Autoindustrie Abwrackprämie erspart Opel Kurzarbeit

Die staatliche Abwrackprämie hat die Nachfrage beim Autobauer Opel deutlich belebt, so dass es im März keine weitere Kurzarbeit im Opel-Werk Eisenach geben soll. Dennoch bleiben die Beschäftigten nervös: Am Dienstag wird Konzernmutter General Motors der US-Regierung ihre Zukunftspläne vorlegen.

Eisenach - Im März werde es keine Kurzarbeit im thüringischen Werk in Eisenach geben, sagte Opel-Sprecher Frank Klaas und bestätigte Berichte der "Bild"-Zeitung und des "Handelsblatts". In Deutschland gebe es einen Silberstreif am Horizont, allerdings sei die Lage in anderen europäischen Ländern nach wie vor kritisch, vor allem in Spanien.

GM-Europa-Vizechef Alain Visser sagte dem "Handelsblatt", die staatliche Abwrackprämie von 2500 Euro habe die Nachfrage vor allem nach Kleinwagen deutlich belebt. Im Januar seien die Auftragseingänge von Privatkunden bei Opel um die Hälfte gestiegen, die Nachfrage nach dem Agila habe sich sogar verdoppelt, die Bestellungen für den in Eisenach produzierten Kleinwagen Corsa hätten um 70 Prozent zulegt, die für den Astra um 30 Prozent.

Einen tiefgreifenden Umschwung auf dem deutschen Markt sieht Visser allerdings auch im Februar noch nicht.

Der kommende Dienstag wird in Detroit und Rüsselsheim gleichermaßen mit Spannung erwartet. An diesem Tag müssen die Opel-Mutter General Motors und ihr Konkurrent Chrysler der US-Regierung ihre Sanierungspläne vorlegen und damit Rechenschaft über die seit Dezember gewährten Staatshilfen von insgesamt 13,4 Milliarden Dollar geben.

Entscheidung über GM und Opel am Dienstag

In Deutschland hofft man dabei auf möglichst konkrete Pläne für die Zukunft von Opel - der wichtigsten Auslandstochter von GM. Dies könnte auch den seit Monaten laufenden Gesprächen über eine von Opel beantragte Bundesbürgschaft neuen Schwung geben. Hessens Ministerpräsident Roland Koch, in dessen Bundesland der Stammsitz des deutschen Traditionsunternehmens liegt, erklärte jüngst, der 17. Februar sei ein entscheidender Tag für die Rettung von Opel. Eigentlich sollte die Bürgschaft für den Autobauer bereits bis Weihnachten vergangenen Jahres unter Dach und Fach sein.

Bügschaft soll Opel vor möglicher GM-Insolvenz schützen

Dank der milliardenschweren Staatskredite für die Mutter in den USA konnte die drohende Insolvenz des ehemals weltgrößten Autobauers jedoch zunächst abgewendet werden. Somit bestand auch keine unmittelbare Notwendigkeit, Opel zu stützen. Zudem scheint nach wie vor unklar zu sein, wie die Bundesregierung einen Abfluss der durch die Bürgschaft lockergemachten Mittel nach Detroit verhindern will. Nach eigenen Angaben ist Opel bis weit ins Jahr hinein liquide.

Mit den Geldern von Bund und Ländern im Umfang von etwa 1,8 Milliarden Euro will sich Opel Zugang zu Krediten der Europäischen Investitionsbank verschaffen, um sich unabhängig von der Mutter zu finanzieren. Neben Hessen, das bereits ein Gesetz für eine Bürgschaft über 500 Millionen Euro für Opel und Zulieferer verabschiedet hatte, sind auch die verbleibenden drei Bundesländer mit Opel-Standorten in die Gespräche mit eingebunden. Am Stammsitz in Rüsselsheim beschäftigte das Unternehmen zuletzt rund 16.000 Mitarbeiter, in Bochum in Nordrhein-Westfalen 5300, in Eisenach in Thüringen 1800 und in Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz etwa 2300.

Mit der Bürgschaft will sich das Unternehmen auch gegen eine Insolvenz von GM abzusichern. Der Konzern kämpft in den USA mit dem schlimmsten Markteinbruch seit 1982. Auch in Europa ist die Autoindustrie in einer Krise. Durch die unsichere Wirtschaftslage zögern viele Kunden mit dem Kauf eines neuen Wagens. Über die Wirkung der Abwrackprämie der Bundesregierung gibt es noch keine belastbaren Zahlen.

Trennung von GM ist unwahrscheinlich

Unsicherheit herrscht auch bei den Angestellten des Autobauers. Um das eigene Überleben zu sichern, hatte GM vergangenen Dienstag einen massiven Stellenabbau und Gehaltskürzungen angekündigt. Diesmal sind die Maßnahmen aber nicht auf das US-Geschäft begrenzt - weltweit will das Unternehmen 10.000 Arbeitsplätze abbauen. In Deutschland soll ein "Zukunftssicherungsvertrag" zwischen Betriebsrat und Management betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen bis Ende 2010 verhindern. Allerdings will GM in Europa insgesamt rund 750 Millionen Dollar sparen - auch bei den Personalkosten. Die Gespräche darüber laufen bereits seit Monaten.

Eine Trennung Opels von dem US-Mutterkonzern halten Experten für unwahrscheinlich. Dazu wäre General Motors wohl nur im äußersten Notfall bereit, sagte Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Opel macht rund drei Viertel des Europageschäfts von GM aus, in das das Unternehmen angesichts der Krise am Heimatmarkt in den USA große Hoffnungen setzt. Das Asien- und das schnell wachsende Lateinamerikageschäft kommen noch nicht an die in Europa erzielten Umsätze heran. "Ohne internationale Größe müsste GM aufgeben", sagte Pieper.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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