Osteuropa Verzweifelter Kampf gegen die Krise

Die Regierungen in Prag und Budapest stemmen sich mit Konjunkturpaketen gegen die immer bedrohlichere Wirtschaftskrise. An den Märkten schwindet zusehends das Vertrauen in die Länder von Polen bis Rumänien - die Kurse stürzen auf breiter Front.

Budapest/Prag - Ungarn und Tschechien bekämpfen die Krise ihrer exportabhängigen Volkswirtschaften mit neuen Konjunkturprogrammen. Die Regierung in Prag erklärte am Montag, die Ausgaben zur Stimulierung der Wirtschaft auf 73 Milliarden Kronen (gut 2,5 Milliarden Euro) oder 1,9 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung zu verdoppeln. Die ungarische Regierung verkündete eine Mehrwertsteuererhöhung, um sich Spielraum zur Senkung der Arbeitskosten und für andere Schritte zum Anschieben der Wirtschaft zu verschaffen.

Rumänien will sich unterdessen bald entscheiden, ob es wie viele andere Länder der Region den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Hilfe bitten muss. Die zentraleuropäischen Länder bekommen derzeit schmerzhaft den Einbruch der Nachfrage nach Autos, Flachbildfernsehern und anderen Gütern aus ihrer Produktion zu spüren.

Investoren betrachten die wirtschaftliche Talfahrt in den Ländern ebenfalls mit Sorge und ziehen ihre Gelder ab. Deshalb fiel der ungarische Forint am Montag zum Euro auf den tiefsten Stand aller Zeiten und der polnische Zloty kostete so wenig wie seit dem EU-Beitritt des Landes 2004 nicht mehr.

Die nun angekündigten Steuersenkungen und Haushalts-Umschichtungen offenbaren, dass die Länder in einem Dilemma stecken: Einerseits wollen sie sich mit Mehrausgaben gegen den Abwärtsstrudel stemmen. Andererseits jedoch wollen sie ihre Haushaltsziele nach jahrelangen Konsolidierungsbemühungen nicht vollkommen über Bord werfen.

Außerdem könnte es ihnen schwerfallen, sich angesichts der Skepsis am Finanzmarkt die nötige Finanzierung zu sichern - auch weil sich die führenden Industrienationen derzeit ebenfalls massenweise Geld am Kapitalmarkt für ihre Konjunkturpakete ausleihen müssen. Ökonomen bezweifeln deshalb, dass die angekündigten Schritte zur Stimulierung der Wirtschaft ausreichen, weil die Ausgaben größtenteils an anderer Stelle eingespart werden sollen.

Börsen in der Region lassen kräftig Federn

Die wichtigsten osteuropäischen Börsen haben am Montag sehr schwach geschlossen. In Prag rutschte der Leitindex PX um 3,41 Prozent auf 723,7 Punkte ab. Weit oben auf den Verkaufslisten der Investoren standen wieder einmal die Bankenwerte.

Erste Group Bank brachen um 6,64 Prozent auf 260 Kronen ein und rutschten damit auf ein neues Allzeittief seit dem ersten Handelstag an der Prager Börse im Oktober 2002. Komercni Banka sackten um 4,67 Prozent auf 2.020 Kronen ab.

In Budapest rutschte der Leitindex Bux um 3,51 Prozent auf 11.438 Einheiten ab. "Alle neuen Nachrichten illustrieren, dass wir uns in einer tiefen Rezession befinden", sagte ein Fondsmanager in London.

Auch in Ungarn wurden negative Konjunkturdaten publiziert. Die Industrieproduktion in Ungarn war im Gesamtjahr 2008 erstmals seit 1992 zurückgegangen. Im Vorjahr wurde ein Minus von 1,1 Prozent verzeichnet, wie das Zentrale Statistikamt (KSH) mitteilte.

In einem europaweit unter Druck stehenden Bankensektor rutschten OTP-Titel um 6 Prozent auf 2341 Forint ab. Die Wertpapierspezialisten von Wood bezeichneten die Analystenkonferenz der OTP Bank im Anschluss an die Quartalszahlen am Freitag als "neutral" und mit beschränkter Aussagekraft. Die Analysten werden ihre Schätzung zudem überarbeiten. Deutlich ins Minus ging es auch für die MOL- Papiere  mit einem Rückgang von vier Prozent auf 8900 Forint. FHB sanken um 5,90 Prozent auf 600 Forint.

In Warschau sank der WIG-20 kräftig um 3,79 Prozent auf 1436 Punkte. Der breiter gefasste WIG-Index verlor 3,25 Prozent auf 22.790 Zähler. Eine Ausverkaufsstimmung an den internationalen Leitbörsen drückte Händlern zufolge auch den Warschauer Markt in die Tiefe.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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