Federal Mogul US-Zulieferer greift nach TMD Friction

Der US-Zulieferer Federal Mogul will den insolventen Konkurrenten TMD Friction aus Leverkusen kaufen. Das Geschäft steht nach Informationen von manager-magazin.de kurz vor dem Abschluss. Die Amerikaner wollen einen Weltmarktführer formen - etwa 1000 Arbeitsplätze in Deutschland könnten dabei wegfallen.
Von Klaus Boldt und Nils-Viktor Sorge

New York/Hamburg - Der insolvente Autozulieferer TMD Friction stehe kurz vor dem Verkauf an den US-Konkurrenten Federal Mogul, erfuhr manager-magazin.de aus Verhandlungskreisen. Das Unternehmen aus dem Autostaat Michigan sei bereit, etwa 100 Millionen Euro für den Leverkusener Spezialisten für Bremsbeläge zu bezahlen.

Das Geschäft sei so gut wie perfekt, heißt es in den Kreisen. Ein Sprecher von Insolvenzverwalter Frank Kebekus betonte gegenüber manager-magazin.de, es werde noch mit verschiedenen Interessenten verhandelt.

Federal Mogul will mit dem geplanten Zukauf zum globalen Marktführer im Geschäft mit Bremsbelägen aufsteigen. Ziel ist es, die angestrebte starke Stellung für Preiserhöhungen zu nutzen und so endlich wieder auskömmliche Margen in dem schon vor Beginn der Absatzkrise hart umkämpften Markt zu erreichen.

Um ein schlagkräftiges Unternehmen zu formen, sind offenbar bittere Einschnitte geplant. So sollen allein 1000 der 2500 Arbeitsplätze an deutschen Standorten von TMD wegfallen. Der Sprecher des Insolvenzverwalters zeigte sich überrascht über diese Zahl. Sie sei in keiner der Verhandlungen mit potenziellen Investoren zur Sprache gekommen und stehe deshalb "nicht zur Debatte".

Insolvenzverwalter Kebekus hatte Ende vergangener Woche bereits angekündigt, dass der Verkauf von TMD Friction kurz bevor stehe. Das Unternehmen war im Dezember vergangenen Jahres als erster großer Zulieferer in die Insolvenz gegangen. Unternehmenschef Derek Whitworth hatte den "Einbruch in der Autoindustrie" sowie "den Rückzug der Kreditversicherer" als Ursachen ausgemacht.

Federal Mogul beschäftigt nach eigenen Angaben weltweit 43.000 Mitarbeiter in 35 Ländern und erzielte 2007 einen Umsatz von 6,9 Milliarden Dollar. Das Unternehmen hat eine breite Produktpalette, die von der Antriebstechnik über Sicherheitskomponenten zu Ersatzteilen reicht. Der Konzern hat bereits Tochterunternehmen in Nürnberg (Kolbenproduktion) und Wiesbaden, wo es Gleitlager herstellt.

TMD fertigte nach Unternehmensangaben zuletzt an 15 Standorten in elf Ländern Bremsbeläge für die Automobil- und Bremsenindustrie. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als Weltmarktführer im Erstausrüstermarkt. Der Umsatz betrug zuletzt nach Unternehmensangaben 690 Millionen Euro. TMD beschäftigt weltweit rund 4500 Mitarbeiter. Die Gesellschaften und Standorte in Europa, Amerika und Asien gehören zur TMD Holding mit Sitz in Luxemburg.

Das Unternehmen war im Jahre 2000 von dem britischen Private-Equity-Unternehmen Montagu für 776 Millionen Euro übernommen worden. Wie in der Branche üblich, hatte die Beteiligungsgesellschaft der neuen Tochter TMD die Finanzierung der eigenen Übernahme aufgebürdet, so dass die Schuldenlast stieg. 2006 musste Montagu dann die Kontrolle an die Gläubiger - eine Gruppe von Hedgefonds - abgeben.

Anmerkung der Redaktion: In der ersten Fassung dieses Artikels lag die Stellungnahme des Insolvenzverwalters noch nicht vor

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