Commerzbank Hohe Verluste und ein bisschen Hoffnung

Die Commerzbank hat im Schlussquartal 2008 tiefrote Zahlen geschrieben - die Verluste fielen aber geringer aus als befürchtet. Immobiliengeschäft und Investmentbanking setzten der Bank besonders zu. Für 2009 stellt sich Chef Martin Blessing auf weitere Belastungen ein. Für 2010 stellt das Institut Gewinne in Aussicht.

Frankfurt am Main - Die Finanzkrise hat die Commerzbank  im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen gedrückt. Vor Steuern stand ein Verlust von 378 Millionen Euro zu Buche nach einem Rekordergebnis von 2,5 Milliarden Euro im Jahr 2007, wie die Commerzbank am Mittwoch mitteilte. Da Analysten vor Bekanntgabe der Zahlen einen noch höheren Verlust erwartet hatten, legte die Aktie der Commerzbank  am Mittwoch im frühen Handel wieder zu.

Dank eines Steuerertrags schaffte die zweitgrößte deutsche Bank 2008 unter dem Strich noch einen Mini-Gewinn von drei Millionen Euro. Gründe für das Minus waren Abschreibungen infolge der Krise und Milliardenverluste im Geschäft mit Staatsfinanzierungen, die vor allem im Schlussquartal anfielen. Für das laufende Jahr stellt sich Commerzbank-Chef Martin Blessing auf weitere Belastungen ein. "2009 wird nochmals ein sehr schwieriges Jahr", erklärte Finanzchef Eric Strutz.

Die Commerzbank hofft im kommenden Jahr wieder schwarze Zahlen zu schreiben. "Natürlich kann man 2010 mit einem Gewinn rechnen", sagte Strutz bei einer Telefonkonferenz. Allerdings sei die Commerzbank sehr stark vom makroökonomischen Umfeld abhängig und die Entwicklung der Wirtschaft sei schwer abzusehen. Zum laufenden Jahr wollte sich Strutz nicht näher äußern.

Zwar sei der Januar gemessen an den Zins- und Handelserträgen gut verlaufen. Durch die Wirtschaftskrise müsse die Bank aber mit höheren Kreditausfällen rechnen, so dass die Risikovorsorge voraussichtlich noch weiter steigen werde. Diese hatte 2008 bereits um 1,4 Milliarden Euro auf 1,9 Milliarden zugenommen. Die vorgelegten Zahlen beinhalten noch nicht die Ergebnisse der Dresdner Bank, die die Commerzbank Anfang des Jahres übernommen hatte.

Da das Vorsteuerergebnis negativ ausgefallen sei, würden die Mitarbeiter und Vorstandsmitglieder für 2008 keinen Bonus erhalten, sagte Strutz. Die Mitarbeiter bekämen jedoch eine individuelle Anerkennung für geleistete Mehrarbeit sowie einzelvertraglich geregelte Gehaltsbestandteile.

Im Segment Staatsfinanzierungen und Handel fuhr die Commerzbank 2008 einen operativen Verlust von 1,7 Milliarden Euro ein nach einem Verlust von 67 Millionen im Jahr zuvor. Hier schlugen sich unter anderem Verluste aus dem Engagement in dem beinahe pleitegegangenen Inselstaat Island nieder.

Zudem kämpft die Commerzbank-Tochter Eurohypo mit einem starken Wertverfall von Staatsanleihen. Blessing hatte in den vergangenen Wochen mehrmals gesagt, die Branche brauche eine Lösung für diese Titel, die in den Büchern zu Abschreibungen führen und das Eigenkapital belasten. Finanzkreisen zufolge erwägt die Commerzbank eine Auslagerung solcher und anderer Papiere in eine sogenannte Bad Bank.

Trotz der Finanz- und Wirtschaftskrise entwickelte sich das Segment Privat- und Geschäftskunden im vierten Quartal positiv. Der operative Gewinn stieg auf 129 (Vorjahreszeitraum: 67) Millionen Euro. Im Mittelstandsgeschäft sowie in Mittel- und Osteuropa ging das Ergebnis dagegen zurück. Der Staat musste die Commerzbank bislang mit insgesamt gut 18 Milliarden Euro Eigenkapital und 15 Milliarden Euro Garantien stützen. Dadurch erwirbt der Bund 25 Prozent plus eine Aktie an dem Institut und hat künftig ein erhebliches Mitspracherecht.

manager-magazin.de mit Material von Reuters, dpa und ddp

Quartalszahlen: Die Banken und das dicke Ende

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