellen. Das am Dienstag in Washington vorgestellte Finanzpaket stammt zum Teil aus dem Finanz-Rettungspaket der Regierung und zum Teil von der Notenbank. Es soll den Banken frisches Geld geben, um Kredite für kleine Betriebe und für den Autokauf sowie für Kreditkartenschulden und Studentenkredite zu ermöglichen, hieß es in der Mitteilung des US-Finanzministeriums und der Fed. Das Programme habe die Kraft, Kredite im Volumen von einer Billion Dollar freizusetzen. US-Finanzminister Timothy Geithner betonte am Dienstag erneut, dass die US-Finanzwirtschaft vermutlich mehr als die bereits vom Kongress bewilligten 700 Milliarden Dollar an Hilfe brauchen werde. "Die Stabilisierung der Märkte könnte deutlich mehr kosten", sagte er vor dem Etatausschuss des US-Repräsentantenhauses.

21.10 Uhr: US-Präsident Barack Obama und der britische Premierminister Gordon Brown haben sich für eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte ausgesprochen. "Wir glauben an freie Märkte, ... damit Unternehmen und Geschäften gedeihen, aber ... es braucht auch ein ausreichendes Regulierungssystem, damit die Märkte nicht außer Kontrolle geraten", betonte Obama nach einem Treffen mit Brown am Dienstag in Washington.

Vollbremsung: Die Amerikaner kauften im Februar deutlich weniger Autos als sonst
20.15 Uhr: Der angeschlagene US-Autobauer General Motors Börsen-Chart zeigen hat im Februar auf seinem Heimatmarkt nicht einmal halb so viele Fahrzeuge verkauft wie ein Jahr zuvor. Wie der größte Autohersteller des Landes am Dienstag mitteilte, sank der Absatz in dem Zeitraum um 52,9 Prozent. Der Verkauf neuer Lkw brach sogar um 55 Prozent ein, der Absatz bei Pkw reduzierte sich um 50 Prozent. Der Konzern will auf die neuen Zahlen mit weiteren Produktionskürzungen reagieren und kündigte an, im zweiten Quartal rund 34 Prozent weniger Fahrzeuge vom Band laufen zu lassen. Das gleiche Schicksal ereilte BMW Börsen-Chart zeigen. Die Bayern haben im Februar auf dem US-Markt einen Absatzeinbruch um knapp 35 Prozent verzeichnet. Rechnet man die unterschiedliche Anzahl von Verkaufstagen hinaus, belief sich der Rückgang noch auf knapp 32 Prozent. Auch der Sportwagenbauer Porsche Börsen-Chart zeigen hat im Februar in Nordamerika 12 Prozent weniger Fahrzeuge verkauft als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

19.20 Uhr: Angesichts der anhaltenden Sorgen über das Finanzsystem haben die US-Aktienmärkte nach anfänglichen Gewinnen am Dienstag ihre Talfahrt fortgesetzt. Nach dem Zwölf-Jahrestief vom Wochenanfang sorgten Äußerungen von Notenbankchef Ben Bernanke für schlechte Stimmung, der die wirtschaftlichen Aussichten weiter als unsicher beschrieb und mehr Anstrengungen forderte, um finanzielle Stabilität zu erreichen. Dazu kamen die Absatzahlen von Ford Börsen-Chart zeigen. Der zweitgrößte US-Autobauer hat im Februar erneut einen massiven Einbruch auf seinem Heimatmarkt erlitten. Die Zahl verkaufter Fahrzeuge in den USA brach angesichts der weiter sinkenden Nachfrage um 48,4 Prozent auf 99.400 Fahrzeuge ein, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Das reichte, um den Dow Jones Börsen-Chart zeigen tiefer unter die Marke von 7000 Punkten schlittern zu lassen, unter die er am Montag erstmals seit Oktober 1997 gefallen war.

19.00 Uhr: Die Euro-Zone wird Mitglieder in finanzieller Notlage laut EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Joaquin Almunia auf keinen Fall im Stich lassen. Es gebe Lösungen, bevor sich ein Land dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zuwenden müsse, sagte Almunia am Dienstag in Brüssel. "Wir sind politisch und wirtschaftlich darauf eingerichtet, uns diesem Krisenszenario zu stellen." Über Details wolle er in der Öffentlichkeit aber nicht diskutieren. Auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück betonte in der ARD, auf Hilfe angewiesene Staaten könnten mit europäischer Solidarität rechnen. Zuvor müssten sie indes alles tun, um die Lage selber zu bewältigen.

18.30 Uhr: Die Staatsbank KfW hat erneut Milliardengelder von Investoren über den Kapitalmarkt eingesammelt. Das Institut brachte eine neue fünfjährige Anleihe heraus und holte sich damit vier Milliarden Dollar, hieß es am Dienstag in Kreisen der Banken, die die Transaktion begleiten. Insgesamt seien Orders von fünf Milliarden Dollar eingegangen, was nach Einschätzung von Experten für eine Anleihe mit dieser Laufzeit relativ hoch ist.

17.00 Uhr: Im Interesse einer gemeinsamen Krisenbekämpfung hat die Bundesregierung im jahrelangen Streit mit Frankreich um die Senkung der Mehrwertsteuer für bestimmte Branchen nachgegeben. Er sei bereit, beim EU-Finanzministerrat in einer Woche einen Kompromiss durchzusetzen, der Senkungen für "arbeitsintensive Dienstleistungen" und Gaststätten möglich mache, sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück am Dienstag in Paris nach einem Treffen mit Wirtschaftsministerin Christine Lagarde. Stark ermäßigte Steuersätze sind nur mit Zustimmung der EU möglich. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy will sie für Gaststätten und bestimmte Handwerke durchsetzen. Steinbrück erklärte, der Kompromiss sei für Deutschland "ein weiter Schritt". Denn nun sei innenpolitischer Druck zu erwarten, gleichfalls Steuern für bestimmte Branchen zu senken. "Aber das schwierige Thema muss von der Tagesordnung." Lagarde würdigte die "Exzellenz der deutsch- französischen Beziehungen".

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