Rio Tinto Milliardenhilfe aus China

Es ist die größte Auslandsbeteiligung in der chinesischen Industriegeschichte: Der Aluminiumkonzern Chinalco erhöht seinen Anteil an dem australischen Bergbauriesen Rio Tinto um 19,5 Milliarden Dollar - wenn Australiens Regierung zustimmt. Rio Tinto wäre die Hilfe angesichts eines riesigen Schuldenbergs und fallender Rohstoffpreise willkommen.

Melbourne - Der staatliche chinesische Aluminiumkonzern Chinalco soll den britisch-australischen Bergbaukonzern Rio Tinto  aus finanziellen Schwierigkeiten retten. Der Großinvestor Chinalco will weitere 19,5 Milliarden US-Dollar (15,1 Milliarden Euro) zuschießen, teilte Rio Tinto am Donnerstag in Melbourne mit. Das ist die bislang größte chinesische Investition in ein ausländisches Unternehmen.

Chinalco sichert sich damit umfangreiche Rohstoffreserven, während Rio seine Schulden verringern kann. Chinalco soll den Unternehmensangaben vom Donnerstag zufolge an neun Bergwerken von Rio Anteile von bis zu 50 Prozent erhalten. Zudem erwerben die Chinesen Rio-Anleihen, die in Aktien getauscht werden können. Damit könne sich der Chinalco-Anteil an dem weltweit drittgrößten Minenbetreiber auf 18 Prozent verdoppeln, erklärte Rio Tinto.

Es wird erwartet, dass das Vorhaben auf Skepsis bei der australischen Regierung stößt. Diese will verhindern, dass ausländische Staats-Firmen Einfluss auf strategische oder politische Entscheidungen australischer Firmen nehmen können. Rio wies am Donnerstag zudem einen Gewinnanstieg für das vergangene Jahr von 38 Prozent auf 10,3 Milliarden Dollar aus, was um 500 Millionen über den Erwartungen von Analysten lag.

"Chinalcos Investition ist ein klares Vertrauensvotum, was die Stärke Rio Tintos, seine Wachstumsmöglichkeiten und die Aussichten für die Rohstoffe, die wir fördern, angeht", teilte Rio Tinto-Chef Paul Skinner in Melbourne mit. Rio Tinto hatte sich vor zwei Jahren schwer verschuldet, um den Aluminium-Rivalen Alcan zu kaufen. Rio Tinto hat zum Jahresende 2008 einen Schuldenberg von 39 Milliarden Dollar angehäuft. Im Streit um den Abbau der Verbindlichkeiten warf der designierte Vorstandschef des Konzerns Jim Leng zu Wochenbeginn und noch vor seinem Amtsantritt das Handtuch. Er hatte sich gegen das Geschäft mit Chinalco gewandt.

Der Rio-Konkurrent BHP Billiton  zieht nach Angaben der britischen "Times" ein Gegengebot für die Anteile in Betracht. Wenn die von Chinalco ins Visier genommenen Beteiligungen attraktiv und unterbewertet seien, sei BHP bereit, sich in das Geschäft einzuschalten, zitierte die Zeitung unternehmensnahe Kreise. "Warum sollten ihnen die Anteile nicht mehr gefallen, wenn sie das bei ihrem Übernahmeangebot für Rio taten", sagte ein Gewährsmann dem Blatt.

BHP Billiton, wie Rio Tinto mit Sitz in Melbourne und London, hatte im November nach einjährigen Bemühungen Pläne für eine feindliche Übernahme von Rio Tinto abgeblasen. Der 150-Milliarden-Dollar-Deal gilt als größte abgesagte Übernahme der Geschichte. Chinalco hatte sich gemeinsam mit dem vom früheren Siemens-Chef Klaus Kleinfeld geführten US-Wettbewerber Alcoa  an Rio Tinto beteiligt, weil sie im Fall einer Übernahme durch BHP Billiton ein Monopol auf Erzpreise fürchteten. Inzwischen leiden die Bergbaukonzerne unter dem Verfall der Rohstoffpreise und kürzen Produktion und Investitionspläne.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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