Freitag, 19. Juli 2019

Hypo Real Estate Flowers will rund drei Euro pro Aktie

Großaktionär J. C. Flowers fordert laut einem Zeitungsbericht im Fall eines Ausstiegs eine Entschädigung von knapp drei Euro für jede HRE-Aktie. Außerdem weist die HRE einen Bericht über einen höheren Refinanzierungsbedarf zurück.

Frankfurt am Main - Das Tauziehen zwischen Bundesregierung und HRE-Großaktionär Christopher Flowers geht weiter. Flowers will laut Finanzkreisen an seinem Anteil festhalten. Zudem werde eine Lösung für die Bank favorisiert, bei der der Regierungsanteil an der HRE auf 75 Prozent plus eine Aktie begrenzt bleibt. "Die Investoren haben viel Geld verloren und kein Interesse daran, mit einem Bruchteil des angelegten Geldes nach Hause zu gehen", sagte eine informierte Person am Freitag der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires.

Milliardengrab: Die Münchener Hypo Real Estate bringt den gesamten Sektor erneut ins Wanken
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Am Mittwoch hatte die Bundesregierung das umstrittene "Rettungsübernahmegesetz" auf den Weg gebracht, mit dem erstmals in der bundesdeutschen Geschichte Banken notfalls auch verstaatlicht und deren Eigentümer enteignet werden können.

Zunächst will sich der Bund über Kapitalmaßnahmen die Mehrheit an der HRE sichern. Allerdings steht dem noch der US-Finanzinvestor J.C. Flowers im Weg, der knapp 25 Prozent an der Bank hält.

Flowers verlangt von der Bundesregierung im Falle des Ausstiegs eine Entschädigung, die sich an dem Aktienkurs orientieren soll, der in den zwei Wochen vor dem Aufkommen der Verstaatlichungsgerüchte am 8. Januar gegolten habe. "Hier sprechen wir über knapp drei Euro pro Aktie", sagte Christopher Flowers der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er hatte bei seinem Einstieg 22,50 Euro für die HRE-Aktie bezahlt. Die HRE hat bereits 102 Milliarden Euro an Garantien und Kapital erhalten.

HRE weist Bericht über Refinanzierungsbedarf zurück

Der angeschlagene Immobilienfinanzierer hat außerdem einen Bericht zu ihren Derivatepositionen und einem daraus resultierenden Refinanzierungsbedarf zurückgewiesen. Die Aussagen der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" würden die Derivatepositionen des Unternehmens falsch interpretieren, teilte das Institut am Freitag in München mit.

Aktuell betrage das Nominalvolumen an Derivaten rund eine Billion Euro. "Entsprechend der Bilanzierungsvorschriften wird der Marktwert der Derivate in der Bilanz erfasst und nicht das dahinterliegende Nominalvolumen", hieß es in der Mitteilung.

Derivatepositionen würden nach den gängigen Marktregeln zumeist mit zusätzlichen Sicherheiten unterlegt, Liquiditätsbelastungen resultieren also nur aus Martkwertveränderungen. "Derivate bedürfen nicht einer Refinanzierung des Nominalwertes."

Wie andere Banken auch sichere die HRE mit Derivategeschäften Kredit- und Marktrisiken ab, die etwa aus Veränderungen bei Zinssätzen und Währungskursen resultieren. Solchen Absicherungsgeschäften stünden Grundgeschäfte gegenüber. "Die Absicherung zielt auf die Vermeidung von Risiken ab, nicht auf das Eingehen zusätzlicher Risiken", betont das Institut.

Die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" hatte in ihrer Freitagausgabe berichtet, die Bank habe Geschäfte in Milliardenhöhe getätigt, die nicht in der Bilanz auftauchen und zum Teil hochspekulativ gewesen seien. Zusammen mit der offiziellen Bilanzsumme von etwa 400 Milliarden Euro ergebe sich eine Summe von knapp einer Billion Euro, die die Bank laufend mit neuen Krediten refinanzieren müsse.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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