Commerzbank Steinbrück will Banker schicken

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat angekündigt, keine Politiker in den Aufsichtsrat der Commerzbank entsenden zu wollen. Stattdessen sollen erfahrene Finanzexperten für den Aufsichtsjob gefunden werden - wenn auch nur für den Übergang: Der Bund will sich so schnell wie möglich von seiner Commerzbank-Beteiligung trennen.

Berlin - Der Staat will sich so schnell wie möglich wieder von seinem Anteil an der Commerzbank  trennen. "Der Bund hat für eine gewisse Zeit eine Beteiligung von 25 Prozent, er wird garantiert nicht ins operative Geschäft eingreifen", sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Montagabend in der ARD-Sendung "Beckmann".

"Wenn es nach mir geht, veräußern wir diese 25 Prozent so schnell wie möglich, möglichst zu einem besseren Preis als zu unserem Einstand."

Steinbrück fügte hinzu, er wolle in den Aufsichtsrat der Commerzbank Banker einbringen. "Wir schicken da keine Staatsaufseher oder Staatssekretäre oder Bürokraten hin, sondern wir werden uns in Abstimmung mit der Bundesregierung anschauen, ob wir einen mit hoher Reputation ausgestatteten Vertreter des Bankensektors bekommen." Dem Bund stehen zwei Mandate im Kontrollgremium zu, nachdem er die zweitgrößte deutsche Bank zwei Mal mit insgesamt 18 Milliarden Euro Eigenkapital stützen musste und dadurch zu ihrem größten Aktionär aufsteigt.

Commerzbank-Chef Martin Blessing schloss nicht aus, dass sein Haus ein drittes Mal zum Staat muss. "Im Moment gehen wir davon aus, dass es reicht. Auf die Ewigkeit kann ich es aber nicht versprechen", sagte er bei "Beckmann". Es hänge davon ab, wie sich die Finanzmärkten entwickelten. Die Commerzbank hat die Staatshilfe unter anderem bekommen, um die Übernahme der Dresdner Bank zu stemmen, die viel stärker als die Commerzbank mit den Folgen der Finanzkrise zu kämpfen hat. 2008 fuhr die Dresdner wegen massiver Abschreibungen im Investmentbanking einen Verlust von über sechs Milliarden Euro ein.

Einzelne Investmentbanker der Dresdner-Tochter Dresdner Kleinwort sollen trotz des Milliardenminus Boni von insgesamt bis zu 130 Millionen Euro bekommen, wie Blessing sagte. Das liege daran, dass die Zahlungen zwischen der Dresdner Bank und ihrem ehemaligen Mutterkonzern Allianz vertraglich vereinbart worden seien. Ich kann ja nachträglich nicht irgendwelche Verträge brechen", verteidigte Blessing das Vorgehen.

Ursprünglich war der Bonus-Topf auf 400 Millionen Euro datiert gewesen, den größten Teil daraus hat Blessing aber angesichts der Verluste bereits gestrichen.

manager-magazin.de mit Material von reuters