Autokrise GM streicht 47.000 Stellen, Opelaner zittern

Der angeschlagene US-Autobauer General Motors will 47.000 Stellen streichen und erwägt Werke in Europa zu schließen. Das bringt die Tochter Opel immer stärker in Gefahr. In seinem Sanierungsplan verlangt GM zudem Staatshilfen von bis zu 30 Milliarden Dollar. Das ist mehr als doppelt so viel wie bisher.

Detroit/Washington - Die schwer angeschlagene Opel-Konzernmutter General Motors  droht, zu ihrer Sanierung in Europa Fabriken dichtzumachen. GM sei an die europäischen Arbeitnehmervertreter herangetreten, um die Kosten um 1,2 Milliarden Dollar zu senken, teilte der US-Autobauer in der Nacht zum Mittwoch mit. "Das beinhaltet mehrere mögliche Schließungen oder Abspaltungen von Werken an kostenintensiven Standorten."

Bereits am Vortag hatten Schreckensszenarien über mindestens drei Werksschließungen bei Opel und den europäischen Schwestermarken die Runde gemacht. Laut Medienberichten erwägt GM, die Opel-Fabriken in Bochum und im belgischen Antwerpen zu schließen und das Werk Eisenach zu verkaufen. Betriebsratschef Klaus Franz wies die Spekulationen jedoch zurück und sagte, er habe keine Kenntnis davon.

GM hatte am Dienstagabend in den USA seinen Sanierungsplan vorgestellt. Weltweit will der Autobauer 47.000 Stellen streichen - das wäre etwa jeder fünfte Arbeitsplatz bei weltweit 245.000 Beschäftigten. Außerhalb der USA sind 26.000 Stellen betroffen. Zudem braucht der einst größte Autokonzern der Welt weitere Staatshilfen, um über die Runden zu kommen.

Außerdem sollen fünf US-Werke geschlossen werden. Die Marken Saab in Schweden sowie Hummer und Saturn in den USA stehen zum Verkauf.

Auch in Deutschland gingen die Gespräche über Staatshilfen weiter, teilte GM mit. Opel hatte bereits im November eine Bürgschaft von Bund und Ländern über rund zwei Milliarden Euro beantragt, um sich für eine mögliche Insolvenz der Mutter zur rüsten.

"Insolvenzverfahren kostet 100 Milliarden Dollar"

GM wolle die "Liquiditätsfrage" für das europäische Geschäft vor Ende März beantworten. "Eine tragfähige Strategie für das europäische Geschäft von GM könnte Unterstützung durch Partnerschaften mit der deutschen und/oder europäischen Regierungen beinhalten." Die Verluste schreibende schwedische Tochter Saab könnte trotz der andauernden Gespräche über Staatshilfen mit der dortigen Regierung noch in diesem Monat Insolvenz anmelden müssen, teilte der Konzern mit.

In seinem der US-Regierung am Dienstag vorgelegten Sanierungsplan verlangt GM zudem bis zu 30 Milliarden Dollar vom Staat. Das ist mehr als doppelt so viel wie GM bisher bekommen hat. Ein Insolvenzverfahren würde dagegen laut GM aber viel teurer werden und bis zu 100 Milliarden Dollar kosten. Chrysler will über die bisherigen vier Milliarden Dollar hinaus weitere fünf Milliarden Dollar haben. Der zweitgrößte US-Autobauer Ford  will trotz Milliardenverlusten ohne Staatsgelder auskommen.

Ohne weiteres Geld drohe die rasche Pleite, warnte General Motors. Auch Wettbewerber Chrysler will weitere Milliardenhilfen - insgesamt nun neun Milliarden Dollar. Die Aktie von Daimler gab am Mittwoch erneut nach - Daimler ist immer noch mit rund 20 Prozent an Chrysler beteiligt.

Schonfrist bis Ende März

Die Zukunft der deutschen Tochter Opel hatte GM-Chef Rick Wagoner bei einer Pressekonferenz am Dienstagabend in Detroit zunächst offen gelassen. "Wir sind mittendrin, mit verschiedenen Seiten zu sprechen, darunter auch die deutsche Regierung", sagte er. GM höre sich alle Optionen an.

Zu Spekulationen über eine Trennung von Opel sagte Wagoner, bisher sei niemand an GM wegen eines Verkaufs herangetreten. Die Diskussion um eine Herauslösung von Opel aus dem Konzern schlägt derzeit hohe Wellen. Mit der Bundesregierung verhandelt Opel wegen der GM-Schieflage über eine Bürgschaft von bis zu 1,8 Milliarden Euro.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) forderte während seiner USA-Reise Klarheit, was der Sanierungsplan konkret für die deutschen Opel-Standorte bedeutet. Im Bochumer Opel- Werk diskutierten die Beschäftigten der Nachtschicht die Lage. Ein Fertigungsmonteur sagte stellvertretend für Kollegen, dass man auf eine Zukunft ohne GM setze. "Wir hoffen, dass das Werk verkauft werden kann und erhalten bleibt", sagte er. Der Betriebsrat des Bochumer Werkes hält einen Verkauf für die beste Lösung.

GM und Chrysler müssen ihre Überlebensfähigkeit auf Basis ihrer Sanierungspläne nun konkret bis Ende März beweisen. Die US-Regierung macht davon weitere Hilfen abhängig. Erste geforderte Zugeständnisse der Gewerkschaften wurden bereits erreicht. Weitere Verhandlungen laufen - unter anderem auch mit Gläubigern zur Umschuldung.

Die US-Regierung verlangte nach Vorlage der Sanierungskonzepte von allen beteiligten Parteien - Gläubigern, Zulieferern, Händlern, Gewerkschaften und Management - ein weiteres Entgegenkommen. Die Regierung werde die Pläne über die nächsten Tage genau prüfen. Chrysler gehört überwiegend dem US-Finanzinvestor Cerberus. Knapp 20 Prozent hält noch der deutsche Daimler-Konzern , der sich von dem Anteil aber so schnell wie möglich trennen will.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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