General Motors Niemand will Saab

Seit Mitternacht steht fest: Der amerikanische Mutterkonzern General Motors will Saab so schnell wie möglich loswerden. GM-Chef Rick Wagoner hat klar gemacht, dass er finanziellen Einsatz vom schwedischen Staat erwartet. Doch anders als deutsche Politiker sagt die konservative Regierung des Landes: Nein.
Von Susanne Schulz

Stockholm - "Wir spielen nicht Monopoly mit den Geldern der Steuerzahler", lautet Maud Olofssons Mantra in den letzten Tagen. Die schwedische Wirtschaftsministerin bleibt hart in ihrem Kurs und "schlägt die Tür zu einem Kauf von Saab zu", wie sie am Mittwoch in einer Pressekonferenz sagte. Saab sei ein Verlustunternehmen, in das keine Steuergelder fließen sollen. Man wolle sich vielmehr mit den Kommunen und Gewerkschaften zusammensetzen und sehen, wie den baldigen Arbeitslosen geholfen werden kann.

Harte Worte für die rund 4000 Saab-Mitarbeiter in Trollhättan sowie ungefähr 10.000 Angestellte der abhängigen Zulieferunternehmen. Die Opposition steht Kopf und verlangt eine sofortige Finanzspritze von fünf Milliarden schwedischen Kronen (455 Millionen Euro). Die Summe entspricht auch dem, was GM-Chef Rick Wagoner sich vorgestellt hatte. Der GM-Plan sieht im Falle einer finanziellen Unterstützung die Verselbständigung des Saab-Konzerns bis Januar 2010 vor. Andernfalls drohe die "Rekonstruktion" bereits im Februar.

Was genau mit "Rekonstruktion" gemeint ist, wird nicht ganz klar. Maud Olofsson sieht darin eine "realistische Alternative", das vorhandene Know-How Saabs beizubehalten und in einem "anderen Industriezweig innerhalb des Automobilsektors" weiterzunutzen. Oder in einem ganz anderen Gebiet, wie beispielsweise der Windkraft.

Für ein selbständiges Weiterbestehen Saabs sieht die Regierung keine Möglichkeit mehr. Olofssons Staatssekretär Jöran Hägglund: "Wir sind keine Pessimisten. Wir wissen, dass es gutes Know-How in Schweden gibt, aber man muss auch realistisch sein und einsehen, dass es nicht reicht."

Fragt man allerdings Saab-Chef Jan Åke Jonsson, so hat Rick Wagoner vorgeschlagen, dass Saab "unabhängiger" werden soll - im Moment sei man ja sehr stark in den GM-Konzern eingebunden. Er glaubt an ein Fortbestehen des Unternehmens Saab und setzt dabei auch auf die Unterstützung des schwedischen Staates.

Asien könnte Appetit auf die Premiummarke haben

Die Regierung hatte im Dezember noch ein Paket geschnürt, welches man in Anspruch nehmen wolle: Es umfasst drei Milliarden Kronen (273 Millionen Euro), die in ein Entwicklungsinstitut investiert werden sollen, um zukunftsfähige umweltfreundliche Autos zu entwickeln. Zusätzlich gewährt die Regierung mithilfe von Krediten der Europäischen Investitionsbank (EIB) Kreditgarantien bis zu 20 Milliarden Kronen (1,82 Milliarden Euro) für die Umstellung der Branche sowie fünf Milliarden Kronen (455 Millionen Euro) Überbrückungskredite.

Rückendeckung erhält Jonsson dabei vom Branchenanalytiker Mats Carlsson vom Göteborg Management Institute. Er äußerte gegenüber der Wirtschaftszeitung "Dagens Industri" die Hoffnung, dass bei asiatischen Automobilherstellern nun bestimmt gerechnet werde, sich mit Saab eine europäische Premiummarke anzuschaffen. Saab bräuchte seiner Meinung nach nun erst einmal Geld innerhalb der kommenden Monate und dann müssten Produktion und Entwicklung wieder zurück nach Trollhättan geholt werden. GM hatte die Saab-Entwicklung nach Rüsselsheim verlegt.

Doch die negativen Stimmen überwiegen. Denn die wichtigsten Fragen blieben bislang unbeantwortet. Wie soll ein Unternehmen, das schon vor der Wirtschaftskrise überwiegend im Verlustbereich agierte, unter den derzeitigen Bedingungen seinen Absatz erhöhen? Wie soll es ein vergleichsweise unbedeutender Automobilhersteller, der nicht einmal als Teil des weltweit größten Branchenkonzerns aus den roten Zahlen herauskommen konnte, nun alleine schaffen?

GM werde kein Geld mehr in Saab stecken, stellte der Branchenanalytiker Christer Karlsson am Mittwoch im schwedischen Radio fest. Schließlich kämpft der Konzern um sein eigenes Überleben. Der Professor von der Universität Kopenhagen sieht keinen anderen Ausweg als den Konkurs. Er kann sich kaum vorstellen, dass sich ein Käufer für Saab finden werde. Besser sei es, die wenigen rentablen Bereiche Saabs zu veräußern und den Rest abzuwickeln.

Wirtschaftsministerin Maud Olofsson sieht die Schuld ausschließlich bei GM. Der Konzern habe es in den vergangenen Jahren versäumt, die Entwicklung neuer Modelle an die aktuellen Umweltanforderungen anzupassen.

Dank der staatlichen Förderung fahren zwar auf schwedischen Straßen viele so genannte Umweltautos von Saab. Doch diese großen und PS-starken Ethanolfahrzeuge haben immer noch einen zu hohen Treibstoffverbrauch und stoßen zu viel CO2 aus, um wirklich zukunftsfähig zu sein. Inwiefern die fehlgeleitete staatliche "Umweltautoförderung" eine gewisse Mitschuld trifft sei dahin gestellt. Schließlich hätte der Weltkonzern GM sehen müssen, dass der Saab-Absatz nicht an Schwedens Grenze halt machen muss.

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