Samstag, 20. Juli 2019

HRE-Investor Flowers "Ich bin enttäuscht"

Dem US-Investor und HRE-Großaktionär Christopher Flowers droht die Enteignung. Den entsprechenden Gesetzentwurf hat das Kabinett gestern auf den Weg gebracht. Gegenüber manager-magazin.de deutet Flowers nun an, dass er diese radikale Maßnahme nicht kampflos hinnehmen wird.

Hamburg - Der amerikanische Milliardär und Großaktionär des schwer angeschlagenen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate Börsen-Chart zeigen (HRE), J. Christopher Flowers, will die mögliche Enteignung seines Aktienpakets offenbar nicht kampflos hinnehmen. Er droht indirekt damit, dass "eine möglicherweise angestrebte Enteignung der HRE-Aktionäre zu weiteren Verzögerungen führt."

Verhandlungspoker: Bundesfinanzminister Steinbrück wirft HRE-Investor Flowers (im Bild) überzogene Preisvorstellungen vor
Gegenüber manager-magazin.de teilte Flowers schriftlich mit (zu einem direkten Wortlaut-Interview war er nicht bereit), dass er und seine Gruppe von Investoren zwar grundsätzlich bereit seien, "die Bemühungen der Bundesregierung um eine Lösung, die die Handlungsfähigkeit der HRE nachhaltig sichert, zu unterstützen." Doch offenbar ist der Gesprächsfaden zwischen dem Finanzministerium und Flowers vorerst gerissen.

Nach Flowers Angaben wurden seine Investorengruppe und er am 6. Februar dieses Jahres von der Bundesregierung erstmals kontaktiert. Er habe dann am 12. und 13. Februar "konstruktive Vorschläge für eine schnelle pragmatische Lösung" unterbreitet, die dem "deutschen Staat eine Beteiligung von 75,1 Prozent ermöglichen würde und die berechtigten Interessen der Allgemeinheit, der Bank sowie ihrer Mitarbeiter und der Aktionäre berücksichtigt."

Auf diese Lösungsvorschläge, die Flowers nicht näher präzisiert, habe die Bundesregierung nach seinen Angaben nicht reagiert und dann im Kabinett am gestrigen Mittwoch das sogenannte "Finanzmarktstabilisierungsgesetz" (vulgo: Enteignungsgesetz) beschlossen. Am Nachmittag dann sei ihm von der Bundesregierung mitgeteilt worden, dass keine seiner unterbreiteten Vorschläge "auf Akzeptanz" gestoßen seien.

Finanzminister Per Steinbrück deutete heute in einem Interview an, dass die Preisvorstellungen von Herrn Flowers "weit über das hinausgehen", was in einem Enteignungsverfahren zu zahlen wäre. Im Falle einer Enteignung der Altaktionäre der Hypo Real Estate AG würde die Entschädigung unter Zugrundelegung des durchschnittlichen Börsenkurses der vergangenen 14 Tage auf eine Summe von "rund 270 Millionen Euro" hinauslaufen, bekräftigte Steinbrück. Herr Flowers hingegen habe ganz andere Preisvorstellungen.

Der von Flowers geführte Private-Equity-Fonds J.C. Flowers ist im August vergangenen Jahres zu einem Preis von 22,50 Euro je Aktie eingestiegen. Zusammen mit einem weiteren befreundeten US-Fonds (Grove International Partners LLP) erwarb Flowers damals 24,9 Prozent des Kapitals der HRE. Momentan notiert die HRE-Aktie deutlich unter zwei Euro.

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