Arbeitsmarkt Experten befürchten Massenentlassungen

Ökonomen rechnen in diesem Jahr mit deutlich mehr Arbeitslosen als bislang vorausgesagt. So manche Firma, die jetzt auf Kurzarbeit setze, könne sich das bald nicht mehr leisten. Ab Sommer könnte es regelrecht zu Massenentlassungen kommen.

Hamburg - Führende Wirtschaftsexperten rechnen wegen der Wirtschaftskrise ab Sommer mit Massenentlassungen und einem drastischen Anstieg der Erwerbslosenzahlen.

Der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, Kai Carstensen, sagte "Bild.de": "Jetzt setzen viele Firmen noch auf Kurzarbeit. Wir rechnen aber ab Sommer mit einem sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit." Derzeit wolle jedes vierte Unternehmen Stellen abbauen. Carstensen erklärte, auch die Kurzarbeit werde für viele Firmen dauerhaft zu teuer.

Für das Gesamtjahr 2009 rechnet der Wirtschaftsexperte mit deutlich mehr Arbeitslosen als bisher. "Die Zahl der Arbeitslosen könnte im Jahresverlauf um bis zu 700.000 steigen", sagte Carstensen. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) rechnet einem Pressebericht zufolge mit etwa einer halben Million mehr Menschen ohne Job. Ende 2008 hatte das Ifo-Institut noch ein Plus von 500.000 vorausgesagt.

IW plädiert für neues Recht befristeter Arbeitsverträge

Auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) befürchtet eine spürbare Zunahme der Erwerbslosigkeit, weil die Firmen beispielsweise befristete Verträge nicht weiter verlängern würden. IW-Direktor Michael Hüther forderte, die Regelungen für befristete Verträge zu ändern und damit befristete Arbeitsverträge über die derzeit geltende Dauer von zwei Jahren hinaus zu ermöglichen. "Ein liberaleres Befristungsrecht würde uns helfen. Aber ich sehe keine Bereitschaft des Gesetzgebers, das wirklich zu tun", sagt Hüther.

Anders als in den beiden Vorjahren ist die Arbeitslosigkeit nach Ansicht von Experten schon von Januar auf Februar gestiegen. Betroffen seien vor allem Leiharbeiter und Beschäftigte mit Zeitverträgen. Die Zahl der Erwerbslosen könnte die Marke von 3,5 Millionen deutlich übersteigen. Gründe sind der relativ strenge Winter und Auftragseinbrüche in den Unternehmen.

Metall- und Elektroindustrie erwartet starken Jobabbau

Unerfreuliche Signale sind auch aus der Metall- und Elektroindustrie zu vernehmen. Jedes zweite Unternehmen der Branche rechnet damit, in diesem Jahr Arbeitsplätze streichen zu müssen. Das sagte Martin Kannegiesser, Präsident des Branchenverbandes Gesamtmetall, der "Welt am Sonntag" laut einem Vorabbericht. Nach zweieinhalb Jahren Beschäftigungsaufbau habe die Branche im November und Dezember erstmals wieder Jobs verloren, insgesamt 13.000, fügte Kannegiesser hinzu. Dies werde sich "leider fortsetzen, trotz aller Bemühungen, Beschäftigung zu sichern".

Bundesagentur rechnet mit deutlich mehr Kurzarbeitern

Wegen der Konjunkturkrise wollen indes immer mehr Industriekonzerne Kurzarbeit einführen oder bestehende Programme ausweiten, ergab eine Umfrage der Wirtschaftszeitung "Euro am Sonntag" unter den 30 Dax- Konzernen. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) rechne auch für Februar und März mit einer Flut von Erstanträgen auf Kurzarbeit. "Der Trend aus dem Januar dürfte sich im Februar und März fortsetzen", sagte eine BA-Sprecherin der Zeitung. Insgesamt gehe man für das erste Quartal von rund 700 000 bis 800.000 Erstanträgen auf Kurzarbeit aus.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen