Wirtschaftsanwälte Boulevard of Broken Deals

Wenig Transaktionen, hohe Fixkosten: Wie ihre Auftraggeber durchlebt auch die Zunft der Wirtschaftsanwälte düstere Zeiten. Von Allen & Overy bis Linklaters - die Kanzleien müssen sparen und sieben bereits kräftig aus.

Hamburg - Wenn für Freshfields Bruckhaus Deringer am 30. April das Geschäftsjahr endet, kann Seniorpartner Konstantin Mettenheimer (54) buchstäblich mit einem Pfund wuchern: Die Kanzlei macht einen Großteil des Umsatzes in Euroländern (in Deutschland 2007/08 etwa gut 400 Millionen Euro), bilanziert weltweit aber in Pfund. Dessen drastischer Wertverfall hübscht so nebenbei auch die Freshfields-Bilanz auf.

Ein kosmetischer Lichtblick, doch die Branche der Wirtschaftsanwälte steckt in düsteren Zeiten. Insider prognostizieren Umsatz- und Gewinneinbußen von rund 20 Prozent. Der Immobilienbereich: wie schockgefroren. Private-Equity-Beratung: um fast zwei Drittel eingebrochen. Deals werden im Dutzend abgesagt oder verschoben: Für die eigentlich geplante Veräußerung des Zulieferers Honsel etwa fand sich kein Käufer.

Auch der Verkauf des Eon-Hochspannungsnetzes (Wert: 1,5 Milliarden Euro) sowie der Stadtwerkeholding Thüga  (Wert: rund drei Milliarden Euro) ist ins Stocken geraten. Interessenten gibt es schon, darunter die Allianz  und diverse Finanzinvestoren, doch die Erlösaussichten sind eher verhalten, weshalb der Energiekonzern die Sache erst mal verschoben hat. Schlechte Nachrichten für Freshfields und Hengeler Müller, die Eon  bei den Transaktionen zur Seite stehen.

Schlimmer noch als das M&A-Geschäft trifft es die Finanzberatung - und die dort besonders aktiven Kanzleien wie Linklaters, Clifford Chance und Allen & Overy. Linklaters, zu deren Mandanten die IKB  zählt, will sich laut dem Fachblatt "The Lawyer" weltweit von 10 Prozent der Partner und Associates trennen; in Deutschland werden wohl vier bis fünf Partner die Kanzlei verlassen. Bei Clifford, deren deutscher Ableger auch die Pleitebank Lehman beriet, stimmen die Partner im März über eine interne Evaluierung ab, mit der ertragsschwache Partner identifiziert und aussortiert werden sollen. Mit zahlreichen deutschen Associates werden derzeit Aufhebungsgespräche geführt.

Und auch bei Allen & Overy, wo man wochenlang Dementi an Dementi reihte, läuten jetzt die Sparglocken. Um fast zehn Prozent will die Kanzlei ihren Headcount laut einem internen Papier reduzieren; von den 500 Partnern weltweit werden 47 die Kanzlei verlassen müssen, ebenso rund 200 Associates. Zudem werden die Gehälter auf dem Niveau von 2008 eingefroren, berichtet der Branchendienst legalweek.com.

Jetzt zeigt sich die Kehrseite einer hohen "Leverage", also des Verhältnisses von Partnern und Associates. In guten Zeiten bringen die Junganwälte ordentlich Stunden auf die Abrechnung - doch in schlechten verursachen sie schmerzhafte Fixkosten: hoch bezahlt und unterbeschäftigt. Mit allerlei Tricks versuchen die Law Firms gegenzusteuern. Rabatte werden gewährt, und Anwälte aus auftragsschwachen Feldern sollen dort aushelfen, wo es aktuell brummt: Insolvenz- und Arbeitsrecht, Restrukturierungen.

Einige Kanzleien, darunter Freshfields, frieren die Associate-Bezüge ein, die sonst mit jedem Berufsjahr kräftig steigen. Flächendeckend werden weniger Jungadvokaten als geplant eingestellt (bei Linklaters etwa nur 60 anstatt der geplanten 80) - und im branchenüblichen "up or out" wird strenger gesiebt.

Manchem Topleister kommt die härtere Gangart sogar gelegen. "Einige Partner fuhren während des Booms im Windschatten der Großen", sagt ein akquisestarker Rainmaker. Jetzt liefere die Krise den "sozialen Segen", das zu ändern.

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