Freitag, 22. November 2019

General Motors Grünes Licht für "Projekt Opel"

Rick Wagoner hat Klarheit geschaffen. Sein Konzern General Motors würde sich auf einen Verkauf von Opel einlassen. Das europäische Management erklärt sich zu Partnerschaften bereit. Doch kann das gut gehen? Ist Opel wirklich so fit für den Markt, wie behauptet? manager-magazin.de spielt drei Zukunftsszenarien durch.

Bochum - Mit banger Spannung wurde der neue Sparplan aus der General-Motors-Zentrale in Detroit erwartet. Es schwante nichts Gutes, aber man durfte zumindest auf Gewissheit hoffen: Werden deutsche Werke geschlossen? Falls ja, welche?

Zentrale Botschaft im Nebensatz: GM-Chef Wagoner
Doch nun, am Morgen danach, ist die Lage kaum klarer. Die erwarteten Grausamkeiten wurden ausgesprochen: 47.000 Stellen will GM Börsen-Chart zeigen streichen, jeden fünften Arbeitsplatz weltweit. 26.000 Arbeitsplätze sollen außerhalb der USA eingespart werden, und damit sind auch Werksschließungen verbunden. Wo die aber einschlagen sollen, verriet das Konzernmanagement nicht.

Ein Ende von Bochum, ein Verkauf von Eisenach? Das ist alles noch drin. Jedes Werk steht unter Beobachtung, heißt es. Am Mittwochmorgen tagten Management und Betriebsräte um weitere Sanierungsschritte zu beraten.

Trotzdem ist man seit vergangener Nacht einen Schritt weiter. Zuvor war noch darüber gerätselt worden, wie realistisch ein "Projekt Opel" ist, der Vorschlag also, Opel aus dem GM-Konzernverband herauszulösen und eigenständig fortzuführen. Die Logik in der deutschen Debatte: Opel ist die Perle im Schweinetrog GM, isoliert vom Rest könne man sie polieren und in neuem Glanz erstrahlen lassen.

Voraussetzung dafür ist natürlich, dass GM die Loslösung zulässt. Opel-Kenner und Buchautor Alexander Storz ("Opel seit 1899") hatte noch gewarnt: "Vor 20 oder auch 10 Jahren wäre die Abspaltung noch leicht gefallen. Inzwischen aber sind Opel und GM so eng miteinander verwoben, dass es schwierig wird." Die schicksalsträchtige Frage beantwortete GM-Chef Rick Wagoner heute Nacht in einem Nebensatz. Er sagte, es habe sich für Opel noch kein Kaufinteressent gemeldet.

Opel auf eigenen Füßen, das ist also mitnichten undenkbar für General Motors. Nach ihrer Sitzung legten die europäische Geschäftsführung und der Gesamtbetriebsrat nach: "Wenn es für den nachhaltigen Erfolg von GM Europa und Opel Sinn macht, ist das Management auch bereit, über Partnerschaften und Beteiligungen mit Dritten zu verhandeln", lautet die offizielle Linie seit Mittwochmittag.

Aus Sicht der Detroiter ist das eine recht attraktive Variante, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer: "So könnte der Konzern schrumpfen, wie es von ihm gefordert wird, ohne die Sozialkosten von Werksschließungen tragen zu müssen." Die Schrumpfkur ist Voraussetzung dafür, dass das beinahe insolvente Unternehmen weiter mit amerikanischen Steuergeldern gestützt wird.

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